„Als junge Schriftstellerin hat mich die Angst vor dem Scheitern sehr beschäftigt, während ich heute viel mehr die Illusion fürchte, die ich mir über mich selber mache.“

Was sind das für Illusionen?

„Allein die Vorstellung, dass meine Gedanken und Gefühle für irgendeinen anderen Menschen, der meine Bücher liest, von Bedeutung sein könnten, ist eine Selbsttäuschung. Es handelt sich dabei um eine narzistische Illusion, unter der alle Schriftsteller leiden. Aber ohne diese Illusion wäre ich wohl nie in der Lage, mir beim Schreiben vorzustellen, wie es wäre, jemand anderes zu sein und andere Stimmen, andere Gefühle zu erfinden.“

aus: „Empathie ist nicht genug“ von Thomas David, Tages-Anzeiger vom 29.5.2015