„Schmale Bücher können immer noch schmaler werden. Ich hielt es stets für eine Qualität, wenn ein Autor fähig ist, ganz kurze Prosastücke zu schreiben und darin eine Tiefe zu erzeugen, für die andere ganze Romane brauchen. Wir lieben alle dicke, traditionell erzählte Romane, doch bergen kurze Erzählungen im Verhältnis dazu eine explosive Kraft der Erkenntnis. Manchmal reicht für eine Geschichte auch ein einzelner Satz.“
aus: Andreas Breitenstein „Manchmal reicht ein einziger Satz“, Neue Zürcher Zeitung 16.3.2018

Nach dem interaktiven Krimi „Mosaic“, den man sich als App aufs Handy laden konnte, hat Steven Soderberg auf der Berlinale 2018 die Zuschauer mit der Premiere seines Handyfilms „Unsane“ überrascht. Nina Rehfeld fragte ihn im Gespräch: „Gibt es tatsächlich noch neue Arten, Geschichten zu erzählen?“

„Im Hinblick auf die Form? Absolut. Aber die grundsätzlichen Werkzeuge zum Engagement des Publikums haben sich nicht verändert. Es geht immer noch um die Figuren, es geht immer noch um die Kunst der Erzählung. Wenn man es nicht schafft, Figuren zu entwerfen, von deren Geschichten sich Menschen angezogen fühlen, wenn man es nicht schafft, das Publikum intellektuell oder emotional bei der Stange zu halten, dann geht nichts, egal in welcher Form man erzählt. Aber es macht Spaß, die Grenzen auszuloten, vielleicht der Kiste eine andere Gestalt zu geben, in der man das Ganze verpackt.“
Nina Rehfeld: „Gegen diejenigen, die ihre Macht missbrauchen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung 8.2.1018

Eine besonders feinfühlige Widmung hat Carl Safina seinem Buch „Die Intelligenz der Tiere – Wie Tiere fühlen und denken“ vorangestellt:
„Dieses Buch ist all jenen Menschen … gewidmet, die genau hinsehen und hinhören. Die uns erzählen, was sie aus den Stimmen und dem Schweigen derer heraushören, die mit uns auf dieser Erde leben.“

Widmungen gehören zum Schriftstellerleben, oft sind sie eine Art Dank an Familienangehörige „Für meine Eltern“, Ehefrau, Geliebte und enge Freunde, Ideengeber. Der Leser hat den Eindruck, dass sich die so Geehrten den Dank hart verdient haben – u.a. durch Geduld oder als als Muse wie diese: „… Nina W., der ich nächst Gott alles verdanke“ (Eckhard Henscheid)?
Sogar mein Lieblingsautor Christoph Ransmayr hat seinen Roman „Morbus Kithara“ zwei Menschen gewidmet „Für Fred Rotblatt und in Erinnerung an meinen Vater Karl Richard Ransmayr“.

„Mister Sorkin, wie machen Sie das? Wie komponieren Sie Ihre Dialoge, scharf wie japanische Messer und gleichzeitig so rhythmisch, dass sie sich sprechen lassen, als fiele den Schauspielern gerade erst ein, was sie sagen wollen, die so außerordentlich elaboriert ausgedacht sind, aber so klingen, als kämen sie direkt aus der Umgangssprache, Sätze, die in den Raum purzeln wie Lichtbälle von Leuchtraketen, smarte Sätze, die smartere Antworten provozieren?“ fragte Verena Lueken und der mehrfache Oskarpreisträger verrät sein Erfolgskonzept:
„Jemand muss etwas unbedingt wollen. Wenn er etwas unbedingt braucht, um so besser. Der Held will das Mädchen. Oder das Geld. Oder er will nach Paris – es spielt keine Rolle. Und dann muss sich ihm ein Hindernis in den Weg stellen, das er wegräumen muss. So funktioniert jede Szene, und so funktioniert jeder Plot. Das Hindernis muss allerdings glaubwürdig sein. Warum ruft er das Mädchen nicht einfach an? Warum steigt er nicht einfach in ein Flugzeug? Wenn das Publikum anfängt, so zu denken, ist die Geschichte tot.“
aus: Verena Lueken: „Menschen, die in Zimmern reden“, Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.2.2011

Sandra Kegel und Patrick Bahners im Gespräch mit der Schriftstellerin:

Was bedeutet Älterwerden für eine Schriftstellerin?

„Es ist interessant, weil sich die Wahrnehmungen verändern. Aber sie verändern sich nicht ins Melancholische. Damit konfrontiert zu werden, das man sterblich ist – ich kann nicht sagen, dass mich das besonders schockiert. … Man darf sich bloß nicht in einen blöden Sog bringen lassen: Ach, alles geht jetzt den Bach herunter und entschwindet. Das sollte einem möglichst nicht passieren, dann wird alles schwarz. Wir unterhalten uns oft hier im Haus darüber. Viele sagen, das Erregungspotential wird im Alter geringer. Aber das stimmt nicht. Oder das Wahrnehmen von Natur und von Menschen nehme ab. Im Gegenteil: Es verschärft sich. Was mich stören würde, wäre, wenn die Kraft zu schreiben nachließe. Aber das ist nicht der Fall.“
Sandra Kegel und Patrick Bahners „Dann gehen die Lichterchen der Wahrnehmung an“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.3.2018

Andreas Breitenstein hat den serbischen Schriftsteller gefragt: Wie sind Sie Schriftsteller geworden?

„Ich habe mit Gedichten begonnen, aber wie Faulkner schon sagte: Wenn man Lyrik nicht kann, wendet man sich der Short Story zu, und wenn auch das nicht klappt, bleibt immer noch der Roman. Mir gefielen neben den Postmodernisten auch konventionelle Erzähler wie Isaac Bashevis Singer, John Updike und William Saroyan, und es reizte mich, in der Prosa Fiktion und Metafiktion zu verbinden. Wobei ich denke, dass das Geschichtenerzählen entscheidender ist als das selbstbezügliche Spiel mit Worten. Die Erzählung geht immer vor, auch bei Schriftstellern wie Thomas Bernhard, die das Erzählen ins Absurde treiben.“
Aus: Andreas Breitenstein „Manchmal reicht ein einziger Satz“ – Neue Zürcher Zeitung 16.3.2018

Zu den Geschäften der italienischen Mafia gehört u.a. neben Drogenhandel, Geldwäsche auch Erpressung von Restaurantbesitzern und Pizzabäckern, die unter Druck Wein und andere Lebensmittel aus den Mafia-eigenen Produktion kaufen. Aus einem Gespräch zwischen Vater und Sohn bei einem Besuch im Gefängnis:
„Der Wein, papà, der Wein in Deutschland. Wir haben gutes Geld verdient.“
Und bezahlen sie dich gleich?“
„Bar, jede Stückelung … Das war so ein Haufen 500-Euro-Scheine. Ich hab sie für den Transport im Lenkrad versteckt.“
Vincenzo B: „Waschen … waschen … waschen. Deutschland ist nur noch eine einzige Wäscherei.“

Auch als Streitschlichter tritt die Mafia gelegentlich auf wie dieses abgehörte Telefongespräch beweist:
„Ich hab ihm gesagt: Ich sag’s dir einmal, und dann sag ich es nicht mehr! Ich hab ihm gesagt, Melsungen muss wie eine Kirche sein. Ich hab ihm das gesagt, weil dort viele Freunde von uns kommen und gehen … und denen soll er mit seinen Scheißaktionen nicht auf den Sack gehen.“
aus: David Klaubert „Paten der Provinz“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.3.2018

Die schwedische Schriftstellerin wurde in Leipzig für ihr Buch „Einer von uns. Geschichte eines Massenmords“ über den Massenmörder Anders Behring Breivik mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

„Wenn der Schriftsteller alles erklärt, braucht der Leser nicht zu denken. Die Reaktion sollte beim Leser liegen, nicht im Schreibprozess. Um das zu erreichen, brauchen wir die kleinsten Worte. Nur dann, wenn die Worte keine Schatten auf uns werfen, können wir die Dimensionen begreifen.“
Tilman Spreckelsen: „Die kleinsten Worte hallen nach“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.3.2018

ist die Schriftstellerin, wie sie sagt, mit einer von ihr geschaffenen Figur, wenn ihr eine Idee kommt, was sie „dieser Person noch gut aufpacken“ kann als Eigenheit oder Eigenart. Patrick Bahners und Sandra Kegel haben mit der Schriftstellerin über ihre Arbeit gesprochen und sie nach einem Ritual beim Schreiben gefragt:

„Wissen Sie, worauf ich mich freue? Morgens nach dem Frühstück gucke ich das vom Vortag Ausgedruckte an und korrigiere. Das habe ich geschrieben – und ich kann mich satt zurücklehnen und es besser machen. Darauf freue ich mich. Davon abgesehen, ist das Schreiben kein Ritual mit festen Zeiten. Ich muss immer gucken: Wo finde ich eine zeitliche Lücke? … Es ist der Wunsch, etwas in eine Ordnung zu bringen, die ich bestimme. Eine Konstruktion oder Komposition. Dass man etwa eine Person konstruiert, indem man ihr Grenzen setzt und Möglichkeiten gibt. Das hat auch mit Macht zu tun, nicht nur Personen, sondern auch Landschaften gegenüber. Wo setzt man Landschaft ein?“

Sie bemächtigen sich der Landschaft ähnlich wie der Person?
So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann bestimmen, wie ich sie einsetze, ich kann bestimmen, wann jemand in den Wald geht. Wann wird sie dominierend, wann erregt sie auch eine Resonanz in der Person, die sie wahrnimmt?“

aus: Patrick Bahners und Sandra Kegel: „Dann gehen die Lichterchen der Wahrnehmung an“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.3.2018

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt, nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist oder wo der, der Taten gesetzt hat, sie hätte besser machen können. Die Anerkennung gehört dem, der wirklich in der Arena ist; dessen Gesicht verschmiert von Staub, Schweiß und Blut ist; der sich tapfer bemüht; der irrt und wieder und wieder scheitert; der die große Begeisterung kennt, die große Hingabe und sich an einer würdigen Sache verausgabt, der, im besten Fall am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt; und der im schlechtesten Fall des Scheiterns, zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat.“

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