Gibt es so etwas wie eine weibliche Sprache?

„Eine ‚weibliche Sprache‘ würde eine ‚männliche Sprache‘ voraussetzen; Sprache aber ist eine Schöpfung beider Geschlechter. Ich würde deshalb die Sprache, in der über Frauen, Menstruation, Abtreibung, Geburt eines Kindes, Menopause und so weiter gesprochen oder geschrieben wird, nicht als ‚weibliche Sprache‘ bezeichnen:
Sie dient einfach dazu, etwas zu umschreiben. Ich denke aber, dass beide Geschlechter gut informiert sein müssen über ihre Unterschiede und über ihre Körper, um in jeder Hinsicht besser miteinander umgehen zu können. Nun, da Frauen zunehmend ihren rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft einnehmen und nicht mehr nur „Das andere Geschlecht“ sind, wird die Sprache mehr und mehr angereichert mit den spezifischen Sichtweisen und dem Verständnis der Frauen.“
aus: Lesen 1/2016

In der annabelle 5/16 hat endlich einmal jemand massiv vor dem Schreiben gewarnt. Das war schon lange fällig, aber es ist doch bezeichnend, dass es ein Mann war. Männer, das weiss jeder, klagen nun mal gern:

„Habe ich erwähnt, dass ich seit 25 Jahren Journalist bin? Man könnte denken, dass sich im Verlauf eines Vierteljahrhunderts so etwas wie Berufsroutine einstellt. Mitnichten. Das Einzige, woran ich mich gewöhnt habe, ist der Umstand, dass sich beim Schreiben keine Berufsroutine einstellt. Schreiben ist wie eine Krankheit, mit der man leben lernt. Schreiben ist anstrengend. Schreiben ist einsam. Schreiben ist die dunkle Seite des Journalismus.“
(…) „Schreiben ist wie Maurerarbeit, Ziegel auf Ziegel, Reihe über Reihe. Da ist nichts Lockeres, nichts Lässiges dabei. Erst wenn das Haus steht, die Räume begehbar sind und die Fenster überraschende Ausblicke bieten, setzt so etwa wie Entspannung ein. Man ist noch einmal davongekommen. Dann schreibe ich meinen Namen über den Textanfang, bringe das Manuskript ins Korrektorat und räume meinen Arbeitsplatz auf.“ aus: Der grosse Schwindel – Frank Heer übers Schreiben

So, jetzt wissen Sie es – das Schreiben als Journalist ist etwas ganz, ganz furchtbares. Wenn Sie es trotzdem versuchen wollen, weil viele Schriftsteller so angefangen haben und sich in finanziellen Dürrezeiten damit über die Runden retten konnten: Lesen Sie bitte das Profi-Werk von Rene Cappon ‚Journalistisches Schreiben‘

Jürgen Brocan hat den Autor des verfilmten Bestsellers ‚Der Wolkenatlas‘ im Interview danach gefragt wie er den jeweils passenden Stil für seine Romane findet:

David Mitchell: „Wenn die Frage lautet, ob ich die Vielfalt der heutigen Welt zeige, indem ich Bücher mit einer Vielzahl von Stilen und Strukturen schreibe, dann tue ich das wohl, – aber … nicht geplant. An einer Erzählung zu arbeiten, bedeutet auch, darüber nachzudenken, welcher Stil am besten zur Erzählung passt und wie ich sie aufbaue. Also bürde nicht ich einer Story ihren Stil und ihre Struktur auf, es ist die Story, die sich ihren Stil und ihre Struktur selbst wählt. Ich höre zu und gehorche. Die Story ist ihr eigener Experte.“
aus: „Wiederholung ist nicht klug“ – Neue Zürcher Zeitung 12.5.2016

Die meisten Ihrer Lieder, wenn nicht alle, sind in Reimen verfasst. Manchmal brechen Sie auch sprachspielerisch aus dem Schema aus. Empfinden Sie den Reim als beengendes Korsett – oder weist er Ihnen den Weg zu Versen und Welten, zu denen Sie ohne ihn nie gelangt wären?, fragt Timo Frasch im Interview mit Farin Urlaub.

Antwort: „… Nee, in 90, 95 Prozent der Fälle gibt es die Aussage, und dann muss ich den Reim schmieden, so dass der Inhalt dann doch das Wichtigste für mich ist. Und deshalb dauert die Suche nach einem Reim auch oft so lange. Ich bin da echt penibel. Mir reicht es nicht, wenn es ungefähr passt. Es soll bitte genau passen, ganz genau. Aber immerhin, in fünf bis zehn Prozent der Fälle ist das Reimen wie das Reisen. Der Reim nimmt mich mit in eine unbekannte Gegend, und ich denk‘: Guck mal, auch schön hier.“

Beim Reimen ziehen Sie alle Register: Schüttelreime, Binnenreime, Stabreime.
„Meine liebsten Spielzeuge.“

Haben Sie manchmal Angst, Ihre Hörer zu überfordern?
„Nein. Ich will jetzt nicht sagen, das ist mir immer schon völlig egal gewesen. Aber die Hörer sind nicht die Rezipienten, für die ich Stücke schreibe.“

Das heißt, was Sie in sich tragen, hauen Sie ohne Rücksicht auf Verlust raus?

„Im Prinzip ja. Was mich interessiert, was mich selber kickt. Da kann es natürlich passieren, dass ich exquisit lange an einem Reim feile, und keiner nimmt ihn wahr. Aber nach einem Jahr kommt dann vielleicht doch eine Mail: ‚Denk nicht, dass ich’s nicht gemerkt hab‘. Was für ein Reim!‘ Dann sag ich: Ja! Wenigstens einer oder eine.“
aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung Magazin – Timo Frasch „Urlaub für alle“ – Ein Interview mit Farin Urlaub
„Danger“ ist der neue Titel des Farin Urlaub Racing Teams

Auf diese Frage überraschte der Autor Michael Herzig mit der ungewöhnlichen Antwort:
„Dass ich vom Schreiben allein nicht leben kann. So bleiben mir auch in dieser Lebensphase noch Träume.“

Der schweizer Schriftsteller muss tatsächlich nicht vom Schreiben leben, er ist als Drogenexperte und Dozent und damit sogar dicht an der Quelle zu Inspiration und Plotideen. Sein fünfter Roman ‚Am Ende der Nacht‘ erschien in diesem Frühling bei Grafit.
aus: Lesen 2/2016

Mit DER GOTT DER BÖSEN TIERE fördert die FFA u.a. das neueste Projekt von Sebastian Schipper (VICTORIA). Der Gewinner des Deutschen Filmpreises 2015 schildert darin das Schicksal eines Mannes während der späten Weimarer Republik und erhält eine Förderung von 25.000 Euro. Auch das neue Drehbuchprojekt von Anne Zohra Berrached DIE FRAU DES PILOTEN wird mit 25.000 Euro unterstützt. Ihr Film 24 WOCHEN erhielt bei der diesjährigen Berlinale große Anerkennung und war der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag. Eine Förderung in Höhe von 25.000 Euro wurde ebenfalls dem neuen Drehbuchprojekt WINTERNÄHE von Elisabeth Bartel (IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS) zugesprochen, eine Adaption des 2015 erschienenen gleichnamigen Romans von Mirna Funk. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lola, eine junge deutsche Jüdin aus Berlin, die auf einer Reise nach Tel Aviv viel über ihre eigene Identität, das Leben und die Liebe herausfindet.
Zudem fördert das Gremium das Projekt PETRONELLA APFELMUS – VERHEXT UND FESTGEKLEBT von Katja Grübel (DER KLEINE RABE SOCKE), das die zauberhafte Kindergeschichte über die Apfelbaumhexe Petronella Apfelmus mit ihren neuen Nachbarn und den neugierigen Zwillingen Lea und Luis für die große Leinwand adaptiert. Unter den mit jeweils mit 10.000 Euro geförderten Treatments ist das Projekt DER WIND HAT MIR EIN LIED ERZÄHLT von Günter Schütter, das die Geschichte der Entstehung der weltbekanntesten Lieder von Zarah Leander erzählt.
Die nächste Sitzung der Drehbuchkommission findet am 1. September statt. Antragsfrist für diese Sitzung ist der 15. Juli.

Die Förderungen im Detail:

Drehbücher
DER GOTT DER BÖSEN TIERE
Autor: Sebastian Schipper
Produktion: Missing Link Films GmbH
Förderung: 25.000 Euro
DIE FRAU DES PILOTEN (AT)
Autorin: Anne Zohra Berrached
Produktion: Razor Film Produktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
WINTERNÄHE
Autorin: Elisabeth Bartel
Produktion: naked eye Filmproduktion
Förderung: 25.000 Euro
PETRONELLA APFELMUS – VERHEXT UND FESTGEKLEBT
Autorin: Katja Grübel
Produktion: Ella Filmproduktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
CURLING STONES
Autoren Franz Müller, Peer Klehmet
Produktion: Kundschafter Filmproduktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
FÜR KATE
Autorin: Maria Speth
Förderung: 25.000 Euro
FUSSBALL-HAIE
Autor: Andreas Schlüter
Produktion: Saxonia Media Filmproduktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
JE SUIS KARL
Autor: Thomas Wendrich
Produktion: Pandora Film Produktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
DER SCHÖNE SCHEIN
Autoren: Nicolas Hause, Andreas Bauer
Produktion: Andreas Brauer und Radical Movies Production GmbH & Co. KG
Förderung: 20.000 Euro
ZEICHEN UND WUNDER
Autorin: Juliane Großheim
Produktion: EIKON Media GmbH
Förderung: 20.000 Euro

Treatments
DER WIND HAT MIR EIN LIED ERZÄHLT
Autor: Günter Schütter
Produktion: BerghausWöbke Filmproduktion GmbH
Förderung: 10.000 Euro
DIE THEORIE VON ALLEM (AT)
Autoren: Timm Kröger, Roderick Warich
Produktion: AMA FILM GmbH
Förderung: 10.000 Euro
PETRA UND DIE ABENTEUER VON SCHURKENLAND
Autorin: Maria Tsigka
Produktion: busse & halberschmidt Filmproduktion oHG
Förderung: 10.000 Euro
STICHKOPF
Autor: Steve Hudson
Produktion: GRINGO films GmbH
Förderung: 10.000 Euro

FFA

Buchtipp

Rainer Moritz war Cheflektor bei Reclam Leipzig, Programmleiter, ist heute Leiter des Literaturhauses Hamburg und selbst Autor. Er hat also gleich mehrere Gründe, die Entwicklung des Lektoren-Berufsstandes und die erweiterten Anforderungen und Aufgaben der Lektorate mit besonderem Interesse zu verfolgen::

„Seitdem Lektoren zu Projektmanagern wurden, kaum noch Zeit für irgendetwas haben, Verlage in Sparnot Stellen streichen, Textarbeit an Externe delegieren und sich das Produktionsrad immer schneller dreht, krankt es an der Qualität dessen, was zwischen zwei Buchdeckel gelangt.“
Die eigentliche Aufgabe des Lektors als Betreuer von Autoren, beschreibt er so:

„… wer lektorierend mit Autoren zu tun hat, braucht gute Nerven: Er muss psychologisch betreuen, Unglaubwürdiges überprüfen, plumpe Wikipedia-Übernahmen vereiteln, Stilbrüche kitten, Kommata setzen und klaglos darüber hinweggehen, dass – wie Handke- und Bernhard-Lektor Raimund Fellinger neulich kundtat – fast alle Schriftsteller „Kotzbrocken“ seien.“
aus: Neue Zürcher Zeitung 28.5.2016 – Rainer Moritz: „Lektorat dringend gesucht“

„Ich habe in fünf von vierzehn Romanen über Schriftsteller geschrieben und jedes Mal wollte ich sie als Gefahr für sich selbst darstellen, weil ihre Vorstellungskraft sie von der Realität ablenkt.“

„Wenn man einen Roman mit einem vorher festgelegten Ende schreibt, dann möchte man manchmal, dass eine Figur fast so viel darüber weiss wie man selbst. Aber es ist kein Geschenk, wenn man meint, die Zukunft zu kennen, es ist eine Art Fluch. Wozu fühlt man sich gedrängt, wenn man glaubt, die Zukunft ändern zu können? Welche Risiken würde man eingehen?“
aus: Irene Binal „Auch Wunder sind politisch“ – Neue Zürcher Zeitung 28.5.2016 von John Irving ist gerade sein Roman ‚Strasse der Wunder‘ bei Diogenes erschienen.

Überraschte Sie der Erfolg Ihres Romans ‚Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert?

„Der Erfolg kam für mich völlig unerwartet. Niemand kann vorhersagen, ob ein Buch zum Bestseller wird, auch nicht bei einem bekannten Autor. Der Erfolg hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.“

Der Erfolg hat Sie beim Schreiben des neuen Romans nicht paralysiert?

„Nein, er hat mich stimuliert! Denn es bedeutet, dass die Leute lesen wollen, was man schreibt.“
aus: Lesen 2/2016 Markus Ganz „Träume sind Verpflichtungen“

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig? fragte Dirk von Nayhaus die Filmemacherin und Regisseurin

„Wenn ich schreibe – das ist so, als würde ich woanders hingehen. Ich stelle mir die einzelnen Szenen vor, ich höre die Stimmen, ich bin wirklich drin. Ich lache, ich weine, ich erlebe die Gefühle. Ich bin alle Figuren und in allen Situationen, ich sehe alles, sehe Details der Umgebung als wäre ich tatsächlich dort. Es ist ein gutes Gefühl, es ist als hätte ich viele Leben.“
aus: Dirk von Nayhauß „Ich weiß heute, dass ich eine Geschichte erzählen kann“ – chrismon 4/2016

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