„Wenn ein Autor von der Statur Colm Toíbíns das Drehbuch schreibt, hat man dann am Set noch die Freiheit zu sagen, ach, das funktioniert nicht so richtig, ein anderer Dialog wäre besser, oder eine ganz andere Szene vielleicht?“, fragte FAZ-Redakteurin Verena Lueken den Regisseur im Interview.
„Colm Toíbín war bei den ersten Proben dabei und hat auch gleich korrigiert. Außerdem war es auch nicht so, das Toíbín das Drehbuch geschrieben hätte. Er hat Texte geschrieben, aus denen ich dann ein Drehbuch montiert habe. Er hat keine Skripterfahrung, er denkt auch nicht in dramaturgischen Begriffen. Er hat übrigens nebenbei ein Buch geschrieben, das aber nicht zum Filmstart fertig geworden ist, in dem er unsere Geschichte als Roman erzählt. Er hat mir immer wieder Seiten dieses Manuskripts geschickt. Einmal habe ich gesagt: Das nehme ich als Anfang, das erspart mir eine lange Exposition. Ich hatte immer noch Texte von Toíbín in Reserve. Wenn ich noch Dialog brauchte, habe ich ihm nachts geschrieben und gefragt: Was könnten die jetzt sagen? Und ich hatte auch viele Sätze im Hinterkopf, weil die aus dem realen Leben kommen. Dem Leben abgehörte Sätze.“

Wenn Sie so nah an persönliche Erfahrungen erzählen, könnte es sein, die Beteiligten in Ihrem finden das möglicherweise taktlos?
„Das glaube ich nicht. Es ist ja Kino jedenfalls, also verfremdet. Künstler müssen rücksichtslos sein, ihre Freunde und Frauen wissen das meist. Die Gefahr, in einer Geschichte aufzutauchen, ist immer da. Takt ist langweilig, heißt es im Film. Und so ist es.“
aus: Verena Lueken „Kunst verträgt keinen Takt“ Ein Gespräch mit Volker Schlöndorff – Frankfurter Allgemeine Zeitung 9.2.2017