Erik Brühlmann fragte den Wissenschaftler und Autor:

Genoss Science-Fiction-Literatur früher einen besseren Ruf als heute, wo sie gerne in die Ecke der Trivialliteratur gestellt wird?
„Science Fiction war immer Unterhaltungsliteratur. In der traditionellen literarischen Zweiklassengesellschaft stand sie immer eine Stufe unter Shakespeare, Goethe und den anderen Literaten. Das war zu Zeiten von Jules Verne nicht anders, als es heute ist.“

„Das Genre an sich ist schwierig zu definieren. Was sind die Grundtaten?
… „Für mich gehört immer die Auseinandersetzung mit künftigen oder alternativen Gesellschaften dazu.“

Was treibt einen Schriftsteller dazu, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen?
„Eine Motivation war und ist es, die bestehenden Gesellschaftszustände mit künftigen Idealvorstellungen zu vergleichen. Oder anders gesagt: Man will sich kritisch mit dem Ist-Zustand einer Gesellschaft auseinandersetzen, indem man eine bessere und makellose Zukunftswelt imaginiert. Eine andere Motivation ist es, das Publikum warnen zu wollen: Was kann passieren, wenn diese oder jene Entwicklung ungehindert so weitergeht?“
Mateusz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des SNF-Forschungsprojekts „Conditio Extraterrestris“ von Professor Philipp Theisohn

Im Piper Verlag ist gerade ihr erster Roman erschienen, Titel „Sweet Rotation“. Im Lesen-Fragebogen von Orell-Füssli beantwortet sie u.a. die folgenden Fragen:

Wären Sie nicht Schriftstellerin geworden, wären Sie heute …
„mit dem Versuch beschäftigt, Schriftstellerin zu werden.“

Wenn Sie schreiben: Können Sie abschalten oder verfolgt Sie Ihr Projekt rund um die Uhr?
„Es verfolgt mich rund um die Uhr, aber ich versuche das jeweils nicht als penetrante Verfolgung, sondern als inspirative Begleiterscheinung zu betrachten. Das klappt mal besser, mal schlechter. Aber ganz weg sind die Projekte nie – so etwas wie einen Feierabend gibt es tatsächlich nicht.“

Wie belohnen Sie sich, wenn Sie ein Werk abgeschlossen haben?
„Für mich ist ein Werk nie abgeschlossen. Leider. Im Kopf rattert es immer weiter, es nagen Zweifel, folgen irgendwelche Konsequenzen. Aber generell: Freunde anrufen, anstossen.“

Das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland (vormals Deutscher PEN-Club im Exil/Deutscher Exil-PEN) hat beschlossen, im Gedenken an den vor 2000 Jahren im Exil verstorbenen römischen Dichter Publius Ovidus Naso ab 2017 einen OVID-Preis für herausragende literarische
Veröffentlichungen zu vergeben.
Der OVID-Preis des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland wird jedes zweite Jahr für eine herausragende literarische Buchveröffentlichung vergeben, getreu der PEN-Tradition (Poets, Essayists, Novelists) in einer der drei Kategorien P = Poesie, E = Essay, N = Roman oder erzählende Prosa.
Bewerben können sich alle auf Deutsch schreibenden Autorinnen und Autoren über 35 Jahre mit Werken, die in den vorangegangenen 24 Monaten veröffentlicht wurden. Ausgeschlossen sind Neuauflagen, Neuausgaben oder Wiederauflagen früherer Werke, Übersetzungen aus anderen
Sprachen sowie Veröffentlichungen in Selbst- oder Druckkostenzuschlagsverlagen.
(Vollständige Teilnahmebedingungen siehe: http://blog.pen-zentrum-ausland.de/ovid-preis/) Auf Beschluss des Vorstandes wird der OVID-Preis des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland erstmals an Prof. Guy Stern für sein Lebenswerk verliehen. Die Preisverleihung findet am 14. März 2017 (19.00) anlässlich der Vorstellung der Anthologie Alles wandelt sich – Echos auf Ovid in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt statt und ist öffentlich.
Gleichzeitig wird der nächste OVID-Preis per 31. Dezember 2017 ausgeschrieben. Die eingereichten Werke werden von eine fünfköpfigen Jury beurteilt:
Gabrielle Alioth, Autorin
Burkhard Bierschenck, Verleger
Frederick A. Lubich, Professor für deutsche Sprache und Literatur
Hans-Christian Oeser, Autor und Literaturübersetzer
Utz Rachowski, Autor
Der OVID-Preis wird der Gewinnerin oder dem Gewinner in festlichem Rahmen überreicht und besteht jeweils aus einem Geldbetrag, einer Urkunde und einem individuellen Geschenk. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: ovid-preis@pen-zentrum-ausland.de

„Schreiben erfordert eine libidinöse Disziplin. Schreiben ist notwendig, um den Druck abzulassen, damit der Schädel nicht zerspringt. Schreiben ist eine Rage, die vom Verstand kontrolliert wird.“
Georg Diez: Interview „Die Nobelpreis-Erträgerin“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.10.2004

„Ich weiß wie man Bücher schreibt, die sich verkaufen, ich weiß es wirklich ganz gut, aber die Frage ist, ob einem der Arbeitsaufwand die Lebenszeit wert ist. Also schreibe ich lieber Bücher, von denen ein Trost für mich selbst ausgeht. Und dann kann das völlig Unerwartete geschehen, dass sich auch andere davon trösten lassen und man mit einem eher intimen Buch plötzlich Erfolg hat. Dann hat man ein Glückslos gezogen, wie es auch manchmal mit einem anderen Menschen passiert – davon habe ich ja in „Widerfahrnis“ (Frankfurter Verlagsanstalt) erzählt.“
Ursula Nuber „Ohne die Melancholie wäre mein Leben ärmer“ – Psychologie heute März 2017

„In einem Experiment stellten Forscher fest, dass Kreativität einen bisher ungeahnt positiven Einfluss besitzt – hauptsächlich auf Menschen mit schöpferischen Ambitionen und Zielen.

Seit rund drei Jahrzehnten vermuten Forscher, dass kreative Tätigkeiten wie etwa das Schreiben von Erzählungen existenzielle Ängste mildern können. Bücher, Bilder, Bühnenstücke: Die Werke suggerieren ihren Urhebern ein Stück weit Unsterblichkeit, weil sie durch den Tod nicht ausgelöscht werden, sondern als Teil der Kultur fortbestehen.“
aus: Anna Gielas „Kreativität mildert Todesangst“ – Psychologie Heute März 2017
(Rotem Perach, Arnaud Wisman: Can creativity beat death? A review evidence on existential anxiety buffering functions of creative achievement)

In Grimms Wörterbuch findet man unter dem Begriff „Verlag“ die Erklärung:
„was man hinwegsetzt setzt, an einen anderen Ort bringt“
Ab dem 18. Jahrhundert heißt es dann: „… übernahme des aufwandes für herstellung eines druckwerkes“

Professor Michael Hagner (Zur Sache des Buches, Wallstein Verlag) schreibt in der Neue Zürcher Zeitung unter der Überschrift „Die Wörter bringen es ans Licht“:

„Der Verlag geht für ein Buch in Vorleistung, und zwar in ökonomischer und in ideeller Hinsicht. Wie sollte man auch die beiden Aspekte voneinander trennen, wenn ein Verlag an der Sprache eines Buches – man nennt das Lektorat – und an seiner materiellen Gestaltung arbeitet? … Ein Verlag, der sich selbst, die Sprache und die Inhalte ernst nimmt, trägt Sorge für ein Buch, macht es zu seiner Sache, setzt sich dafür ein, auch wenn er nicht wissen kann, ob die getätigten Investitionen wieder eingespielt werden.“

Die iranische Dozentin und Journalistin arbeitet für das Zeit-Magazin, Monopol und Fantastic Man. Jetzt hat sie ein autobiografisches Buch geschrieben: „Älter als Jesus oder mein Leben als Frau“ (Orell-Füssli-Verlag)
Im Interview mit Sven Broder erzählt sie, wann sie begriff, dass sie Frauen liebt, warum sie sich heute ein Kind wünscht und warum das Symbol der Liebe nicht das Herz sein sollte.

„Das Herz ist das rationalste Organ, das wir haben, das Symbol für das Leben. Es pumpt das Blut durch den Körper, ununterbrochen. Schenke ich dir also mein Herz, verschenke ich im Grunde mein Leben – und das ist furchtbar, das sollte niemand tun. Ich muss leben, um zu lieben. Liebe ist ein Gefühl, eine Wahrnehmung. Und fühlen kommt von denken.

Hör also nicht auf dein Herz …
…. sondern auf den Verstand. Der Verstand ist die Liebe.
Sven Broder „ich könnte mit dir glücklich werden“ – annabelle 1/16

Die Münchener Literaturprofessorin beantwortet im Interview mit dem Magazin flair die Frage:

Wie sind Mode und ihre Farben in die Literatur eingeflossen?

Es gibt etliche Schlüsselszenen in berühmten Romanen, etwa das nudefarbene Spitzenkleid, das Renée in „Die Treibjagd“ von Èmile Zola trägt. Minutiös beschreibt er, wie sie, die Gattin eines Pariser Immobilienmoguls, darin als kostbare Preziose die Treppe hinabschreitet. Nude als Farbe der Haut und durchscheinende Spitze: Eine geradezu skandalöse Mischung. Oder die kranke Erbin Milly Theale in Henry James „Die Flügel der Taube“ in ihrem weißen Kleid mit venezianischen Perlen. Madame Bovary in ihrem blauen Merinowollkleid, als Charles sie zum ersten Mal sieht. „Die Frau in Weiß“, ein Roman von Wilkie Collins, und die 80er-Kultkomödie „Die Frau in Rot“. Nicht zu vergessen „Die Passantin“ von Baudelaire, die, den Saum ihres schwarzen Kleides schwenkend, einem Mann im Café entgegentritt.“
aus: Siems Luckwaldt „In einer Welt, die immer schwärzer wird, ersehnen wir die Heiterkeit bunter Farben“ – Flair – März 2017

Der Kulttrainer der argentinischen Fußballmannschaft hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seine emotionale Nähe zu Hunden erklärt, für mich (und meine Hunde) macht ihn das sehr sympathisch. Nichthundebesitzer jetzt bitte einfach weiterscrollen:

„Der argentinische Fußball behauptet sich wie der Jagdhund, das ist quasi genetisch.
Diese Hunde sind seit hundert, ach was, seit tausend Jahren, Jagdhunde, und bei uns kommen immer wieder Fußballer hervor, und man weiß nicht, warum. Das muss genetisch sein, denn das ganze Umfeld hier macht es niemandem leicht, sich zu entwickeln. (…)

„Es gibt doch nichts langweiligeres als Fußball im Fernsehen. Das ist als würde ich mir einen Liebesfilm anschauen und dabei meinen Hund im Arm halten.“
aus: „Besser Maradona als irgendein Depp“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 4. März 2017

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