Im Gespräch mit Jonathan Franzen erfährt Sandra Kegel, was der Bestsellerautor als „Tragödie
meines Lebens“ empfindet, wovor ein Romancier sich hüten sollte und womit er sich quält, – bevor er einen Roman anfangen kann:
„Bevor ich loslege, muss ich vor allem sicher sein, dass ich alle wichtigen Elemente habe. Das bedeutet vor allem eins: streichen. Nein, nein, nein. Nicht gut genug, nicht gut genug, nicht gut genug. So sehen die ersten quälenden Monate aus – oder auch Jahre. Dann grüble ich sehr lange Zeit über Fragen wie: Wie bringe ich das zusammen? Wie beginne ich den Satz? Wie gestalte ich den Dialog? Wenn ich eine Idee hätte, wenn ich eine Figur hätte, dann würde ich ja loslegen. Aber gute Figuren zu finden ist das Schwierigste überhaupt, es kann Jahre dauern. Vor allem, weil ich mich nicht gerne wiederhole. Ich war neulich in Butte, Montana, um mir die großen Kupferminen dort anzuschauen. Da haben sie wirklich die ganze Erde abgetragen, da ist nichts mehr übrig außer einem toxischen See. So fühle ich mich manchmal. Ich hasse den Gedanken, aber zuweilen glaube ich, dass da nichts Neues übrig ist, worüber es sich zu schreiben lohnt.“
aus: „In zehn Jahren twittern nur noch Arme und Verrückte“ Gespräch mit Jonathan Franzen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18.11.2017