Zum 90. Geburtstag von Martin Walser gratuliert Kollege und Büchnerpreisträger Arnold Stadler seinem Freund und mit Schreiben und Singen:

„So wie das Singen ist auch das Schreiben ein Schmerz- und Lebensmittel. Ein: Mich-schmerzt-dein-Schmerz-Singen. Also etwas jenseits vom bloßen Inhaltstransport und Informationsgelüst. Und was Walser singt, ist: Ja und nicht Nein. … Walser ist einer von ihnen, die schreibend aufs Schönste JA gesagt haben, auch zum Ja-Sagen-Wollen. Der Schmerz ist der Grundriss zu Walsers Werk.
(…) Der Schriftsteller, den ich meine, hat eine Wunde, aus der es weiterblutet, erinnerungsweise. Die Erinnerung ist eine Bluterkrankheit. Und Literatur ist „ich schreibe, also bin ich“. Walsers Werk ist das eines ganzen Jahrhunderts, und darüber hinaus. (..) Selig der Schriftsteller, dessen Schmerz zur Sprache wurde.“
Arnold Stadler „Das große Ja“ – Focus 12/2017