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Die Schriftstellerin mit ungarischen Wurzeln hat einen 688-seiten langen E-mail-Roman „Schlafen werden wir später“ geschrieben, in dem sich zwei Freundinnen um die 40, jede in einem kritischen Lebensabschnitt sehr offen über ihr bisheriges Leben und die Zukunft, unterhalten. Zsuzsa Bánk beantwortet im Thalia Magazin 1/2017 die Frage:
Wie viele eigene Überlegungen, Wünsche und Frustrationen sind in das Buch eingeflossen?

„Vielleicht 1,25 Prozent Selbsterlebtes. Maximal. Überlegungen natürlich reichlich. Viele Leser werden annehmen, dass ich das bin: Márta, Schriftstellerin, ungarische Wurzeln, drei Kinder, lebt in Frankfurt. Aber in der Regel ist mein eigenes Leben sehr viel langweiliger als das meiner Romanfiguren. Es taugt nicht für einen Roman.“

Wie lange hat die Arbeit am Buch gedauert?

„So vier Jahre. Oder fünf? Es dauerte lang, bis ich das System geschaffen hatte. Dann war es wie eine Befreiung, zum ersten Mal hatte ich diese reine, ungehemmte Freude beim Schreiben, an all den plötzlich erlaubten Sprachspielereien, an Alltagssprache, Flüchen, Worterfindungen, künstlichen Wiederholungen, die in einem anders erzählten Roman keinen Platz haben, an dem eigenen Johanna-und-Márta-Klingklang, an ihrem Code. Sonst ist das Romanschreiben ja eher eine Art Knechtschaft, die man über Jahre aushalten muss. Das war zum ersten Mal anders.“

In ihrer dritten Sitzung des Jahres hat die FFA-Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung insgesamt 3.647.000 Euro bewilligt. Mit 3.537.000 Euro wird die Produktion von zehn Kinoprojekten unterstützt, während die Erstellung von vier Drehbüchern und einem Treatment mit 110.000 Euro gefördert wurde.
Die Förderungen im Detail:

Drehbuchförderung

DIE MASSNAHME
Autorin: Sandra Kaudelka
Produktion: Flare Film GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Die Mittdreissigerin Juli steckt in einer handfesten Lebenskrise – und steht ausgerechnet jetzt vor ihrem ersten Einsatz als Motivationstrainerin für Langzeitarbeitslose.

LAURA DEKKER
Autoren: Elena von Saucken, Florian Cossen
Produktion: Sommerhaus Filmproduktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Ein 14jähriges Mädchen umsegelt die Welt auf der Suche nach dem verlorenen Paradies seiner Kindheit.

SPRIT & SEGEN (AT)
Autoren: Seraina Nyikos, Simon Ostermann
Produktion: Wüste Film GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Eine junge Frau, ein Fernfahrer und ein gealterter Country-Star sind auf der Flucht vor sich selbst und begegnen einander auf einem skurril anmutenden Rasthof auf der Autobahn. Kinolangfilmdebüt der Autorin und von Regisseur Simon Ostermann.

WENN ALLE STRICKE REISSEN (AT)
Autorin: Gesa Scheibner
Produktion: DCM Pictures GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Was haben eine Kleptomanin, eine Phobikerin und eine Cholerikerin gemeinsam? Kinodebüt für Gesa Scheibner nach der gleichnamigen Romanvorlage.

Treatmentförderung

BO – LIFE IS SHEEP
Autorin: Ruth Olshan, Jorinde Schulz
Produktion: Ulysses Film GmbH
Förderung: 10.000 Euro
Ein junges Schaf träumt davon, ein Hund zu sein und sucht ein neues Zuhause.

Produktionsförderung

HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT
Produktion: blue eyes Fiction GmbH & Co. KG
Regie: Tim Trageser
Drehbuch: Gerrit Hermans
Förderung: 500.000 Euro
Art: Spielfilm
Fortsetzung des Familienhits „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“, in dem Schüler Felix aus Versehen seine Eltern verkleinert.

25 KM/H
Produktion: Sunny Side Up GmbH
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg
Förderung: 494.000 Euro
Art: Spielfilm
Buddy- und Roadmovie, in dem Lars Eidinger und Bjarne Mädel als ungleiches Brüderpaar eine zu Jugendzeiten geplante Mofa-Tour quer durch Deutschland nachholen.

WICKIE UND DAS ZAUBERSCHWERT
Produktion: Studio 100 Media GmbH
Regie: Eric Cazes
Drehbuch: Oliver Huzly
Förderung: 480.000 Euro
Art: Animationsfilm (Debüt)
Nach den erfolgreichen Realverfilmungen kommt der gewitzte Wikingerjunge nun in einem Animationsfilm ins Kino. Nachdem Vater Halvar seinem Erzfeind Sven ein mysteriöses Zauberschwert stibitzt, beginnt für Wickie das Abenteuer seines Lebens.

FÜNF FREUNDE – IM TAL DER DINOSAURIER
Produktion: SamFilm GmbH
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Mike Marzuk
Förderung: 450.000 Euro
Art: Spielfilm
Ihr fünftes Kinoabenteuer unter der Regie von Mike Marzuk führt die fünf Freude auf den Fersen eines skrupellosen Verbrechers ins „Tal der Dinosaurier“.

DER KLEINE KÖNIG DEZEMBER
Produktion: collina filmproduktion GmbH
Regie: Dagmar Seume
Drehbuch: Ulrich Limmer, Axel Hacke
Förderung: 443.000 Euro
Art: Spielfilm
Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Axel Hacke, in der ein Flugzeug-Ingenieur mithilfe einer Phantasiefigur aus seiner Kindheit seine Frau zurückgewinnen will.

DIE OLCHIS – DER KINOFILM
Produktion: WunderWerk GmbH
Regie: Toby Genkel
Drehbuch: John Chambers
Förderung: 400.000 Euro
Art: Animationsfilm
Die erste Kinoverfilmung mit den lustigen, grünen, müllfressenden Wesen aus der beliebten Kinderbuchreihe von Erhard Dietl. Das Drehbuch erhielt 2016 den Deutschen Animationsdrehbuchpreis.

AVALANCHE
Produktion: Flare Film GmbH
Regie: Bastian Günther
Drehbuch: Bastian Günther
Förderung: 300.000 Euro
Art: Spielfilm
Drama über den texanischen Wettbewerb „Hands On“, ein Tage-und-Nächte-ohne-Schlaf-Ausdauer-Wettstreit, der sich zu einer Tragödie entwickelt. Regisseur Bastian Günther arbeitet nach HOUSTON erneut mit Schauspieler Ulrich Tukur zusammen.

KULISSEN DER MACHT
Produktion: Katuh Studio GmbH
Regie: Dror Moreh
Drehbuch: Dror Moreh
Förderung: 200.000 Euro
Art: Dokumentarfilm
Der Dokumentarfilm untersucht, wie seit Ende des Kalten Kriegs internationale Führungspersönlichkeiten auf verschiedene Massaker an der Zivilbevölkerung im Rahmen der Vereinten Nationen reagiert haben.

CUNNINGHAM 3D
Produktion: Achtung Panda! Media GmbH
Regie: Alla Kovgan
Drehbuch: Alla Kovgan
Förderung: 190.000 Euro
Art: Dokumentarfilm (Debüt)
Ein 3D-Kinoerlebnis über das Leben und Schaffen des legendären amerikanischen Choreographen Merce Cunningham.

INGMAR BERGMANN – VERMÄCHTNIS EINES JAHRHUNDERTGENIES (AT)
Produktion: C-Films (Deutschland) GmbH
Regie: Margarethe von Trotta, Dr. Felix Moeller
Drehbuch: Margarethe von Trotta, Dr. Felix Moeller
Förderung: 80.000 Euro
Art: Dokumentarfilm
Anlässlich seines 100. Geburtstags im kommenden Jahr nähert sich Regisseurin Margarethe von Trotta dem Werk und der Person Ingmar Bergmans und erkundet dessen filmisches Erbe im Gespräch mit einer neuen Generation von Filmemachern.

Der Kommission lagen 25 Anträge auf Produktionsförderung und 19 Anträge auf Drehbuchförderung vor. Die nächste Sitzung der Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung ist am 18. und 19. Juli 2017.

Fachbücher über Film und Drehbuch

Der Autorenhaus Verlag, Berlin, bietet ab sofort für kurze Zeit einen Schreibratgeber der bekannten Schriftstellerin Ursula LeGuin an: „Kleiner Autoren-Workshop“. Das Buch hat 206 Seiten.

Der Band wurde von der FAZ gelobt: „Wer in einem Autorenzirkel verkehrt, kann Le Guins Anleitung zur Verfeinerung der narrativen Erzähltechnik gleich zum nächsten Treffen mitnehmen.“

Die Lehrerbibliothek: „Unbedingt zu empfehlen für jeden (Deutsch-)Lehrer und jeden am Schreiben Interessierten!“

Das Buch kann kostenlos mit dem Autorenbrief angefordert werden: www.autorenhaus.de

Drei SchneckenBei einem Spaziergang am Behlersee in Holstein ist mir eine Schnecke über den Weg gelaufen, die schwarze Schriftzeichen auf ihrem Haus trug. Die folgenden Tage fand ich fünf weitere Weinbergschnecken mit anderen fremden Schriftzeichen. Wer kann sie entziffern?

Dazu ein Haiku von Issa Kobayashi (1763 – 1827):

Katatsumuri
sorosoro nobore
fuji no Yama.

Kleines Schnecklein du
besteige ihn ganz langsam,
den Fuji-Berg!

Soro-soro, langsam, langsam – ein Motto für Dichter?

Wie steht es um die Dichtung in Deutschland? Und wie sieht die finanzielle Situation derjenigen aus, die Lyrik schreiben und auf die Bühne bringen? 19 Lyrikfestivals, Lesereihen, Vermittler und Dichter aus ganz Deutschland haben sich Mitte Mai in Caputh zu diesen Fragen versammelt und Forderungen an die Politik diskutiert. Sie betonten dabei: Lyrik ist eine eigenständige Kunst. Der Tagung voraus ging eine Umfrage zur Einkommenssituation der Dichterinnen und Dichter in der Bundesrepublik, die das Haus für Poesie beauftragt hatte.

200 Dichterinnen und Dichter haben den Fragebogen erhalten, 114 haben geantwortet. Drei Viertel der Befragten leben mit einem Jahresbruttoeinkommen unter dem Bundesdurchschnitt von 32.486 Euro (nach statista.de, gearbeitet wird mit Angaben aus dem Jahr 2015). Für 77 Prozent liegen die Einnahmen aus schriftstellerischer Tätigkeit jährlich bei 10.000 Euro oder weniger. 45 Prozent derjenigen, die neben der schriftstellerischen Arbeit keiner weiteren Tätigkeit nachgehen, liegen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgrenze, die bei 11.759 Euro im Jahr liegt.

Studie (PDF)

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Angela Schader befragte die Autorin des Romans „Das geträumte Land“ u.a. wie sie dazu kam, sich in die sehr verschiedenen Charaktere ihres Romans einzufühlen:

Ihr Roman spielt zur Zeit der Subprime-Krise, und dieser Banker ist ein grosses Tier bei Lehman Brothers. Sie haben ihn und seine schwierige Ehefrau sehr einfühlsam gezeichnet. Hätten manche Leser nicht lieber einen Buhmann gehabt?

„Die Leute waren überrascht darüber, denn was hätte nähergelegen – wer ist leichter zu hassen als ein Banker von der Wall Street? Auch für mich war es nicht einfach, zu dieser Darstellungsweise zu kommen. Das war eine weite Reise. Ich solidarisierte mich natürlich unmittelbar mit Jende und Neni, meinen afrikanischen Figuren.
Und dann sagte ich mir: „Moment mal, kann ich nur Sympathie und Einfühlungsvermögen für Menschen aufbringen, die sind wie ich? Ich muss die auf der anderen Seite genauso behandeln.“ Das fiel mir nicht leicht, aber es war ein wichtiger Teil meiner schriftstellerischen Entwicklung. Ich musste mich meinen eigenen Vorurteilen stellen – davon hatte ich eine ganze Menge – und erkennen, wie sehr sie meinem Schreiben im Weg standen.“
aus dem Gespräch, das Angela Schader mit Imbolo Mbue führte: „Der amerikanische Traum ist in Gefahr“ Neue Zürcher Zeitung 11.4.2017

Marius Leutenegger hat den vielseitigen und erfolgreichen Schweizer Schriftsteller Hans-Rudolf Lehmann alias Lukas Hartmann im Interview gefragt wozu er sein Pseudonym braucht:

„Ich habe einen Doppelnamen, in meinem Pass ist Lukas Hartmann als Schriftstellername eingetragen. Er ist meine zweite Haut und entstand zum einen aus dem Wunsch heraus, Identitäten auszuprobieren, zum anderen hat er einen praktischen Hintergrund: Ich schrieb einst Reportagen für die Weltwoche, die in direktem Zusammenhang mit meiner Arbeit mit straffälligen Jugendlichen standen. Man riet mir, die Reportagen nicht unter meinem bürgerlichen Namen zu veröffentlichen, und ich musste rasch ein Pseudonym wählen.“
aus: Marius Leutenegger „Die Stoffe wählen mich“ – Lesen 3/2016

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan wurde im August 2016 als angeblich Terrorverdächtige in ihrer Wohnung festgenommen und bis Dezember im Gefängnis gefangen gehalten. Ihre Wohnung wurde stundenlang durchsucht, ihr PC mitgenommen, ihr Pass wurde ihr weggenommen.
Veronika Hartmann hat die Schriftstellerin in einem ausführlichen Interview gefragt:

Viele Ihrer Bücher scheinen autobiografisch zu sein. Sind sie es auch?

„Ich bin meine eigene Erzählerin. Ich bin das nicht selber, aber gleichzeitig auch niemand anderes. Ich sehe mich wie eine Schale, aus der eine Stimme herauskommt. Eine Figur entsteht, daraus wird ein Buch, und dann bleibt die leere Schale zurück. Bei jeder Geschichte entsteht ein anderes Ich.“
aus „Im Gefängnis war ich eine andere“ – Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan (Die Stadt mit der roten Pelerine) spricht über ihre viermonatige Haft und ein Land im Zustand der totalen Verunsicherung“ – Neue Zürcher Zeitung 28.1.2017

O wie Originalität
„Autorenschaft wird unterschätzt. Leider auch der Idealismus, der damit einhergeht. Die Menschen lesen nicht mehr, können sich nicht mehr konzentrieren, nicht für drei Minuten, sie werden denkfaul – letztendlich ist das die Ursuppe der Fake News.“
Jörg Harlan Rohleder hat zusammen mit dem 86jährigen Schriftsteller ein Alphabet erstellt: „Wenn der letzte Dandy der Literatur ein Buch über Sprache schreibt“, Focus 17/2017

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