Allgemein


hat die amerikanische Essayistin und Schriftstellerin am 13.10.2003 in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zusammengefaßt:

„Literatur kann uns sagen, wie die Welt beschaffen ist.
Literatur kann uns Maßstäbe geben, kann uns ein tiefes Wissen vermitteln, das in der Sprache und im Erzählen Gestalt annimmt.
Literatur kann unsere Fähigkeit stärken, um Menschen zu weinen, die nicht wir selbst sind und nicht zu uns gehören.
Wer wären wir, wenn wir kein Mitgefühl für jene aufbringen könnten, die nicht wir selbst sind und die nicht zu uns gehören? Wer wären wir, wenn wir uns selbst nicht – wenigstens zeitweise – vergessen könnten? Wer wären wir, wenn wir nicht lernen könnten. Wenn wir nicht verzeihen könnten? Wenn wir nicht etwas anderes werden könnten, als wir sind?“
(…) Zugang zur Literatur, zur Weltliteratur bedeutet: dem Gefängnis der nationalen Eitelkeit, der Spießbürgerlichkeit, dem zwanghaften Provinzialismus, dem stupiden Schulunterricht, der Unvollkommenheit des Schicksals, dem Unglück zu entkommen. Literatur war der Pass, der Zutritt in ein reicheres Leben, in die Sphäre der Freiheit gewährte.“

Der Underground-Star der Band „Leningrad“ ist im vorigen Jahr auch auf Deutschland Tournee gewesen. Oliver Maria Schmitt hat die Gelegenheit genutzt und mit „Schnur“ gesprochen:

Sie sind berühmt für ihre humorvollen und provokativen Songtexte. In Ihrem neuesten Lied „Der Kandidat“ heißt es, Wodka und Schmiergeld hielten Russland zusammen. Nachdem Bob Dyland den Literaturnobelpreis erhalten hat, rechnen Sie sich da auch irgendwann Chancen aus?

„Interessiert mich nicht. Soweit ich weiß, ist der Preis nur mit knapp einer Million Dollar notiert. In den Neunzigern hätte ich das bestimmt interessiert, aber heute nicht mehr. Dylan ist ja auch nicht hingefahren. Außerdem sind meine Texte im „Russischen Mat“ geschrieben …

… einer obszönen Umgangssprache, die offiziell geächtet ist, die aber jeder Russe versteht, und die fast alle nutzen, besonders diejenigen, die sie verbieten …

… und die wäre in Literaturkreisen kaum tragbar. Die würden nur meckern: „Der kann ja nicht mal richtig Russisch“ – und sie hätten recht. Mir ist nur wichtig, dass mich alle verstehen. In unserem Land gibt es in praktisch jeder Familie einen, der entweder im Gefängnis oder in der Armee war, was aufs Gleiche hinausläuft. Daher verstehen alle meine Songtexte, der Prolet ebenso wie der Akademiker oder Parteibonze. Der „Mat“ ist ein fester Bestandteil unserer Muttersprache, auch wenn er in den Medien gesetzlich verboten ist und wir immer wieder Auftrittsverbot deswegen bekommen. Es gibt eine interessante Theorie, warum die russische Gegenoffensive gegen die Deutschen damals nicht richtig in Gang kam: Erst haben die Offiziere die Befehle auf Hochrussisch erteilt, da ging alles sehr schleppend. Als sie aber auf „Mat“ gebrüllt haben, konnte man die Faschisten zurückjagen.“
Oliver Maria Schmitt „Bei uns sitzen die echten Punks in der Staatsduma“ – Frankfurter Allemeine Zeitung 24.10.2017

„Ich habe viel Rotwein getrunken. Aber die Sache ist die: Wenn Sie einen Roman schreiben, brauchen Sie Ihr Gedächtnis. Sie müssen sich die Frage beantworten können: Wie lange ist es her; dass ich Ketchums linke Hand zuletzt erwähnt habe. 200 Seiten? 400 Seiten? Sie verlieren viel Zeit, wenn Sie Ihr ganzes Buch noch einmal lesen müssen, um festzustellen, dass es auf Seite 140 war. Vor ungefähr sechs Jahren fand ich heraus, dass ich, wenn ich bei Bier bleibe, nichts vergesse. Ich gehe mit dem Gedanken an den letzten geschriebenen Satz ins Bett, und wenn ich aufwache, denke ich an den nächsten.“
Harriet Köhler „John Irving“ Der Schriftsteller nimmt Ergenzinger Ochsenbräu – und keine weiteren Kohlehydrate“ Die Welt 19.2.2011

„Ich bin eine reifere Person, wenn ich schreibe. Ich führe ständig Tagebücher, aber nicht, um sie zu veröffentlichen. Ein Tagebuch zu führen, ist ein guter Weg, um über sich selbst nachzudenken. … Was tue ich? Was ist Liebe? Was ist Freundschaft? Was ist Familie? (…) Schreiben heißt nicht nur, den Dingen den Spiegel vorzuhalten und Probleme aufzuzeigen, sondern auch, sich selbst zu entdecken. Vielleicht ist es auch ein Angewohnheit, ein Tick. Das spielt alles mit hinein. Ich erfinde ganze Welten, ich habe Romane mit vierzig Figuren geschrieben. Und in jeder steckt etwas von mir – selbst in den schrecklichsten Charakteren.“
Carmen Eller „In jeder Figur steckt etwas von mir“ – Neue Zürcher Zeitung 30.11.2017

„Der Poet ist der Musiker unter den Schriftstellern. Er ist der, dem die Geheimnisse des Gefühls kostbarer sind als die Wahrheiten des Verstandes. Gedichte sind keine zu lösenden Rätsel. „Mit jedem Tag, lesen wir bei Marcel Proust, „messe ich dem Verstand weniger Bedeutung zu. Mit jedem Tag wird mir bewusster, dass der Schriftsteller nur außerhalb von sich Eindrücke erfassen, das heißt zu sich selbst gelangen kann und damit zu dem einzigen Stoff der Kunst.“
aus der Dankesrede von Wolf Wondratschek, erster Preisträger des „Alternativen Büchner-Literaturpreis“, den der Investor Helmut Maier ausgelobt hatte, „als klar war, dass sein Favorit (W.W.) den Preis für Sprache und Dichtung wieder nicht erhalten würde“.

„… In dem Moment, in dem es dir leichtfällt, einen Roman zu schreiben, bist du als Romanautor wahrscheinlich auch am Ende. Es gibt Wunder, natürlich, „Die Brüder Karamasow“ zum Beispiel, als Dostojewski dachte, er hätte nichts mehr zu sagen, und dann kam ihm der Gedanke, und er schrieb einen der großartigsten Romane der Weltliteratur. Kurz darauf ist er gestorben. Das sind die wundersamen Dinge, die manchmal geschehen in der Literatur. Aber es gibt genügend anderes, das ich tun kann, als mich mit einer Romanidee zu beschäftigen, die nicht trägt. Da kümmere ich mich lieber um Vögel.“
Sandra Kegel: „In zehn Jahren twittern nur noch Arme und Verrückte“, Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.11.2017

War das Tagebuchschreiben (Wer’s findet, darf’s behalten) so etwas wie eine Therapie, wie ein Training, um Autor zu werden? fragte Mariam Schaghaghi den Schriftsteller David Sedaris. Der amerikanische Schriftsteller veröffentlichte sein erstes Buch mit 36 Jahren, heute, mit 60 Jahren, ist er für seine humorvollen Bücher weltweit beliebt.

„Ich habe es nie als Therapie wahrgenommen. Ich habe einfach nur geschrieben.
Wenn mich heutzutage junge Leute fragen, was sie tun sollten, um Schriftsteller zu werden, dann sage ich immer: „Schreiben!“ Darum geht’s: einfach zu schreiben, so viel wie möglich. Sie fragen nie, was sie tun müssen, um Texte zu veröffentlichen, sie wollen immer wissen, wie man Schriftsteller wird. Wer viel liest und viel schreibt, wird automatisch besser. Hätte ich meine Tagebücher je mit dem Anspruch geschrieben, sie zu veröffentlichen, wäre ich nie so weit gekommen. Denn natürlich war’s auch einmal grauenvoll geschrieben, ob nach vier Tagen oder 14 Jahren Schreibroutine. Wichtig war nur, dass ich schrieb und mir alle Freiheit liess. Was ich heute Morgen schrieb, ist heute vielleicht uninteressant. Aber vielleicht sehe ich das eines Tages anders.“
Mariam Schaghaghi „Es gibt genug Leute, die ernst schreiben“, Neue Zürcher Zeitung 15.10.2017

2010 hat er den begehrten Büchnerpreis erhalten, nun will er zum „reinen Selbstgespräch“ zurückkehren, schreiben nur noch für sich und die Schublade.
„Kein Anspruch mehr von aussen, kein Einspruch gegen das Geschriebene. Und der Autor bleibt, was er immer schon war: autonom.“

„Die Kleidung ist ein getragenes Gedicht“, so poetisch erklärt Dieter Meier, vom schweizer Elektropop-Duo Yello die tägliche Auswahl seiner Kleidung, seine Vorliebe für Farbe und Stil an jedem einzelnen Tag. Der 72jährige ist ein allround man. Als Songtexter und Sänger steht er immer noch auf der Bühne . Hits hat Yello auch schon gehabt, der Stoff für die Songs kann ihm nicht ausgehen, dazu war und ist sein Leben zu vielfältig. Ende November ist er zum ersten Mal auf Tournee gegangen.

Diese Selbstermutigung zum Schreiben ist als Postkarte im Daedalus Postkartenkalender ‚Fliegende Worte‘ für das neue Jahr zu finden.

Ex voto
Schreib, was dir keiner glauben wird.
Schreib, als wäre nichts dabei, schreib
über Geister, deren Existenz
du selbst bezweifelst, und doch.

Schreib, was keiner dir verzeihen wird.
Nicht unten hin, nein mitten auf das Blatt
Schreib, dass du selbst dir Heimat bist
und rein dein Herz.

Schreib, wofür man dich auslachen wird.
Warte nicht auf Beifall, schreibe ungehemmt
über die tägliche, gemeine Niedertracht
und über Gott, der dich nicht erhört.

Was noch? Schreib über Liebe, ja darüber auch
Und sag, du kennst nun ihr Geheimnis:
Dass man Gedichte vor der Liebe schreibt
und sie erst lesen wird, wenn sie vorbei ist.

aus dem Georgischen von N. Hummelt nach einer Interlinearübersetzung
von T. Khachapuridze

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