Vielen Lesern ist er bekannt, der schweizer Schriftsteller Kaspar Schnetzler, der nach seinem Studium in Zürich und Berlin als Journalist für die Neue Zürcher Zeitung geschrieben hat, Essays, Satiren und Theaterstücke verfasste und so zum Romaneschreiben kam. Er erhielt den Journalistenpreis, den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und weitere Auszeichnungen für sein literarisches Werk. In Books Nr 4/2014 erklärt er, warum er ein leidenschaftlicher Bücherschreiber ist.
Darum schreibe ich:
„Zum einen handle ich Erfahrungen ab, die mich ein Leben lang beschäftigen. Im Roman ‚Die Gilde‘ ist es eine bestimmte Berufsgruppe und das Verhalten ihrer Mitglieder. In ‚Das Gute‘ ist es die Geschichte einer unauffälligen kleinbürgerlichen Familie.
Zum zweiten ist es mir mehr als einmal passiert, dass mir wie aus dem Nichts … die Schlussszene eines Romans einfiel, ausformuliert bis zum letzten Buchstaben im letzten Satz. Eine A4-Seite lang. Was blieb mir anderes übrig, als die Geschichte zu schreiben, die zu diesem Ende führt. Darum habe ich die Romane ‚Kaufmann und das Klavierfräulein‘, ‚Nach Berlin‘ und als neuesten ‚das modell‘ geschrieben.
Drittens liebe ich das Handwerk des Erzählens. Es ist ein erhebendes Gefühl, Menschen literarisch nachzubilden, Figuren zu erschaffen, ihnen eine Umwelt zur Verfügung zu stellen, ein Leben zu geben, ein Schicksal, das sie zum Handeln bringt. Und dieser Ausgangslage eine erzählerische Struktur zu geben, die dem Leser ermöglicht, meine fiktive Geschichte in Bezug zu ihrem faktischen Leben zu setzen. Gelingt mir das, fühle ich mich wie „der kleine Gott der Welt“. Das ist ein guter Grund zu schreiben.
Schließlich das Wohlgefühl, das ich während all der Jahre, die ich Bücher schreibe, nie losgeworden bin: am Ende eines langen kreativen Prozesses, der sich abgesehen vom mechanischen Schreiben grösstenteils im seelisch-geistigen Bereich abspielt, ein eigenes Buch als Gegenstand in den Händen zu halten. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Aber noch schöner ist es, das Gewicht des Buchs zu spüren und mir einzubilden, es seien nicht Karton, Papier und Druckerschwärze sondern meine Worte, die das Gewicht ausmachen.“
BUCHTIPP: Über das Schreiben von Stein