Miljenko Jergovic erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Warum reisen Schriftsteller so viel? Nicht nur weil sie müssen, um bei Lesungen aufzutreten und so ihre Bücher durch ihre Präsenz zu verkaufen. Autoren reisen, weil sie in der Fremde anders fühlen, leben und denken und das unterstützt ihre Kreativität, ihr Schreiben. Miljenko Jergovic, (Das verrückte Herz, Suhrkamp), der auf der Buchmesse mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt wird, hat es so erklärt:

"Wo man kein Fremder ist, hört man auf, Fassaden wahrzunehmen, die einen umgeben. Man bewegt sich blind durch Straßen und Plätze, sieht die Gesichter der Menschen nicht mehr deutlich und hört die Tonlagen und Akzente ihrer Sprache nicht mehr.

Sobald ein Mensch irgendwo Einheimischer wird, verliert er die Fähigkeit, die Welt von außen zu betrachten. Und ohne diese Fähigkeit verliert die Literatur ihren Sinn."

aus: "Rühmt sich eine Mehrheit ihrer Toleranz, gibt es keine mehr" von Michael Martens, Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.3.2026