Allgemein


Eine besonders feinfühlige Widmung hat Carl Safina seinem Buch „Die Intelligenz der Tiere – Wie Tiere fühlen und denken“ vorangestellt:
„Dieses Buch ist all jenen Menschen … gewidmet, die genau hinsehen und hinhören. Die uns erzählen, was sie aus den Stimmen und dem Schweigen derer heraushören, die mit uns auf dieser Erde leben.“

Widmungen gehören zum Schriftstellerleben, oft sind sie eine Art Dank an Familienangehörige „Für meine Eltern“, Ehefrau, Geliebte und enge Freunde, Ideengeber. Der Leser hat den Eindruck, dass sich die so Geehrten den Dank hart verdient haben – u.a. durch Geduld oder als als Muse wie diese: „… Nina W., der ich nächst Gott alles verdanke“ (Eckhard Henscheid)?
Sogar mein Lieblingsautor Christoph Ransmayr hat seinen Roman „Morbus Kithara“ zwei Menschen gewidmet „Für Fred Rotblatt und in Erinnerung an meinen Vater Karl Richard Ransmayr“.

„Mister Sorkin, wie machen Sie das? Wie komponieren Sie Ihre Dialoge, scharf wie japanische Messer und gleichzeitig so rhythmisch, dass sie sich sprechen lassen, als fiele den Schauspielern gerade erst ein, was sie sagen wollen, die so außerordentlich elaboriert ausgedacht sind, aber so klingen, als kämen sie direkt aus der Umgangssprache, Sätze, die in den Raum purzeln wie Lichtbälle von Leuchtraketen, smarte Sätze, die smartere Antworten provozieren?“ fragte Verena Lueken und der mehrfache Oskarpreisträger verrät sein Erfolgskonzept:
„Jemand muss etwas unbedingt wollen. Wenn er etwas unbedingt braucht, um so besser. Der Held will das Mädchen. Oder das Geld. Oder er will nach Paris – es spielt keine Rolle. Und dann muss sich ihm ein Hindernis in den Weg stellen, das er wegräumen muss. So funktioniert jede Szene, und so funktioniert jeder Plot. Das Hindernis muss allerdings glaubwürdig sein. Warum ruft er das Mädchen nicht einfach an? Warum steigt er nicht einfach in ein Flugzeug? Wenn das Publikum anfängt, so zu denken, ist die Geschichte tot.“
aus: Verena Lueken: „Menschen, die in Zimmern reden“, Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.2.2011

Sandra Kegel und Patrick Bahners im Gespräch mit der Schriftstellerin:

Was bedeutet Älterwerden für eine Schriftstellerin?

„Es ist interessant, weil sich die Wahrnehmungen verändern. Aber sie verändern sich nicht ins Melancholische. Damit konfrontiert zu werden, das man sterblich ist – ich kann nicht sagen, dass mich das besonders schockiert. … Man darf sich bloß nicht in einen blöden Sog bringen lassen: Ach, alles geht jetzt den Bach herunter und entschwindet. Das sollte einem möglichst nicht passieren, dann wird alles schwarz. Wir unterhalten uns oft hier im Haus darüber. Viele sagen, das Erregungspotential wird im Alter geringer. Aber das stimmt nicht. Oder das Wahrnehmen von Natur und von Menschen nehme ab. Im Gegenteil: Es verschärft sich. Was mich stören würde, wäre, wenn die Kraft zu schreiben nachließe. Aber das ist nicht der Fall.“
Sandra Kegel und Patrick Bahners „Dann gehen die Lichterchen der Wahrnehmung an“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.3.2018

Andreas Breitenstein hat den serbischen Schriftsteller gefragt: Wie sind Sie Schriftsteller geworden?

„Ich habe mit Gedichten begonnen, aber wie Faulkner schon sagte: Wenn man Lyrik nicht kann, wendet man sich der Short Story zu, und wenn auch das nicht klappt, bleibt immer noch der Roman. Mir gefielen neben den Postmodernisten auch konventionelle Erzähler wie Isaac Bashevis Singer, John Updike und William Saroyan, und es reizte mich, in der Prosa Fiktion und Metafiktion zu verbinden. Wobei ich denke, dass das Geschichtenerzählen entscheidender ist als das selbstbezügliche Spiel mit Worten. Die Erzählung geht immer vor, auch bei Schriftstellern wie Thomas Bernhard, die das Erzählen ins Absurde treiben.“
Aus: Andreas Breitenstein „Manchmal reicht ein einziger Satz“ – Neue Zürcher Zeitung 16.3.2018

Zu den Geschäften der italienischen Mafia gehört u.a. neben Drogenhandel, Geldwäsche auch Erpressung von Restaurantbesitzern und Pizzabäckern, die unter Druck Wein und andere Lebensmittel aus den Mafia-eigenen Produktion kaufen. Aus einem Gespräch zwischen Vater und Sohn bei einem Besuch im Gefängnis:
„Der Wein, papà, der Wein in Deutschland. Wir haben gutes Geld verdient.“
Und bezahlen sie dich gleich?“
„Bar, jede Stückelung … Das war so ein Haufen 500-Euro-Scheine. Ich hab sie für den Transport im Lenkrad versteckt.“
Vincenzo B: „Waschen … waschen … waschen. Deutschland ist nur noch eine einzige Wäscherei.“

Auch als Streitschlichter tritt die Mafia gelegentlich auf wie dieses abgehörte Telefongespräch beweist:
„Ich hab ihm gesagt: Ich sag’s dir einmal, und dann sag ich es nicht mehr! Ich hab ihm gesagt, Melsungen muss wie eine Kirche sein. Ich hab ihm das gesagt, weil dort viele Freunde von uns kommen und gehen … und denen soll er mit seinen Scheißaktionen nicht auf den Sack gehen.“
aus: David Klaubert „Paten der Provinz“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.3.2018

Die schwedische Schriftstellerin wurde in Leipzig für ihr Buch „Einer von uns. Geschichte eines Massenmords“ über den Massenmörder Anders Behring Breivik mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

„Wenn der Schriftsteller alles erklärt, braucht der Leser nicht zu denken. Die Reaktion sollte beim Leser liegen, nicht im Schreibprozess. Um das zu erreichen, brauchen wir die kleinsten Worte. Nur dann, wenn die Worte keine Schatten auf uns werfen, können wir die Dimensionen begreifen.“
Tilman Spreckelsen: „Die kleinsten Worte hallen nach“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.3.2018

ist die Schriftstellerin, wie sie sagt, mit einer von ihr geschaffenen Figur, wenn ihr eine Idee kommt, was sie „dieser Person noch gut aufpacken“ kann als Eigenheit oder Eigenart. Patrick Bahners und Sandra Kegel haben mit der Schriftstellerin über ihre Arbeit gesprochen und sie nach einem Ritual beim Schreiben gefragt:

„Wissen Sie, worauf ich mich freue? Morgens nach dem Frühstück gucke ich das vom Vortag Ausgedruckte an und korrigiere. Das habe ich geschrieben – und ich kann mich satt zurücklehnen und es besser machen. Darauf freue ich mich. Davon abgesehen, ist das Schreiben kein Ritual mit festen Zeiten. Ich muss immer gucken: Wo finde ich eine zeitliche Lücke? … Es ist der Wunsch, etwas in eine Ordnung zu bringen, die ich bestimme. Eine Konstruktion oder Komposition. Dass man etwa eine Person konstruiert, indem man ihr Grenzen setzt und Möglichkeiten gibt. Das hat auch mit Macht zu tun, nicht nur Personen, sondern auch Landschaften gegenüber. Wo setzt man Landschaft ein?“

Sie bemächtigen sich der Landschaft ähnlich wie der Person?
So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann bestimmen, wie ich sie einsetze, ich kann bestimmen, wann jemand in den Wald geht. Wann wird sie dominierend, wann erregt sie auch eine Resonanz in der Person, die sie wahrnimmt?“

aus: Patrick Bahners und Sandra Kegel: „Dann gehen die Lichterchen der Wahrnehmung an“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.3.2018

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt, nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist oder wo der, der Taten gesetzt hat, sie hätte besser machen können. Die Anerkennung gehört dem, der wirklich in der Arena ist; dessen Gesicht verschmiert von Staub, Schweiß und Blut ist; der sich tapfer bemüht; der irrt und wieder und wieder scheitert; der die große Begeisterung kennt, die große Hingabe und sich an einer würdigen Sache verausgabt, der, im besten Fall am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt; und der im schlechtesten Fall des Scheiterns, zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat.“

Im Magazin der Buchhandlungen „Lesen“ 4/17 hat Marius Leutenegger den Thriller-Autor Sebastian Fitzek interviewt und ihn gefragt:
Es gibt unzählige Ereignisse, die Sie zu Romanen inspirieren könnten. Welche Nachrichten wecken Ihr Interesse?

„Solche, die eine persönliche Betroffenheit auslösen. (…) Ich habe einen einfachen Mechanismus: Ich schreibe eine Idee nicht auf, und wenn sie wieder und wieder anklopft, will sie offenbar verwirklicht werden.“

Sie sprechen sehr freimütig über Ideen – haben Sie keine Angst, sie könnte Ihnen geklaut werden?

Nun, Ideen lassen sich bei uns ja nicht schützen, insofern ist sie noch nichts wert. Ich rede gern über meine Ideen, das gehört für mich zum Entstehungsprozess. Rückmeldungen bringen mich weiter. (…)

(…) Letzlich ist alles schon einmal geschrieben worden. Aber die Figuren sind nie auserzählt. Menschen haben heute andere Probleme als vor 500 Jahren, und neue Entwicklungen bieten neue Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen. Sind die Figuren relevant und die Umstände interessant, wirkt ein Setting nie ausgelutscht.

Entwerfen Sie Ihre Geschichte am Reissbrett?

Habe ich mich für eine Geschichte entschieden, entwerfe ich ein Exposé von 10 bis 20 Seiten – eine grobe Zusammenfassung der Handlung, derCharaktere, ihrer Motive und Konflikte. Dann beginne ich mit dem Scheibprozess, der in der Regel etwa drei Monate dauert und mich voll in Beschlag nimmt – ich bin dann sozial sehr inkompatibel.
Habe ich etwa 80 Seiten verfasst, löse ich mich aber meist komplett vom Exposé. Das hat damitzu tun, dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln und ich zu ihrem Beobachter werde.

Wie Autoren-Kollegen ihren Tag einteilen, wie sie arbeiten, wird Sie sicher ebenso interessieren wie mich. Deshalb gebe ich gern weiter, was der ungarische Schriftsteller Peter Nadas in einem NZZ-Interview mit Manfred Papst über seinen Schreiballtag verraten hat:

„Ich habe einen strikt festgelegten Tageslauf. Ich stehe früh auf, ohne mich zu rasieren oder zu waschen, und setze mich mit einem grossen schwarzen Kaffee in mein Arbeitszimmer. Dort verbringe ich im Minimum die Stunden von acht bis zwölf und im Maximum diejenigen von acht bis drei. Dann esse ich etwas. Der Nachmittag gehört der Gartenarbeit, der Abend der Korrespondenz und der Lektüre.
(…) Ich schreibe die ersten Fassungen meiner Texte immer von Hand. Dann überarbeite ich sie und erfasse sie am Computer. Es gibt immer mehrere, manchmal Dutzend Arbeitsdurchgänge, bis für meine Begriffe jedes Wort am richtigen Ort steht. Eine schwierige Frage ist die, wann man loslassen muss.
Man kann einen Text auch zu Tode überarbeiten. Er wird dann nicht mehr besser, sondern schlechter. Wenn es gut läuft, erreicht man rasch eine Flughöhe, auf der man bleiben kann. Aber oft verrennt man sich auch, oder man hat die Sache überhaupt falsch angefangen.

Und was tun Sie dann?
„Diese Versuche werfe ich ungerührt in den Papierkorb. Ich schreibe die Texte aber nicht nur, sondern lese sie – wie mein österreichischer Kollege Christoph Ransmayr – mir selber laut vor. Die Sprachmusik ist mir wichtig. Beim lauten Lesen bemerkt man Fehler, die einem sonst entgehen. Von der Sprache kann man geführt, aber auch irregeführt werden.

Wann geben Sie Ihre Texte aus der Hand?
„Meine erste Leserin ist seit Jahrzehnten meine Frau. Sie war früher Journalistin und versteht etwas von der Sache. Sie ist sehr streng, von protestantischem Geist. Ich verteidige meine Formulierungen und Konstruktionen eifrig. Schliesslich habe ich mir etwas dabei gedacht. Manchmal gerate ich sogar ins Brüllen. Sie lacht mich aus. Ohne diese lebhafte Auseinandersetzung kann ich mir den Prozess kaum vorstellen.“
aus: Manfred Papst „Das Problem unserer Zeit ist die Gier“ – Neue Zürcher Zeitung am Sonntag 28.1.2018

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