War das Tagebuchschreiben (Wer’s findet, darf’s behalten) so etwas wie eine Therapie, wie ein Training, um Autor zu werden? fragte Mariam Schaghaghi den Schriftsteller David Sedaris. Der amerikanische Schriftsteller veröffentlichte sein erstes Buch mit 36 Jahren, heute, mit 60 Jahren, ist er für seine humorvollen Bücher weltweit beliebt.

„Ich habe es nie als Therapie wahrgenommen. Ich habe einfach nur geschrieben.
Wenn mich heutzutage junge Leute fragen, was sie tun sollten, um Schriftsteller zu werden, dann sage ich immer: „Schreiben!“ Darum geht’s: einfach zu schreiben, so viel wie möglich. Sie fragen nie, was sie tun müssen, um Texte zu veröffentlichen, sie wollen immer wissen, wie man Schriftsteller wird. Wer viel liest und viel schreibt, wird automatisch besser. Hätte ich meine Tagebücher je mit dem Anspruch geschrieben, sie zu veröffentlichen, wäre ich nie so weit gekommen. Denn natürlich war’s auch einmal grauenvoll geschrieben, ob nach vier Tagen oder 14 Jahren Schreibroutine. Wichtig war nur, dass ich schrieb und mir alle Freiheit liess. Was ich heute Morgen schrieb, ist heute vielleicht uninteressant. Aber vielleicht sehe ich das eines Tages anders.“
Mariam Schaghaghi „Es gibt genug Leute, die ernst schreiben“, Neue Zürcher Zeitung 15.10.2017