(…) Ein Roman ist etwas grundlegend anderes als ein journalistischer Text. Wenn ich schreibend eine Kausalität erzeuge, die es vorher so nicht gab, wenn ich einen Zusammenhang zwischen bestimmten Ereignisse und einer Naturkatastrophe erzähle, dann ist das eine ganz andere Art ethisch-moralischen Handelns, als Nachrichtenberichterstattung es sein kann. Womit ich nicht sagen will, dass Nachrichten keinen ethisch-moralischen Aspekt haben – aber sie haben ein völlig anderes Ziel.“

Inwiefern?
„Wie Walter Lippmann sagt, ist das Ziel des Journalismus, ein Bild der Welt zu erstellen, auf das sich der Leser verlassen kann. Die Konsequenzen von Literatur für die Leser sind viel komplexer. Mit F.R. Leavis könnte ich sagen, dass Literatur jenes allerfeinste Instrument ist, mit dessen Hilfe wir unsere emotionale und geistige Wahrnehmung der Welt verfeinern und auch erneuern können und eine neue Bewußtheit erlernen.“
Bernadette Conrad im Gespräch mit Richard Ford „Die Quellen von Literatur sind unsichtbar“ – Neue Zürcher Zeitung 19.12.2015