„Ich verbrauche nie eine Idee sofort, sondern lasse sie erst einmal ziehen, wie in einem Topf auf der hinteren Herdplatte.“

„Ich befinde mich gerade zwischen zwei Romanen. Also schreibe ich nicht jeden Tag. Aber ich schnappe auf der Straße etwas auf, einen Satz, der mich fasziniert. Zuhause schreibe ich ihn auf eine Karteikarte und stecke die Karte in die Schachtel. Wenn ich nach dem Thema für den neuen Roman suche, nehme ich mir die Schachtel vor und gehe sie durch. Es kann sein, dass ich eine Karte eine Million Mal in der Hand hatte. Jedes Mal wieder habe ich sie in die Schachtel zurückgelegt, aber plötzlich passiert es, dass ich sie ansehe und denke: ‚O ja, und darauf würde die andere Person sagen …‘ Und so wird der Satz lebendig.

„Ich schreibe oft als Leserin. Ich überlege, welches Buch ich gerne lesen würde, und dann schreibe ich dieses Buch. Mich macht es sehr ungeduldig, wenn am Anfang eines Buches von der Politik und der Geschichte der Zeit die Rede ist, obwohl ich mich mehr für das Innenleben der Personen interessiere.“

aus einem Gespräch mit Patrick Bahners für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5.9.2015
Von Anne Tyler ist in diesem Frühjahr der Roman „Der leuchtend blaue Faden“ im Verlag Kein und Aber erschienen.