„Haben es junge Regisseure heute schwerer als Sie damals in den 1970ern?“, fragt Christian Jungen in seinem Interview den weltberühmten Regisseur, der bereits als Kind so viel Fantasie besass, dass seine Eltern ihn für geisteskrank hielten.

Steven Spielberg: „Es war noch nie so einfach wie heute, einen Job zu finden. Dank neuer Anbieter wie Netflix und Amazon ist der Bedarf an Filmen sehr gross. Aber es war auch noch nie so schwierig, unabhängig zu bleiben, um seine Visionen verwirklichen zu können.“
(aus: Neue Zürcher Zeitung vom 10.7.2016)

Syd Field: Das Drehbuch

Der iranische Regisseur (Der Geschmack der Kirsche), den seine Kollegen, Verehrer und Kritiker den ‚Meister der Auslassung‘ nennen, ist tot.
Susanne Ostwald hat sich in ihrem Nachruf auf Abbas Kiarostami an das Motto, nach dem er auch seine eigenen Filme beurteilte, erinnert: „Gutes Kino ist das, woran wir glauben können, und schlechtes Kino ist, was wir nicht glauben können.“
aus: „Am Ende einer zu kurzen Fahrt“ – Neue Zürcher Zeitung vom 6.6.2016

Die Neue Zürcher Zeitung hat ihren Autoren das Thema ‚Rituale‘ zur Aufgabe gestellt. Hier schreibt die Schriftstellerin und Journalistin Masura Eseddin (Hinter dem Paradies) über die

    wechselnden Voraussetzungen, die sie zum Schreiben braucht.
    „Ich weiss nicht, wann ich realisierte, dass ich eine Gefangene meiner Rituale und Gewohnheiten bin – dass ich sie nicht mehr loswerde, auch wenn ich das wollte. (…)
    Auch beim Schreiben halte ich mich genau an ein tägliches Zeremoniell. Meine ersten literarischen Versuche unternahm ich während des Studiums; damals konnte ich einzig und allein im Haus meiner Familie während der kurzen Semesterferien schreiben. Auch war die Arbeit nur mit einem ganz bestimmten Stift möglich – hatte ich den nicht zur Hand, fühlte ich mich verloren und unfähig zur Konzentration. Später war ich genauso abhängig von einem bestimmten PC, von einem auserwählten Zimmer oder Café. (…)
    Ich gebe mich meinen Ritualen mit einem Genuss hin, den ich selbst nicht ganz verstehe, tauche völlig in sie ein, bis sie sich von selbst verflüchtigen; und ich bemerke ihr Schwinden gar nicht, bis ich gewahr werde, dass ich mich in aller Stille in einem neuen Ritual eingerichtet habe.“

    Sol Stein: Über das Schreiben

„Ich bin Schriftsteller, ich höre zu und beobachte. Ich bin ein Schwamm, was ich persönlich denke, ist irrelevant.“

aus: Gerhard Mack: Bluttest für die Kunst – Neue Zürcher Zeitung 3. Juli 2016

Der israelische Schriftsteller Etgar Keret hat ein Buch (Die sieben guten Jahre, S. Fischer Verlag) geschrieben, in dem er erzählt, was einem Autor auf Lesereise alles begegnen kann. Beste Voraussetzung dafür:

„Du triffst jemanden und kannst komplett ehrlich sein, denn du siehst diese Person nie wieder.“

„Oft kommt nach einer Lesung im Ausland jemand zu mir und fragt: Wollen Sie mitkommen? Wir rauchen Gras oder ich zeige Ihnen eine alte Bibel, die ich gefunden habe. Oft sage ich ja.“

aus dem Interview mit Carmen Eller: „Ich bin ein Widerspruch in sich“ – Neue Zürcher Zeitung 20.6.2016

Für den schweizer Schriftsteller Adolf Muschg (Die japanische Tasche, Verlag Beck 2015) gehört das Hantieren mit Pfeife und Tabak zum Ritual des Schreibens:

„Schreiben ist für mich immer zum Fürchten gewesen, denn es ist das Anti-Ritual per se, ein Examen trügerischer Freiheit von Wort zu Wort, Satz zu Satz. Das Minimum (noch lange nicht der Glücksfall) besteht darin, mit Ritualen – auch Sprachkonventionen gehören dazu – zu spielen. Schreiben ist ein gewagtes Leben; um so mehr verlangt es, von Ritualen umgeben und vermeintlich abgesichert zu werden.“
aus: Adolf Muschg: Füsse zählen – Neue Zürcher 9.7.2016

Die deutsche Schriftstellerin Cora Stephan schreibt unter dem Pseudonym Anne Chaplet erfolgreiche Kriminalromane und hat gerade bei Kiepenheuer & Witsch ihren neuen Roman ‚Ab heute heiße ich Margo‘ veröffentlicht.

„Ein Roman lebt von seinen Figuren und ihrer Geschichte, von ihren Eigenheiten und ihren mehr oder weniger irrigen Vorstellungen von Gott und der Welt, der Liebe, den Menschen. Wer aus der Perspektive seiner Charaktere schreibt, muss radikal subjektiv sein, alles verstehen, viel verzeihen. Keine Figur, die glaubhaft sein soll, steht für irgendetwas anderes als für sich selbst.“
(…) „Wer seine Figuren dazu benutzt, um an ihnen ein Exempel zu statuieren, muss es schon sehr geschickt anstellen, um seine Leser nicht zu langweilen. Denn ‚die Moral von der Geschicht‘ ist schnell erzählt, und Leser lieben es nicht, wenn man sie belehrt, statt sie für ein menschliches Schicksal einzunehmen.“
aus: „Der subjektive Faktor“ von Cora Stephan – Neue Zürcher Zeitung 2.6.2016

„Ich möchte nicht Geld haben dafür, wer ich bin. Also, das man sagt: Ich habe das geschrieben bislang, so ist mein Name, bitte tausend Euro im Monat. Aber ich finde, Schriftsteller und Künstler mit Kindern sollten Stipendien bekommen. Denn Kinder haben mehr Sicherheit verdient. Nur weiß ich eben auch, dass es ganz arrivierte – und mir liegen diese Namen auf der Zunge gerade, ich möchte sie fast rausschreien! – Schriftsteller gibt, die wirklich gut verdienen, und die kriegen jedes Jahr irgendwelche Stipendien. Das finde ich furchtbar. Die haben eh genug Geld, und man denkt sich: Der oder die steht doch auf der Bestsellerliste! Aber wer weiß, vielleicht haben die ja ganz viele Kinder. Dann wäre das wieder gerechtfertigt.“
Aus einem Gespräch, dass Jan Wiele mit dem Autor führte: „Ich werde sicher nie irgendwo Stadtschreiber sein“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.7.2016

Gibt es so etwas wie eine weibliche Sprache?

„Eine ‚weibliche Sprache‘ würde eine ‚männliche Sprache‘ voraussetzen; Sprache aber ist eine Schöpfung beider Geschlechter. Ich würde deshalb die Sprache, in der über Frauen, Menstruation, Abtreibung, Geburt eines Kindes, Menopause und so weiter gesprochen oder geschrieben wird, nicht als ‚weibliche Sprache‘ bezeichnen:
Sie dient einfach dazu, etwas zu umschreiben. Ich denke aber, dass beide Geschlechter gut informiert sein müssen über ihre Unterschiede und über ihre Körper, um in jeder Hinsicht besser miteinander umgehen zu können. Nun, da Frauen zunehmend ihren rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft einnehmen und nicht mehr nur „Das andere Geschlecht“ sind, wird die Sprache mehr und mehr angereichert mit den spezifischen Sichtweisen und dem Verständnis der Frauen.“
aus: Lesen 1/2016

In der annabelle 5/16 hat endlich einmal jemand massiv vor dem Schreiben gewarnt. Das war schon lange fällig, aber es ist doch bezeichnend, dass es ein Mann war. Männer, das weiss jeder, klagen nun mal gern:

„Habe ich erwähnt, dass ich seit 25 Jahren Journalist bin? Man könnte denken, dass sich im Verlauf eines Vierteljahrhunderts so etwas wie Berufsroutine einstellt. Mitnichten. Das Einzige, woran ich mich gewöhnt habe, ist der Umstand, dass sich beim Schreiben keine Berufsroutine einstellt. Schreiben ist wie eine Krankheit, mit der man leben lernt. Schreiben ist anstrengend. Schreiben ist einsam. Schreiben ist die dunkle Seite des Journalismus.“
(…) „Schreiben ist wie Maurerarbeit, Ziegel auf Ziegel, Reihe über Reihe. Da ist nichts Lockeres, nichts Lässiges dabei. Erst wenn das Haus steht, die Räume begehbar sind und die Fenster überraschende Ausblicke bieten, setzt so etwa wie Entspannung ein. Man ist noch einmal davongekommen. Dann schreibe ich meinen Namen über den Textanfang, bringe das Manuskript ins Korrektorat und räume meinen Arbeitsplatz auf.“ aus: Der grosse Schwindel – Frank Heer übers Schreiben

So, jetzt wissen Sie es – das Schreiben als Journalist ist etwas ganz, ganz furchtbares. Wenn Sie es trotzdem versuchen wollen, weil viele Schriftsteller so angefangen haben und sich in finanziellen Dürrezeiten damit über die Runden retten konnten: Lesen Sie bitte das Profi-Werk von Rene Cappon ‚Journalistisches Schreiben‘

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