Allgemein


„Romane sind nicht da, um etwas entziffern zu helfen, nein, sie schaffen selbst überhaupt erst das Bedürfnis, für das sie dann auch die Antwort sind!. … Die Welt ist da, ob man will oder nicht. Und wir sind hier, ob wir wollen oder nicht. Und Literatur kann uns im besten Fall auf dem Weg von hier nach da begleiten.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford -„Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – NZZ 19.12.2015

„Fürchten Sie nicht, dass die Menschen eines Tagesw gar nicht mehr ins Kino gehen werden?“ fragte Patrick Heidmann die britische Schauspielerin anläßlich ihres neuen Film „Okja“.

Bei diesem Film kann man nur mit Nein antworten: Regisseur Bong Joon-Ho hat ein romantisches, engagiertes Meisterwerk für Tierfreunde geschaffen, die dafür nicht nur mit dem Kinoticket sondern auch mit Strömen von Tränen bezahlen. Schon deshalb sind dunkle Räume nötig …

Tilda Swinton: „… Wir werden nie aufhören, uns in große, dunkle Räume setzen zu wollen und auf eine riesige Leinwand zu starren. Niemals! Davon bin ich überzeugt. Das Kino hat schon so viele Erdbeben überlebt: den Tonfilm, das Fernsehen, die DVD. Da wird es auch das Streaming überleben. Oder besser: Man wird friedlich koexistieren. Denn das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin. Die weiß sich schon durchzusetzen.“
aus: Patrick Heidmann „Das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.6.2017

„Was zwischen dem liegt, was ich denke und dem, was ich sage; zwischen dem, was ich sage und dem, was ich verschweige; dem, was ich verschweige und dem, was ich träume und dem, was ich träume und dem, was ich vergesse: Das ist Dichtung.“

„Ich blicke mit Fragen in die Welt und schreibe Romane, weil ich Dinge nicht weiss. Viele Schriftsteller schreiben aus der Ungewissheit heraus, um das dunkle Gebiet menschlicher Erfahrung zu erkunden. Gleichzeitig schreibe ich aber ah politische Kolumnen. Das ist das Gegenteil vom Romanschreiben. Hier gehe ich von Gewissheiten und Überzeugungen aus, von demokratischen Werten und klaren Ideen, was für eine Gesellschaft ich mir wünsche. In meinem Kopf müssen sich der zweifelnde Schriftsteller und der überzeugte Kolumnist den Platz teilen. Dabei ist der Platz des Kolumnisten aber viel kleiner.“

Martina Läubli hat den kolumbianischen Schriftsteller und Übersetzer zu Thema Gewalt in der Literatur befragt:

„(…) Romane sollten nicht dasselbe tun wie guter Journalismus oder historische Essays. Die Literatur muss immer Umwege gehen. In politischen und sozialen Konflikten gibt es immer eine unsichtbare Seite; innere moralische, emotionale Dimensionen. Ein Roman kann die unsichtbaren Dinge sichtbar machen. Dann offenbart sich eine Wahrheit, die nur durch Imagination erschlossen werden kann.“
Martina Läubli „Schreiben ist eine Form der Erinnerung“ – eng 3.6.2017

„Ein Roman schenkt mir die Freiheit, Wahrheiten zu erzählen, die über die Fakten hinausgehen. Ich kann das Material, das die Realität vorgibt verwandeln und zu neuen Wahrheiten vordringen. Ein Roman ist eine Lüge, die nicht verbirgt, dass sie eine Lüge ist und somit zur Wahrheit wird.“

„Ein Roman schenkt mir die Freiheit, Wahrheiten zu erzählen, die über die Fakten hinausgehen. Ich kann das Material, das die Realität bietet, verwandeln und zu neuen Wahrheiten vordringen. Ein Roman ist eine Lüge, die nicht verbirgt, dass sie eine Lüge ist und damit zur Wahrheit wird. Ich bin überzeugt, dass Literatur die Menschen in die Lage versetzt, die Welt besser zu verstehen.“

Eine Aufgabe, der sich auch der Journalismus verschrieben hat

„Das ist wahr, und so unterschiedlich beide Disziplinen sind, können sie sich im besten Fall doch ergänzen. Ich bin der Überzeugung, dass einem allein das Lesen von journalistischen und historischen Darstellungen kein vollständiges Bild einer Epoche liefert. Für das Verständnis einer Zeit ist es unerlässlich, die Literatur zu kennen, die sie hervorgebracht hat. Allein die Literatur ist in der Lage über die Fakten hinaus Einblicke in die mentale Verfassung einer Zeit zu geben und den Menschen Selbsterkenntnis zu schenken.“
Thomas David im Interview mit den peruanischen Schriftsteller (Tante Julia und der Kunstschreiber) Neue Zürcher Zeitung 30.10.2016

(…) Ein Roman ist etwas grundlegend anderes als ein journalistischer Text. Wenn ich schreibend eine Kausalität erzeuge, die es vorher so nicht gab, wenn ich einen Zusammenhang zwischen bestimmten Ereignisse und einer Naturkatastrophe erzähle, dann ist das eine ganz andere Art ethisch-moralischen Handelns, als Nachrichtenberichterstattung es sein kann. Womit ich nicht sagen will, dass Nachrichten keinen ethisch-moralischen Aspekt haben – aber sie haben ein völlig anderes Ziel.“

Inwiefern?
„Wie Walter Lippmann sagt, ist das Ziel des Journalismus, ein Bild der Welt zu erstellen, auf das sich der Leser verlassen kann. Die Konsequenzen von Literatur für die Leser sind viel komplexer. Mit F.R. Leavis könnte ich sagen, dass Literatur jenes allerfeinste Instrument ist, mit dessen Hilfe wir unsere emotionale und geistige Wahrnehmung der Welt verfeinern und auch erneuern können und eine neue Bewußtheit erlernen.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford „Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – Neue Zürcher Zeitung 19.12.2015

Rainer Moritz hat mit dem amerikanischen Pulitzerpreisträger anlässlich der Veröffentlichung seines gerade erschienenen Romans „Ein Mann der Tat“ gesprochen.
„Beinahe ausnahmslos lernen Schriftsteller das Rüstzeug ihres Handwerks, bevor sie begreifen, wer sie sind, das heisst, wen und was sie lieben. Meine Romane sind Ausdruck dessen, was ich schätze: Liebe, harte Arbeit, Opfer, Familie, Freundschaft, Gemeinschaft, das übergeordnete Wohl. Und, ja, mein tief zerrissenes Land.“
Rainer Moritz „Kleine Leben gibt nicht“ – Neue Zürcher Zeitung 6.6.2017

Die Schriftstellerin mit ungarischen Wurzeln hat einen 688-seiten langen E-mail-Roman „Schlafen werden wir später“ geschrieben, in dem sich zwei Freundinnen um die 40, jede in einem kritischen Lebensabschnitt sehr offen über ihr bisheriges Leben und die Zukunft, unterhalten. Zsuzsa Bánk beantwortet im Thalia Magazin 1/2017 die Frage:
Wie viele eigene Überlegungen, Wünsche und Frustrationen sind in das Buch eingeflossen?

„Vielleicht 1,25 Prozent Selbsterlebtes. Maximal. Überlegungen natürlich reichlich. Viele Leser werden annehmen, dass ich das bin: Márta, Schriftstellerin, ungarische Wurzeln, drei Kinder, lebt in Frankfurt. Aber in der Regel ist mein eigenes Leben sehr viel langweiliger als das meiner Romanfiguren. Es taugt nicht für einen Roman.“

Wie lange hat die Arbeit am Buch gedauert?

„So vier Jahre. Oder fünf? Es dauerte lang, bis ich das System geschaffen hatte. Dann war es wie eine Befreiung, zum ersten Mal hatte ich diese reine, ungehemmte Freude beim Schreiben, an all den plötzlich erlaubten Sprachspielereien, an Alltagssprache, Flüchen, Worterfindungen, künstlichen Wiederholungen, die in einem anders erzählten Roman keinen Platz haben, an dem eigenen Johanna-und-Márta-Klingklang, an ihrem Code. Sonst ist das Romanschreiben ja eher eine Art Knechtschaft, die man über Jahre aushalten muss. Das war zum ersten Mal anders.“

In ihrer dritten Sitzung des Jahres hat die FFA-Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung insgesamt 3.647.000 Euro bewilligt. Mit 3.537.000 Euro wird die Produktion von zehn Kinoprojekten unterstützt, während die Erstellung von vier Drehbüchern und einem Treatment mit 110.000 Euro gefördert wurde.
Die Förderungen im Detail:

Drehbuchförderung

DIE MASSNAHME
Autorin: Sandra Kaudelka
Produktion: Flare Film GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Die Mittdreissigerin Juli steckt in einer handfesten Lebenskrise – und steht ausgerechnet jetzt vor ihrem ersten Einsatz als Motivationstrainerin für Langzeitarbeitslose.

LAURA DEKKER
Autoren: Elena von Saucken, Florian Cossen
Produktion: Sommerhaus Filmproduktion GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Ein 14jähriges Mädchen umsegelt die Welt auf der Suche nach dem verlorenen Paradies seiner Kindheit.

SPRIT & SEGEN (AT)
Autoren: Seraina Nyikos, Simon Ostermann
Produktion: Wüste Film GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Eine junge Frau, ein Fernfahrer und ein gealterter Country-Star sind auf der Flucht vor sich selbst und begegnen einander auf einem skurril anmutenden Rasthof auf der Autobahn. Kinolangfilmdebüt der Autorin und von Regisseur Simon Ostermann.

WENN ALLE STRICKE REISSEN (AT)
Autorin: Gesa Scheibner
Produktion: DCM Pictures GmbH
Förderung: 25.000 Euro
Was haben eine Kleptomanin, eine Phobikerin und eine Cholerikerin gemeinsam? Kinodebüt für Gesa Scheibner nach der gleichnamigen Romanvorlage.

Treatmentförderung

BO – LIFE IS SHEEP
Autorin: Ruth Olshan, Jorinde Schulz
Produktion: Ulysses Film GmbH
Förderung: 10.000 Euro
Ein junges Schaf träumt davon, ein Hund zu sein und sucht ein neues Zuhause.

Produktionsförderung

HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT
Produktion: blue eyes Fiction GmbH & Co. KG
Regie: Tim Trageser
Drehbuch: Gerrit Hermans
Förderung: 500.000 Euro
Art: Spielfilm
Fortsetzung des Familienhits „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“, in dem Schüler Felix aus Versehen seine Eltern verkleinert.

25 KM/H
Produktion: Sunny Side Up GmbH
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg
Förderung: 494.000 Euro
Art: Spielfilm
Buddy- und Roadmovie, in dem Lars Eidinger und Bjarne Mädel als ungleiches Brüderpaar eine zu Jugendzeiten geplante Mofa-Tour quer durch Deutschland nachholen.

WICKIE UND DAS ZAUBERSCHWERT
Produktion: Studio 100 Media GmbH
Regie: Eric Cazes
Drehbuch: Oliver Huzly
Förderung: 480.000 Euro
Art: Animationsfilm (Debüt)
Nach den erfolgreichen Realverfilmungen kommt der gewitzte Wikingerjunge nun in einem Animationsfilm ins Kino. Nachdem Vater Halvar seinem Erzfeind Sven ein mysteriöses Zauberschwert stibitzt, beginnt für Wickie das Abenteuer seines Lebens.

FÜNF FREUNDE – IM TAL DER DINOSAURIER
Produktion: SamFilm GmbH
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Mike Marzuk
Förderung: 450.000 Euro
Art: Spielfilm
Ihr fünftes Kinoabenteuer unter der Regie von Mike Marzuk führt die fünf Freude auf den Fersen eines skrupellosen Verbrechers ins „Tal der Dinosaurier“.

DER KLEINE KÖNIG DEZEMBER
Produktion: collina filmproduktion GmbH
Regie: Dagmar Seume
Drehbuch: Ulrich Limmer, Axel Hacke
Förderung: 443.000 Euro
Art: Spielfilm
Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Axel Hacke, in der ein Flugzeug-Ingenieur mithilfe einer Phantasiefigur aus seiner Kindheit seine Frau zurückgewinnen will.

DIE OLCHIS – DER KINOFILM
Produktion: WunderWerk GmbH
Regie: Toby Genkel
Drehbuch: John Chambers
Förderung: 400.000 Euro
Art: Animationsfilm
Die erste Kinoverfilmung mit den lustigen, grünen, müllfressenden Wesen aus der beliebten Kinderbuchreihe von Erhard Dietl. Das Drehbuch erhielt 2016 den Deutschen Animationsdrehbuchpreis.

AVALANCHE
Produktion: Flare Film GmbH
Regie: Bastian Günther
Drehbuch: Bastian Günther
Förderung: 300.000 Euro
Art: Spielfilm
Drama über den texanischen Wettbewerb „Hands On“, ein Tage-und-Nächte-ohne-Schlaf-Ausdauer-Wettstreit, der sich zu einer Tragödie entwickelt. Regisseur Bastian Günther arbeitet nach HOUSTON erneut mit Schauspieler Ulrich Tukur zusammen.

KULISSEN DER MACHT
Produktion: Katuh Studio GmbH
Regie: Dror Moreh
Drehbuch: Dror Moreh
Förderung: 200.000 Euro
Art: Dokumentarfilm
Der Dokumentarfilm untersucht, wie seit Ende des Kalten Kriegs internationale Führungspersönlichkeiten auf verschiedene Massaker an der Zivilbevölkerung im Rahmen der Vereinten Nationen reagiert haben.

CUNNINGHAM 3D
Produktion: Achtung Panda! Media GmbH
Regie: Alla Kovgan
Drehbuch: Alla Kovgan
Förderung: 190.000 Euro
Art: Dokumentarfilm (Debüt)
Ein 3D-Kinoerlebnis über das Leben und Schaffen des legendären amerikanischen Choreographen Merce Cunningham.

INGMAR BERGMANN – VERMÄCHTNIS EINES JAHRHUNDERTGENIES (AT)
Produktion: C-Films (Deutschland) GmbH
Regie: Margarethe von Trotta, Dr. Felix Moeller
Drehbuch: Margarethe von Trotta, Dr. Felix Moeller
Förderung: 80.000 Euro
Art: Dokumentarfilm
Anlässlich seines 100. Geburtstags im kommenden Jahr nähert sich Regisseurin Margarethe von Trotta dem Werk und der Person Ingmar Bergmans und erkundet dessen filmisches Erbe im Gespräch mit einer neuen Generation von Filmemachern.

Der Kommission lagen 25 Anträge auf Produktionsförderung und 19 Anträge auf Drehbuchförderung vor. Die nächste Sitzung der Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung ist am 18. und 19. Juli 2017.

Fachbücher über Film und Drehbuch

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