Louis Begley: Einen Roman beginnen

„Wenn ich mir vornehme, einen Roman anzufangen, dann suche ich mir nicht Themen, die ich behandeln möchte. Und ich skizziere auch nicht die Umrisse einer Handlung. Vielmehr mache ich mir zuerst ein Bild von meinem Protagonisten und seinem Dilemma. Nach einer Weile sehe ich dann den Ausgangspunkt und die Ziellinie der Geschichte. Was dazwischen liegt, ist harte Arbeit. Denn nun muss der Romanschreiber aus den Beobachtungen und Erfahrungen seiner eigenen Lebenswelt (…) die Begebenheiten schaffen, die ihn über die Ziellinie bringen. Auf dem Weg dahin zehrt er sein Kapital an Schmerz und Freude auf.“ 

aus: Dankrede zur Verleihung des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung 2000