Marius Leutenegger befragt in Lesen 1/2016 den Schöpfer von Rabbiner Gabriel Klein, Professor Alfred Bodenheimer. Die beiden haben etwas gemeinsam: ein Doppelleben. Der Protagonist als Rabbiner und Ermittler, der Lebende als Professor für jüdische Literatur- und Religionsgeschichte und Krimiautor:

Wie kamen Sie dazu, Krimis zu schreiben? Wurde Ihnen das wissenschaftliche Schreiben zu langweilig?

„Ich wollte schon immer literarisch schreiben, bereits als Jugendlicher. Anfang 20 verfasste ich ein erstes Buch, einen experimentiellen Roman. (…) Doch kein Verlag wollte das Buch drucken. Da sagte ich mir: Schreibe ich je wieder etwas Literarisches, dann nichts, das zwar als interessant gilt, sich aber nicht verkaufen lässt. Lieber einen Krimi als etwas für die Luftschublade! Von Mitte 20 bis Ende 40 schob ich meinen Wunsch, literarisch zu arbeiten, zur Seite und schrieb vor allem über Literatur, statt selber Literatur zu produzieren …“

„Für mich ist das Krimischreiben (heute) ein bisschen wie ein Ausgleichssport, wie ein Spiel mit Inhalten, die ich sonst nicht so spielerisch angehen kann. Ja, der Spieltrieb ist für mein literarisches Schreiben sehr wichtig. Und ich sehe auch aus einem anderen Grund keinen Anlass, das Milieu zu wechseln: Es gibt nichts Tolleres auf der Welt als das, was ich als Wissenschaftler tagein, tagaus tue – und mit den Krimis kann ich es auf eine andere Weise tun.“

‚Der Messias kommt nicht‘ ist der neueste Titel von Alfred Bodenheimer, 2014 erschienen ‚Kains Opfer‘ und 2015 ‚Das Ende vom Lied‘ bei Nagel & Kimche