Die Neue Zürcher Zeitung hat ihren Autoren das Thema ‚Rituale‘ zur Aufgabe gestellt. Hier schreibt die Schriftstellerin und Journalistin Masura Eseddin (Hinter dem Paradies) über die

    wechselnden Voraussetzungen, die sie zum Schreiben braucht.
    „Ich weiss nicht, wann ich realisierte, dass ich eine Gefangene meiner Rituale und Gewohnheiten bin – dass ich sie nicht mehr loswerde, auch wenn ich das wollte. (…)
    Auch beim Schreiben halte ich mich genau an ein tägliches Zeremoniell. Meine ersten literarischen Versuche unternahm ich während des Studiums; damals konnte ich einzig und allein im Haus meiner Familie während der kurzen Semesterferien schreiben. Auch war die Arbeit nur mit einem ganz bestimmten Stift möglich – hatte ich den nicht zur Hand, fühlte ich mich verloren und unfähig zur Konzentration. Später war ich genauso abhängig von einem bestimmten PC, von einem auserwählten Zimmer oder Café. (…)
    Ich gebe mich meinen Ritualen mit einem Genuss hin, den ich selbst nicht ganz verstehe, tauche völlig in sie ein, bis sie sich von selbst verflüchtigen; und ich bemerke ihr Schwinden gar nicht, bis ich gewahr werde, dass ich mich in aller Stille in einem neuen Ritual eingerichtet habe.“

    Sol Stein: Über das Schreiben