Am 12. August ist der wunderbare Singer-Songwriter und Guitarrist Mark Knopfler 69 Jahre alt geworden ohne Ermüdungserscheinungen, auch nicht beim Songschreiben. Nach so vielen Jahren on tour hat er sich die dazu nötige Sensibilität erhalten: Glückwunsch!

„Je älter ich werde, desto größer wird dieser Drang, neue Songs zu schreiben. Wer weiß, ob das nur daran liegt, das ich fürchte, mir könnte die Zeit davonlaufen, ich weiß es nicht. Das alles erfüllt mich jedenfalls mehr denn je – das Schreiben der Songs, die Studioarbeit, die Auftritte, ich genieße jeden Aspekt davon. Und ich hab so viele Songideen herumfliegen, das man fast schon aufpassen muss, wo man hintritt.“
aus: laut.de – bands

Die amerikanische Autorin mit Wurzeln in Kamerun hatte eigentlich „nie davon geträumt, Schriftstellerin zu werden“. Wie es dennoch dazu kam, dass sie ihren Roman „Das geträumte Land“ schrieb erklärte sie mit dem tiefen Eindruck, den das Buch einer berühmte Kollegin auf sie gemacht hatte:

„Nachdem ich das College abgeschlossen hatte, kam mir eines Tages Toni Morrisons Roman „Song of Solomon“ in die Hände. Das war, als hätte mich ein mächtiger Sturm mitgerissen, und sobald ich ihn fertiggelesen hatte, begann ich zu schreiben. Ich war einundzwanzig, ich dachte niemals daran, meine Arbeit zu publizieren, ich schrieb um des puren Vergnügens willen.“
aus dem Gespräch, das Angela Schade mit der Schriftstellerin führte „Der amerikanische Traum ist in Gefahr – Sie schrieb das Buch zur Stunde – und wusste es nicht“ Neue Zürcher Zeitung 11.4.2017

Ist das Schreiben schwere Arbeit für Sie?

„Nein, dieses Ringen ist ja auch ein grossartiges Vergnügen. Ich denke nie, dass das Schreiben von Romanen anstrengend ist. Anstrengend ist, wenn du nicht weiterkommst. Wenn du das nicht schaffst, was du willst. Das einzige Anstrengende ist, den Roman zu beenden. Alle Worte an den richtigen Platz zu bringen. Over and over again. Man ist so müde am Schluss.
Dieses Vollenden ist eine der Hauptleistungen, die man als Schriftsteller bringen muss, und dass man diese Arbeit gerade dann machen muss, wenn man am wenigsten dazu fähig ist, nämlich geistig schon völlig erschöpft, finde ich immer wieder ein bisschen pervers.“
Bernadette Conrad „Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – Neue Zürcher Zeitung 19.12.2015

„Romane sind nicht da, um etwas entziffern zu helfen, nein, sie schaffen selbst überhaupt erst das Bedürfnis, für das sie dann auch die Antwort sind!. … Die Welt ist da, ob man will oder nicht. Und wir sind hier, ob wir wollen oder nicht. Und Literatur kann uns im besten Fall auf dem Weg von hier nach da begleiten.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford -„Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – NZZ 19.12.2015

„Fürchten Sie nicht, dass die Menschen eines Tagesw gar nicht mehr ins Kino gehen werden?“ fragte Patrick Heidmann die britische Schauspielerin anläßlich ihres neuen Film „Okja“.

Bei diesem Film kann man nur mit Nein antworten: Regisseur Bong Joon-Ho hat ein romantisches, engagiertes Meisterwerk für Tierfreunde geschaffen, die dafür nicht nur mit dem Kinoticket sondern auch mit Strömen von Tränen bezahlen. Schon deshalb sind dunkle Räume nötig …

Tilda Swinton: „… Wir werden nie aufhören, uns in große, dunkle Räume setzen zu wollen und auf eine riesige Leinwand zu starren. Niemals! Davon bin ich überzeugt. Das Kino hat schon so viele Erdbeben überlebt: den Tonfilm, das Fernsehen, die DVD. Da wird es auch das Streaming überleben. Oder besser: Man wird friedlich koexistieren. Denn das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin. Die weiß sich schon durchzusetzen.“
aus: Patrick Heidmann „Das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.6.2017

„Was zwischen dem liegt, was ich denke und dem, was ich sage; zwischen dem, was ich sage und dem, was ich verschweige; dem, was ich verschweige und dem, was ich träume und dem, was ich träume und dem, was ich vergesse: Das ist Dichtung.“

„Ich blicke mit Fragen in die Welt und schreibe Romane, weil ich Dinge nicht weiss. Viele Schriftsteller schreiben aus der Ungewissheit heraus, um das dunkle Gebiet menschlicher Erfahrung zu erkunden. Gleichzeitig schreibe ich aber ah politische Kolumnen. Das ist das Gegenteil vom Romanschreiben. Hier gehe ich von Gewissheiten und Überzeugungen aus, von demokratischen Werten und klaren Ideen, was für eine Gesellschaft ich mir wünsche. In meinem Kopf müssen sich der zweifelnde Schriftsteller und der überzeugte Kolumnist den Platz teilen. Dabei ist der Platz des Kolumnisten aber viel kleiner.“

Martina Läubli hat den kolumbianischen Schriftsteller und Übersetzer zu Thema Gewalt in der Literatur befragt:

„(…) Romane sollten nicht dasselbe tun wie guter Journalismus oder historische Essays. Die Literatur muss immer Umwege gehen. In politischen und sozialen Konflikten gibt es immer eine unsichtbare Seite; innere moralische, emotionale Dimensionen. Ein Roman kann die unsichtbaren Dinge sichtbar machen. Dann offenbart sich eine Wahrheit, die nur durch Imagination erschlossen werden kann.“
Martina Läubli „Schreiben ist eine Form der Erinnerung“ – eng 3.6.2017

„Ein Roman schenkt mir die Freiheit, Wahrheiten zu erzählen, die über die Fakten hinausgehen. Ich kann das Material, das die Realität vorgibt verwandeln und zu neuen Wahrheiten vordringen. Ein Roman ist eine Lüge, die nicht verbirgt, dass sie eine Lüge ist und somit zur Wahrheit wird.“

„Ein Roman schenkt mir die Freiheit, Wahrheiten zu erzählen, die über die Fakten hinausgehen. Ich kann das Material, das die Realität bietet, verwandeln und zu neuen Wahrheiten vordringen. Ein Roman ist eine Lüge, die nicht verbirgt, dass sie eine Lüge ist und damit zur Wahrheit wird. Ich bin überzeugt, dass Literatur die Menschen in die Lage versetzt, die Welt besser zu verstehen.“

Eine Aufgabe, der sich auch der Journalismus verschrieben hat

„Das ist wahr, und so unterschiedlich beide Disziplinen sind, können sie sich im besten Fall doch ergänzen. Ich bin der Überzeugung, dass einem allein das Lesen von journalistischen und historischen Darstellungen kein vollständiges Bild einer Epoche liefert. Für das Verständnis einer Zeit ist es unerlässlich, die Literatur zu kennen, die sie hervorgebracht hat. Allein die Literatur ist in der Lage über die Fakten hinaus Einblicke in die mentale Verfassung einer Zeit zu geben und den Menschen Selbsterkenntnis zu schenken.“
Thomas David im Interview mit den peruanischen Schriftsteller (Tante Julia und der Kunstschreiber) Neue Zürcher Zeitung 30.10.2016

(…) Ein Roman ist etwas grundlegend anderes als ein journalistischer Text. Wenn ich schreibend eine Kausalität erzeuge, die es vorher so nicht gab, wenn ich einen Zusammenhang zwischen bestimmten Ereignisse und einer Naturkatastrophe erzähle, dann ist das eine ganz andere Art ethisch-moralischen Handelns, als Nachrichtenberichterstattung es sein kann. Womit ich nicht sagen will, dass Nachrichten keinen ethisch-moralischen Aspekt haben – aber sie haben ein völlig anderes Ziel.“

Inwiefern?
„Wie Walter Lippmann sagt, ist das Ziel des Journalismus, ein Bild der Welt zu erstellen, auf das sich der Leser verlassen kann. Die Konsequenzen von Literatur für die Leser sind viel komplexer. Mit F.R. Leavis könnte ich sagen, dass Literatur jenes allerfeinste Instrument ist, mit dessen Hilfe wir unsere emotionale und geistige Wahrnehmung der Welt verfeinern und auch erneuern können und eine neue Bewußtheit erlernen.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford „Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – Neue Zürcher Zeitung 19.12.2015

Nächste Seite »