Allgemein


„Storytelling ist meiner Meinung nach nicht Literatur. Gut recherchierte, oft emotionalisierende und belehrende Geschichten zu erzählen ist wichtig, sehr wichtig, besonders in unserer unübersichtlichen Zeit, aber Literatur ist etwas anderes. Sie geht tiefer, sie besitzt mehr Ambiguität, breitet die Dinge in einer Komplexität aus, der sie auch formal und sprachlich gerecht zu werden sucht.
Literatur ist nicht einfach ein Produkt, das sich herstellen lässt – sie passiert. Ihr wohnt die Kraft inne, das System zu sprengen. Das ist keine originelle Ansicht – aber wir Schriftsteller haben in den Zeiten der Kommunistischen Diktatur nur überlebt dank der Vision, dass unser Schreiben wichtig ist, trotz allem.“

(…) „Am Ende, so glaube ich, entscheidet das Ästhetische über die Substanz. Auch wenn es heute oft vergessen wird oder ignoriert wird, wir Schriftsteller müssen das Prinzip der Form hochhalten. Das ist auch eine Frage der Integrität.“
Der rumänisch-jüdische Schriftsteller Norman Manea erregte Aufsehen „wegen der Unkonventionalität seiner Erzählungen“. Seine Romane „Der schwarze Umschlag“ und sein autobiografischer Roman „Rückkehr des Hooligans“ wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet.
aus dem Interview, das Markus Bauer mit dem Schriftsteller führte: „Am Ende bin ich dankbar für das Exil“, Neue Zürcher Zeitung 7.2.2017

Der österreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr „zählt zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren unserer Zeit“, schreibt Manfred Papst und hat ihn in einem ausführlichen Interview unter anderem gefragt:

Sprechen Sie gern über Ihre Arbeit?
… Was ich über meine Texte sagen kann, ist immer zweite, dritte oder vierte Wahl, denn wenn ich überhaupt jemals gut bin, also eins mit meinen Absichten, dann im Inneren einer Erzählung. Trete ich daraus hervor, bin ich selten dort, wo ich sein will. …
aus: Manfred Papst „Im Schatten jedes Weltwunders liegt ein Massengrab“ Neue Zürcher Zeitung 2.4.2017

Wir hatten Autoren dazu aufgerufen, ebenfalls über erste Schreibversuche zu berichten – und unser Postfach quoll fast über. Die drei glücklichen Empfänger eines der letzten drei Exemplare sind:

Geneviève Susemihl:
Am Anfang fühlen alle Figuren wie ich, in allen Figuren fand ich stet mich selbst wieder.

Jenny Wölk:
Mein erster Schreibversuch von einem Theaterstück (damals war ich 13 Jahre) ist immer noch mein meist gespieltes Stück, obwohl ich es einfach nur schrecklich unprofessionell finde.

Paola Reinhardt
Mein erster Versuch: Leider ein Erfolg, denn der WDR brachte mein Märchen „Die Sternenprinzessin“ als Hörspiel.
Danach kam lange, lange nichts, weil ich mich damals völlig überschätzte.

Vielen Dank an alle, die uns Ihre ersten Schreibversuche gesandt haben!

Glückwunsch an die drei Gewinner – bitte teilen Sie uns Ihre Postanschrift mit: autoren@autorenhaus.de

Am 12. August ist der wunderbare Singer-Songwriter und Guitarrist Mark Knopfler 69 Jahre alt geworden ohne Ermüdungserscheinungen, auch nicht beim Songschreiben. Nach so vielen Jahren on tour hat er sich die dazu nötige Sensibilität erhalten: Glückwunsch!

„Je älter ich werde, desto größer wird dieser Drang, neue Songs zu schreiben. Wer weiß, ob das nur daran liegt, das ich fürchte, mir könnte die Zeit davonlaufen, ich weiß es nicht. Das alles erfüllt mich jedenfalls mehr denn je – das Schreiben der Songs, die Studioarbeit, die Auftritte, ich genieße jeden Aspekt davon. Und ich hab so viele Songideen herumfliegen, das man fast schon aufpassen muss, wo man hintritt.“
aus: laut.de – bands

Die amerikanische Autorin mit Wurzeln in Kamerun hatte eigentlich „nie davon geträumt, Schriftstellerin zu werden“. Wie es dennoch dazu kam, dass sie ihren Roman „Das geträumte Land“ schrieb erklärte sie mit dem tiefen Eindruck, den das Buch einer berühmte Kollegin auf sie gemacht hatte:

„Nachdem ich das College abgeschlossen hatte, kam mir eines Tages Toni Morrisons Roman „Song of Solomon“ in die Hände. Das war, als hätte mich ein mächtiger Sturm mitgerissen, und sobald ich ihn fertiggelesen hatte, begann ich zu schreiben. Ich war einundzwanzig, ich dachte niemals daran, meine Arbeit zu publizieren, ich schrieb um des puren Vergnügens willen.“
aus dem Gespräch, das Angela Schade mit der Schriftstellerin führte „Der amerikanische Traum ist in Gefahr – Sie schrieb das Buch zur Stunde – und wusste es nicht“ Neue Zürcher Zeitung 11.4.2017

Ist das Schreiben schwere Arbeit für Sie?

„Nein, dieses Ringen ist ja auch ein grossartiges Vergnügen. Ich denke nie, dass das Schreiben von Romanen anstrengend ist. Anstrengend ist, wenn du nicht weiterkommst. Wenn du das nicht schaffst, was du willst. Das einzige Anstrengende ist, den Roman zu beenden. Alle Worte an den richtigen Platz zu bringen. Over and over again. Man ist so müde am Schluss.
Dieses Vollenden ist eine der Hauptleistungen, die man als Schriftsteller bringen muss, und dass man diese Arbeit gerade dann machen muss, wenn man am wenigsten dazu fähig ist, nämlich geistig schon völlig erschöpft, finde ich immer wieder ein bisschen pervers.“
Bernadette Conrad „Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – Neue Zürcher Zeitung 19.12.2015

„Romane sind nicht da, um etwas entziffern zu helfen, nein, sie schaffen selbst überhaupt erst das Bedürfnis, für das sie dann auch die Antwort sind!. … Die Welt ist da, ob man will oder nicht. Und wir sind hier, ob wir wollen oder nicht. Und Literatur kann uns im besten Fall auf dem Weg von hier nach da begleiten.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford -„Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – NZZ 19.12.2015

„Fürchten Sie nicht, dass die Menschen eines Tagesw gar nicht mehr ins Kino gehen werden?“ fragte Patrick Heidmann die britische Schauspielerin anläßlich ihres neuen Film „Okja“.

Bei diesem Film kann man nur mit Nein antworten: Regisseur Bong Joon-Ho hat ein romantisches, engagiertes Meisterwerk für Tierfreunde geschaffen, die dafür nicht nur mit dem Kinoticket sondern auch mit Strömen von Tränen bezahlen. Schon deshalb sind dunkle Räume nötig …

Tilda Swinton: „… Wir werden nie aufhören, uns in große, dunkle Räume setzen zu wollen und auf eine riesige Leinwand zu starren. Niemals! Davon bin ich überzeugt. Das Kino hat schon so viele Erdbeben überlebt: den Tonfilm, das Fernsehen, die DVD. Da wird es auch das Streaming überleben. Oder besser: Man wird friedlich koexistieren. Denn das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin. Die weiß sich schon durchzusetzen.“
aus: Patrick Heidmann „Das Kino ist eine biegsame und trickreiche Göttin“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.6.2017

„Was zwischen dem liegt, was ich denke und dem, was ich sage; zwischen dem, was ich sage und dem, was ich verschweige; dem, was ich verschweige und dem, was ich träume und dem, was ich träume und dem, was ich vergesse: Das ist Dichtung.“

„Ich blicke mit Fragen in die Welt und schreibe Romane, weil ich Dinge nicht weiss. Viele Schriftsteller schreiben aus der Ungewissheit heraus, um das dunkle Gebiet menschlicher Erfahrung zu erkunden. Gleichzeitig schreibe ich aber ah politische Kolumnen. Das ist das Gegenteil vom Romanschreiben. Hier gehe ich von Gewissheiten und Überzeugungen aus, von demokratischen Werten und klaren Ideen, was für eine Gesellschaft ich mir wünsche. In meinem Kopf müssen sich der zweifelnde Schriftsteller und der überzeugte Kolumnist den Platz teilen. Dabei ist der Platz des Kolumnisten aber viel kleiner.“

Martina Läubli hat den kolumbianischen Schriftsteller und Übersetzer zu Thema Gewalt in der Literatur befragt:

„(…) Romane sollten nicht dasselbe tun wie guter Journalismus oder historische Essays. Die Literatur muss immer Umwege gehen. In politischen und sozialen Konflikten gibt es immer eine unsichtbare Seite; innere moralische, emotionale Dimensionen. Ein Roman kann die unsichtbaren Dinge sichtbar machen. Dann offenbart sich eine Wahrheit, die nur durch Imagination erschlossen werden kann.“
Martina Läubli „Schreiben ist eine Form der Erinnerung“ – eng 3.6.2017

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