Der Autorenhaus Verlag, Berlin, bietet ab sofort für kurze Zeit einen Schreibratgeber der bekannten Schriftstellerin Ursula LeGuin an: „Kleiner Autoren-Workshop“. Das Buch hat 206 Seiten.

Der Band wurde von der FAZ gelobt: „Wer in einem Autorenzirkel verkehrt, kann Le Guins Anleitung zur Verfeinerung der narrativen Erzähltechnik gleich zum nächsten Treffen mitnehmen.“

Die Lehrerbibliothek: „Unbedingt zu empfehlen für jeden (Deutsch-)Lehrer und jeden am Schreiben Interessierten!“

Das Buch kann kostenlos mit dem Autorenbrief angefordert werden: www.autorenhaus.de

Drei SchneckenBei einem Spaziergang am Behlersee in Holstein ist mir eine Schnecke über den Weg gelaufen, die schwarze Schriftzeichen auf ihrem Haus trug. Die folgenden Tage fand ich fünf weitere Weinbergschnecken mit anderen fremden Schriftzeichen. Wer kann sie entziffern?

Dazu ein Haiku von Issa Kobayashi (1763 – 1827):

Katatsumuri
sorosoro nobore
fuji no Yama.

Kleines Schnecklein du
besteige ihn ganz langsam,
den Fuji-Berg!

Soro-soro, langsam, langsam – ein Motto für Dichter?

Wie steht es um die Dichtung in Deutschland? Und wie sieht die finanzielle Situation derjenigen aus, die Lyrik schreiben und auf die Bühne bringen? 19 Lyrikfestivals, Lesereihen, Vermittler und Dichter aus ganz Deutschland haben sich Mitte Mai in Caputh zu diesen Fragen versammelt und Forderungen an die Politik diskutiert. Sie betonten dabei: Lyrik ist eine eigenständige Kunst. Der Tagung voraus ging eine Umfrage zur Einkommenssituation der Dichterinnen und Dichter in der Bundesrepublik, die das Haus für Poesie beauftragt hatte.

200 Dichterinnen und Dichter haben den Fragebogen erhalten, 114 haben geantwortet. Drei Viertel der Befragten leben mit einem Jahresbruttoeinkommen unter dem Bundesdurchschnitt von 32.486 Euro (nach statista.de, gearbeitet wird mit Angaben aus dem Jahr 2015). Für 77 Prozent liegen die Einnahmen aus schriftstellerischer Tätigkeit jährlich bei 10.000 Euro oder weniger. 45 Prozent derjenigen, die neben der schriftstellerischen Arbeit keiner weiteren Tätigkeit nachgehen, liegen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgrenze, die bei 11.759 Euro im Jahr liegt.

Studie (PDF)

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Angela Schader befragte die Autorin des Romans „Das geträumte Land“ u.a. wie sie dazu kam, sich in die sehr verschiedenen Charaktere ihres Romans einzufühlen:

Ihr Roman spielt zur Zeit der Subprime-Krise, und dieser Banker ist ein grosses Tier bei Lehman Brothers. Sie haben ihn und seine schwierige Ehefrau sehr einfühlsam gezeichnet. Hätten manche Leser nicht lieber einen Buhmann gehabt?

„Die Leute waren überrascht darüber, denn was hätte nähergelegen – wer ist leichter zu hassen als ein Banker von der Wall Street? Auch für mich war es nicht einfach, zu dieser Darstellungsweise zu kommen. Das war eine weite Reise. Ich solidarisierte mich natürlich unmittelbar mit Jende und Neni, meinen afrikanischen Figuren.
Und dann sagte ich mir: „Moment mal, kann ich nur Sympathie und Einfühlungsvermögen für Menschen aufbringen, die sind wie ich? Ich muss die auf der anderen Seite genauso behandeln.“ Das fiel mir nicht leicht, aber es war ein wichtiger Teil meiner schriftstellerischen Entwicklung. Ich musste mich meinen eigenen Vorurteilen stellen – davon hatte ich eine ganze Menge – und erkennen, wie sehr sie meinem Schreiben im Weg standen.“
aus dem Gespräch, das Angela Schader mit Imbolo Mbue führte: „Der amerikanische Traum ist in Gefahr“ Neue Zürcher Zeitung 11.4.2017

Marius Leutenegger hat den vielseitigen und erfolgreichen Schweizer Schriftsteller Hans-Rudolf Lehmann alias Lukas Hartmann im Interview gefragt wozu er sein Pseudonym braucht:

„Ich habe einen Doppelnamen, in meinem Pass ist Lukas Hartmann als Schriftstellername eingetragen. Er ist meine zweite Haut und entstand zum einen aus dem Wunsch heraus, Identitäten auszuprobieren, zum anderen hat er einen praktischen Hintergrund: Ich schrieb einst Reportagen für die Weltwoche, die in direktem Zusammenhang mit meiner Arbeit mit straffälligen Jugendlichen standen. Man riet mir, die Reportagen nicht unter meinem bürgerlichen Namen zu veröffentlichen, und ich musste rasch ein Pseudonym wählen.“
aus: Marius Leutenegger „Die Stoffe wählen mich“ – Lesen 3/2016

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan wurde im August 2016 als angeblich Terrorverdächtige in ihrer Wohnung festgenommen und bis Dezember im Gefängnis gefangen gehalten. Ihre Wohnung wurde stundenlang durchsucht, ihr PC mitgenommen, ihr Pass wurde ihr weggenommen.
Veronika Hartmann hat die Schriftstellerin in einem ausführlichen Interview gefragt:

Viele Ihrer Bücher scheinen autobiografisch zu sein. Sind sie es auch?

„Ich bin meine eigene Erzählerin. Ich bin das nicht selber, aber gleichzeitig auch niemand anderes. Ich sehe mich wie eine Schale, aus der eine Stimme herauskommt. Eine Figur entsteht, daraus wird ein Buch, und dann bleibt die leere Schale zurück. Bei jeder Geschichte entsteht ein anderes Ich.“
aus „Im Gefängnis war ich eine andere“ – Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan (Die Stadt mit der roten Pelerine) spricht über ihre viermonatige Haft und ein Land im Zustand der totalen Verunsicherung“ – Neue Zürcher Zeitung 28.1.2017

O wie Originalität
„Autorenschaft wird unterschätzt. Leider auch der Idealismus, der damit einhergeht. Die Menschen lesen nicht mehr, können sich nicht mehr konzentrieren, nicht für drei Minuten, sie werden denkfaul – letztendlich ist das die Ursuppe der Fake News.“
Jörg Harlan Rohleder hat zusammen mit dem 86jährigen Schriftsteller ein Alphabet erstellt: „Wenn der letzte Dandy der Literatur ein Buch über Sprache schreibt“, Focus 17/2017

hat die Schriftstellerin, die aufgrund Erbkrankheit jung starb, so erklärt:

„I write because I don’t know what I think until I read what I say.“

von Flannery O’Connor erschienen in deutscher Sprache: „Kreis im Feuer“, „Das brennende Wort“, „Die Gewalt tun“

Zum 90. Geburtstag von Martin Walser gratuliert Kollege und Büchnerpreisträger Arnold Stadler seinem Freund und mit Schreiben und Singen:

„So wie das Singen ist auch das Schreiben ein Schmerz- und Lebensmittel. Ein: Mich-schmerzt-dein-Schmerz-Singen. Also etwas jenseits vom bloßen Inhaltstransport und Informationsgelüst. Und was Walser singt, ist: Ja und nicht Nein. … Walser ist einer von ihnen, die schreibend aufs Schönste JA gesagt haben, auch zum Ja-Sagen-Wollen. Der Schmerz ist der Grundriss zu Walsers Werk.
(…) Der Schriftsteller, den ich meine, hat eine Wunde, aus der es weiterblutet, erinnerungsweise. Die Erinnerung ist eine Bluterkrankheit. Und Literatur ist „ich schreibe, also bin ich“. Walsers Werk ist das eines ganzen Jahrhunderts, und darüber hinaus. (..) Selig der Schriftsteller, dessen Schmerz zur Sprache wurde.“
Arnold Stadler „Das große Ja“ – Focus 12/2017

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