Der Underground-Star der Band „Leningrad“ ist im vorigen Jahr auch auf Deutschland Tournee gewesen. Oliver Maria Schmitt hat die Gelegenheit genutzt und mit „Schnur“ gesprochen:

Sie sind berühmt für ihre humorvollen und provokativen Songtexte. In Ihrem neuesten Lied „Der Kandidat“ heißt es, Wodka und Schmiergeld hielten Russland zusammen. Nachdem Bob Dyland den Literaturnobelpreis erhalten hat, rechnen Sie sich da auch irgendwann Chancen aus?

„Interessiert mich nicht. Soweit ich weiß, ist der Preis nur mit knapp einer Million Dollar notiert. In den Neunzigern hätte ich das bestimmt interessiert, aber heute nicht mehr. Dylan ist ja auch nicht hingefahren. Außerdem sind meine Texte im „Russischen Mat“ geschrieben …

… einer obszönen Umgangssprache, die offiziell geächtet ist, die aber jeder Russe versteht, und die fast alle nutzen, besonders diejenigen, die sie verbieten …

… und die wäre in Literaturkreisen kaum tragbar. Die würden nur meckern: „Der kann ja nicht mal richtig Russisch“ – und sie hätten recht. Mir ist nur wichtig, dass mich alle verstehen. In unserem Land gibt es in praktisch jeder Familie einen, der entweder im Gefängnis oder in der Armee war, was aufs Gleiche hinausläuft. Daher verstehen alle meine Songtexte, der Prolet ebenso wie der Akademiker oder Parteibonze. Der „Mat“ ist ein fester Bestandteil unserer Muttersprache, auch wenn er in den Medien gesetzlich verboten ist und wir immer wieder Auftrittsverbot deswegen bekommen. Es gibt eine interessante Theorie, warum die russische Gegenoffensive gegen die Deutschen damals nicht richtig in Gang kam: Erst haben die Offiziere die Befehle auf Hochrussisch erteilt, da ging alles sehr schleppend. Als sie aber auf „Mat“ gebrüllt haben, konnte man die Faschisten zurückjagen.“
Oliver Maria Schmitt „Bei uns sitzen die echten Punks in der Staatsduma“ – Frankfurter Allemeine Zeitung 24.10.2017