„Als Reporter schrieb ich ständig Geschichten aus dem wahren Leben. Journalisten müssen das Leben kondensieren, Geschichten in wenigen Zeilen erzählen können. Songwriting ist ein bisschen wie Artikel schreiben. Einige Artikel sind später zu Songs geworden. Einmal bekam ich den Auftrag, die Mitglieder einer Pantomimengruppe in einem Theater zu interviewen. Daraus entstand der Song „One more Matinee“, den ich allerdings erst viel später, im Jahr 2000, auf meinem Soloalbum „Sailing to Philadelphia“ veröffentlichte. Damals als Reporter wurde mir erstmals klar, dass ich ernsthaft angefangen hatte, Songs zu schreiben. Bis dahin hatte ich mich nur als Gitarristen gesehen, der sein Instrument lausig beherrscht.“
aus: Martin Scholz: „Ich bin nicht mehr Teil dieser Maschinerie“ – Tages-Anzeiger 7.5.2015

Als Highschool-Lehrer hat er zehn Jahre an seinem Debüt-Roman „Wir sind nicht wir“ gearbeitet und sich immer wieder gesagt: Aufgeben ist keine Option. Dann hat er es geschafft – sein Roman steht auf den Bestsellerlisten, Lizenzen werden verkauft. Sacha Verna schreibt über das Debüt von Matthew Thomas:
„Erstlingsromane tragen häufig autobiografische Züge – auch dieser. Denn auch Matthew Thomas‘ Vater erkrankte an Alzheimer als Thomas ein Teenager war. Auch er wuchs in einem Vielvölkerviertel in Queens auf. Auch seine Mutter war Krankenschwester. „Am Anfang versuchte ich, alles Autobiografische zu vermeiden.“, sagt der Schriftsteller. Aber erst der Griff auf sein eigenes Leben hat ihm den Weg in die Fiction ermöglicht.
aus: Sacha Verna: „Die Tiefen des Menschseins“ – annabelle 3/15

Zu einer solchen Verzweiflungstat hat der englische Schriftsteller (Drei auf Reisen, Zwei an einem Tag) und Drehbuchautor David Nicholls sicher keinen Grund mehr, denn inzwischen werden seine Bücher Bestseller:

„Am 2.1.2012 fing ich mein Buch an, ein Jahr später schmiss ich alles weg. Es war notwendig. Wenn man eine Rakete baut, stürzen zuerst auch ein paar Prototypen ins Wasser.“
Zeit Magazin 1. April 2015

In seinem Beitrag zum Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, stellt Roman Bucheli fest: „.. um sieben Juroren mit einem Text von höchstens zwanzig Minuten beeindrucken zu können, muss wenigstens ein guter Einfall her, noch besser sind mehrere gute Einfälle.“ Anschließend aber kritisiert er sowohl Einfall wie auch Autor:

„Einfälle ruinieren den Text. Sie sollten das Sahnehäubchen sein oder der Motor einer Geschichte. In Wahrheit blasen sie bloss auf, was dem Dichter sonst saft- und kraftlos scheint. Sie machen Effekt und zerstören mit ihrer Knallerei das subtilere Gewebe. Der Einfall ist eine Misstrauenskundgebung an die Sprache. Wo er sich einer Geschichte aufpfropft, ist die Bruchlandung vorhersehbar. Weil er abschnürt, was sich aus sich selbst heraus entfalten können muss.

Nur Autoren haben Einfälle. Maler oder Musiker würden sich hüten, nach Einfällen zu komponieren oder zu malen. Aber Schriftstellern ist der Glaube nicht auszutreiben, sie müssten ihre Leser überraschen, sie müssten einen munteren Plot erfinden, sie müssten ihre Geschichte um eine skurile, witzige, ausgefallene, absonderliche Begebenheit herum erzählen. Sie müssten interessant sein. Jedoch ist nichts langweiliger, als wenn jemand versucht, nicht langweilig zu sein.“
(aus: Roman Bucheli: „Einfall du bist umzingelt“ – Neue Zürcher Zeitung vom 9.7.2016)
Ronald. B. Tobias: 20 Masterplots. Die Basis des Story-Building in Roman und Film

„Haben es junge Regisseure heute schwerer als Sie damals in den 1970ern?“, fragt Christian Jungen in seinem Interview den weltberühmten Regisseur, der bereits als Kind so viel Fantasie besass, dass seine Eltern ihn für geisteskrank hielten.

Steven Spielberg: „Es war noch nie so einfach wie heute, einen Job zu finden. Dank neuer Anbieter wie Netflix und Amazon ist der Bedarf an Filmen sehr gross. Aber es war auch noch nie so schwierig, unabhängig zu bleiben, um seine Visionen verwirklichen zu können.“
(aus: Neue Zürcher Zeitung vom 10.7.2016)

Syd Field: Das Drehbuch

Der iranische Regisseur (Der Geschmack der Kirsche), den seine Kollegen, Verehrer und Kritiker den ‚Meister der Auslassung‘ nennen, ist tot.
Susanne Ostwald hat sich in ihrem Nachruf auf Abbas Kiarostami an das Motto, nach dem er auch seine eigenen Filme beurteilte, erinnert: „Gutes Kino ist das, woran wir glauben können, und schlechtes Kino ist, was wir nicht glauben können.“
aus: „Am Ende einer zu kurzen Fahrt“ – Neue Zürcher Zeitung vom 6.6.2016

Die Neue Zürcher Zeitung hat ihren Autoren das Thema ‚Rituale‘ zur Aufgabe gestellt. Hier schreibt die Schriftstellerin und Journalistin Masura Eseddin (Hinter dem Paradies) über die

    wechselnden Voraussetzungen, die sie zum Schreiben braucht.
    „Ich weiss nicht, wann ich realisierte, dass ich eine Gefangene meiner Rituale und Gewohnheiten bin – dass ich sie nicht mehr loswerde, auch wenn ich das wollte. (…)
    Auch beim Schreiben halte ich mich genau an ein tägliches Zeremoniell. Meine ersten literarischen Versuche unternahm ich während des Studiums; damals konnte ich einzig und allein im Haus meiner Familie während der kurzen Semesterferien schreiben. Auch war die Arbeit nur mit einem ganz bestimmten Stift möglich – hatte ich den nicht zur Hand, fühlte ich mich verloren und unfähig zur Konzentration. Später war ich genauso abhängig von einem bestimmten PC, von einem auserwählten Zimmer oder Café. (…)
    Ich gebe mich meinen Ritualen mit einem Genuss hin, den ich selbst nicht ganz verstehe, tauche völlig in sie ein, bis sie sich von selbst verflüchtigen; und ich bemerke ihr Schwinden gar nicht, bis ich gewahr werde, dass ich mich in aller Stille in einem neuen Ritual eingerichtet habe.“

    Sol Stein: Über das Schreiben

„Ich bin Schriftsteller, ich höre zu und beobachte. Ich bin ein Schwamm, was ich persönlich denke, ist irrelevant.“

aus: Gerhard Mack: Bluttest für die Kunst – Neue Zürcher Zeitung 3. Juli 2016

Der israelische Schriftsteller Etgar Keret hat ein Buch (Die sieben guten Jahre, S. Fischer Verlag) geschrieben, in dem er erzählt, was einem Autor auf Lesereise alles begegnen kann. Beste Voraussetzung dafür:

„Du triffst jemanden und kannst komplett ehrlich sein, denn du siehst diese Person nie wieder.“

„Oft kommt nach einer Lesung im Ausland jemand zu mir und fragt: Wollen Sie mitkommen? Wir rauchen Gras oder ich zeige Ihnen eine alte Bibel, die ich gefunden habe. Oft sage ich ja.“

aus dem Interview mit Carmen Eller: „Ich bin ein Widerspruch in sich“ – Neue Zürcher Zeitung 20.6.2016

Für den schweizer Schriftsteller Adolf Muschg (Die japanische Tasche, Verlag Beck 2015) gehört das Hantieren mit Pfeife und Tabak zum Ritual des Schreibens:

„Schreiben ist für mich immer zum Fürchten gewesen, denn es ist das Anti-Ritual per se, ein Examen trügerischer Freiheit von Wort zu Wort, Satz zu Satz. Das Minimum (noch lange nicht der Glücksfall) besteht darin, mit Ritualen – auch Sprachkonventionen gehören dazu – zu spielen. Schreiben ist ein gewagtes Leben; um so mehr verlangt es, von Ritualen umgeben und vermeintlich abgesichert zu werden.“
aus: Adolf Muschg: Füsse zählen – Neue Zürcher 9.7.2016

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