Literaturkalender 2016


„Glückliche Augenblicke“ im Leben von Schriftstellern haben die Autoren Elisabeth Raabe, Klaus Blanc und Regina Vitali für diesen beliebten Wandkalender 2016 zusammengetragen. Als Zeugen haben sie zur Ergänzung der Fotos Zitate von Schriftstellern aus Briefen, Biografien und Tagebucheintragungen aufgetan. Bild und Text sind wie immer im originären Arche-Stil und harmonischer Grafik miteinander verbunden. Und wie unterschiedlich die Glücksmomente sein können! Für die englische Schriftstellerin Janet Frane zum Beispiel ist es nach sieben Jahren Nervenheilanstalt der Freispruch von ihrer angeblichen Schizophrenie. Für den genialen Jorge Luis Borges, die Illusion die er in einem seiner Liebesbriefe an Estela Canto beschreibt „…eine unabsehbare Zukunft buntdurchwirkten, engmaschigen Glücks liegt vor uns“. Für Henry Miller ist das Glück eine Lampe ohne Schalter – das Geschenk seiner Geliebten Anais Nin. Die italienische Schriftstellerin Natalia Ginzburg findet sehr zurückhaltende Worte um den Zustand der ständigen Gefährdung in Zeiten des italienischen Faschismus so undramatisch zu ….: „… wir sind vielleicht sogar glücklich, aber es ist ein Glück, das wir in unserer Panik, es von einem Augenblick zum anderen für immer verlieren zu können, nur schwer erkennen.“ Die italienische Schriftstellerin Fabrizia Ramondino (in einem hinreißenden Porträt dargestellt) ist davon überzeugt, „Glück setzt das Vorhandensein von Leere voraus“.
Siegfried Lenz erinnert sich an das Glück seines erstes Buches: „… ich hielt mein erstes Buch in der Hand, und um dem Augenblick gewachsen zu sein, entkorkte ich eine Flasche Samos, schweren Süßwein, den der Gemüsehändler schon für eins achtzig verkaufte …“
So viele Arten des Glücks stellt der Arche Kalender für 2016 vor, dass Sie liebe Autorinnen und Autoren, sich nur noch ihr eigenes Glück dazudenken brauchen: Sylvesterabend 2015/2016 und ganz heftig wünschen und glauben.
Arche Literatur Kalender 2016, Glückliche Augenblicke, 60 Blätter, 53 Fotos/farbig, 31,5 × 24 cm, € 22,–
Unseren Lieblingskalender gibt es im Buchhandel und (mit Vorschau) bei Arche Kalender Verlag

Schon das Titelblatt mit einem Porträt von Siri Hustvedt macht Lust, nach weiteren optischen Höhepunkten im Kalender zu suchen. Gleich im Februar findet sich die spektakuläre farbige Bildcomposition von Thomas Bernhard, die man sich als Dauermuse am Arbeitsplatz vorstellen kann. In dieser Ausgabe des Aufbau Wandkalenders sind etliche hinreißende Fotos von Schriftstellern wie die von Monika Maron zum Beispiel, von Patricia Highsmith mit Katze und einer Beurteilung ihrer Mitmenschen, die so ganz auf sie selbst zutrifft: „Die Welt ist zweifellos voller sehr merkwürdiger Leute. … Manchmal sind die Leute einfach schrullig, was sie interessant und witzig mach, und manchmal sind ihre Schrullen furchtbar ernst.“ Birgit Vanderbeke, porträtiert von Isolde Ohlbaum, wird mit einem Auszug aus ihrem Roman ‚Das Muschelessen‘ vorgestellt. Berührend Foto und Gedicht ‚Klage des Zorns und der Liebe‘ von Marina Zwetajewa. Ungewöhnlich das Blatt aus dem Comic ‚Irmina‘ von Barbara Yelin und im November die Seite, die Arthur Rimbaud gewidmet ist: mit Versen und einer Zeichnung des jungen Dichters von Paul Valerie.
Unbedingt erwähnen muss ich das Kalenderblatt von Higuchi Ichiyo und Pattie Smith in ihrer typischen androgynen Schönheit und ‚Nachdenken über Robert‘. Eine gelungene Mischung von älteren und jungen Literaturakteuren ist in diesem Aufbau Wochenkalender zu finden; er ist jünger geworden und interessanter.
Aufbau Literatur Kalender 2016, Wochenkalender, Spiralbindung, 56 Seiten, 21,95 Euro, im Buchhanderl oder direkt bei Aufbau Verlag

„Die wilden 20er Jahre“, die bekannt sind für schöne starke Frauen, Künstlerinnen und Vamps, die lustvoll Konventionen missachteten: Für Frauen mit Geist wie Djuna Barnes, vor deren scharfsinnigen Anmerkungen sich sogar Männer wie der Verleger Robert McAlmond fürchteten: „Djuna … hatte eine solch scharfe Zunge, dass ich gar nicht erst mit ihr zu konkurrieren wagte.“ Exotische Schönheiten wie Josephine Baker, die Königin des Charleston, die unsterblich wurde durch ihren Tanz im Bananenrock und die Revue Nègre. Vicki Baum war eine der Frauen, die so verschiedene Rollen wie Redakteurin, Mutter, Hausfrau und Bestsellerautorin erfüllte. Isadora Duncan
Die Schauspielerin Elisabeth Bergner, als Märchenmädchen bewundert von dem Schriftsteller Alfred Polgar, verkörperte den Kindfrauentyp. Mit ihrem außerordentlichen Tanzstil, verbunden mit dem Mut zur Exaltiertheit gewann Isadora Duncan Berühmtheit. Jedes Kalenderwochenblatt ist eine Begegnung , mit ungewöhnlichen Künstlerinnen, die sich die Freiheit nahmen, zu leben wie sie es für richtig hielten. In künstlerischen und authentischen Schwarzweißfotos aus der Zeit bringen sie uns diese kämpferischen Naturen nahe, die als Fotografin, Dichterin, Tänzerin, Schauspielerin begannen sich ein unabhängiges Leben zu erschaffen.
Der literarische Frauenkalender „Die wilden 20er Jahre“, 56 Seiten, 24,2 x 1 x 32 cm, Ebersbach & Simon

Magische Stimmung, Einsamkeit in mannshohem Farn und in Moospolstern – Bäume als Kulisse und als Solitäre. Auf jedem dieser phantastischen Bilder werden Wälder in ihrer besonderen Schönheit vorgestellt. Ohne Menschen und nicht nur deutsche Wälder: Ein Feld von Schneeglöckchen im Laubwald von Dumfries, Schottland – Im Jura der Schweiz eine schneeige Linde vor dem dunklen Hintergrund bestäubter Tannen. Ein lichter Buchenwald in Thüringen an dessen Wurzeln ein Bärlauchteppich gewachsen ist. Dazu Gedichte und Lebensweisheiten wie beispielsweise auf dem Bild der Zitterpappeln im Habichtskraut in Kanada, dem Peter Rosegger die Worte leiht: „Nur der Einsame findet in den Wald, wo ihn mehrere suchen, da flieht er und nur die Bäume bleiben zurück.“ Ein rotglühender Ahorn: „Gücklich der Mensch, der Bäume liebt, besonders die großen, freien, die wild wachsen und die unabhängig geblieben sind von der Fürsorge der Menschen …“ In Cornwall ein Rhododendren-Blütenteppich ganz in pink begleitet von Worten des Rabindranath Thakur: „Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“ Im Dezember beschließt eine orangeleuchtenden Pappelgruppe aus dem National Forest Utah mit Khalil Gibrans Worten den Monat „…Wäre deine Hand geduldig genug, würde der Same ein Wald und die Raupe eine Schar geflügelter Wesen“. Ein Kalender für Liebhaber von Natur und Wäldern: Literaturkalender Magische Wälder, 24 x 1 x 32 cm, Verlag: Korsch Verlag, ISBN-13: 978-3731811138

Der literarische Postkartenkalender überrascht auch im 22. Jahr seines Erscheinens wieder mit seiner gelungenen Gedichteauswahl und Gestaltung: Die Themen sind oft zur Jahreszeit passend ausgesucht und fingerspitzenfein übersetzt in grafische Form.
‚Fliegende Wörter‘ aus dem Daedalus Verlag enthält Lyrik von vielen verschiedenen Dichtern zum Entdecken und als Postkartenbotschaft weiterzugeben. Beispielsweise im Januar die ‚Niederschmetternde Frage‘ von Les Murray „Warum verschont / Gott nicht / die Unschuldigen?“, die er selbst beantwortet. Oder um zu erfahren warum Michael Krüger die Krähen auf der Kiefer „das letzte Wort haben“ lässt und Jan Wagner dazu kommt, den nicht zu unterschätzenden Giersch, „seine „Kassiber durchs dunkel unterm rasen“ zu schicken. Eva Strittmatter erinnert im Juni an Vergänglichkeit und Sonnenwende: „Das Jahr ist jung. Das Jahr ist alt.“ In Wetterzeichen findet Johanes Bobrowski seine „Regenstimme“. Und im September, im’Taglied‘, wundert sich Harald Weinrich: … „Mein Buch steckt / als Lesezeichen / in deinem Buch … Und an welcher Stelle / verdammt / habe ich selber nicht / weiter gelesen?“ Im Dezember will Albert von Schirnding seinen Engel entlassen „Er kann jetzt gehn“, – herzzerreißend. So vielfältig in Stimmung und Aussage haben die Herausgeber Andrea Grewe, Hiltrud Herbst und Doris Mendlewitsch all diese Lang- und Kurzzeiler für ein ganzes Jahr Woche für Woche herausgesucht, dass eine schöne Mischung entstanden ist: Witzig, nachdenklich, frivol – immer mit Herz. Zu bestellen bei www.daedalus-verlag.de