Angela Schader hat mit der indischen Schriftstellerin gesprochen, von der in diesem Jahr ihr neuer Roman „Das Ministerium des äussersten Glücks“ erscheint.

In welchem Verhältnis sehen Sie das Verfassen von Essays und das literarische Schreiben?

„Für mich ist es nicht so, dass Fiktion literarisches und ein politischer Essay nicht-literarisches Schreiben ist. Den Gedanken, dass Schriftsteller sich nicht in der Lebenswelt engagieren sollten oder dass Engagement nicht literarisch sei, finde ich vielmehr sehr gefährlich. Denn damit wird genau das infrage gestellt, was einst die Bedeutung von Literatur war. Aber natürlich existieren tiefgreifende Unterschiede zwischen den Genres. Für mich liegen sie zu allererst in der Art der Dringlichkeit. Essays schreibe ich unter dem Druck der Situation, in der ich das Gefühl habe, alles in meiner Macht stehende tun zu müssen, um die Perspektive zu ändern. Was ich schreibe, mag ein Geschehnis nicht verhindern, aber es kann die Art und Weise verändern, wie die Leute es betrachten. Wenn ich dagegen an einem Roman arbeite, besteht diese Dringlichkeit nicht. Es geht nicht unbedingt um Aktuelles, Zeitgebundenes, sondern um etwas Zeitloses.“
aus: Angela Schader „Schriftsteller leben nahe am Wahnsinn“ – Neue Zürcher Zeitung 13.9.2017