Gedichte sind Seelen-Anker für den neuen Tag. Besonders die, die der Daedalus Verlag für seinen Postkartenkalender ausgesucht hat. Künstlerisch spiegeln Grafik und Farbe Aussage und Stimmung der Verse wider. Mit einem Haiku beginnt der Übergang vom alten Jahr 2014, das nur noch drei Monate entfernt ist, zum Neuen 2015: „Alle Vögel sind verreist …“ deshalb schickt der Dichter einen online-Spatz als Botschafter. Im Februar tröstet Ezra Pound eine Freundin in seiner „Dachstube“: „Komm, lass uns die bemitleiden, denen es besser geht als uns“, denn sie beide haben, anders als die Reichen, die „Diener und keine Freunde“ haben, „Freunde und keine Diener“. Eine Begegnung mit Robert Gernhard und seinen drei weinseligen Strophen „Alter Wein“ hat mich sehr gefreut, so passend für den November ausgesucht und weinrot gefärbt. Und dann Erich Fried – ohne ihn und den Hinweis auf die Liebe geht gar nichts: „Trennung“ beschreibt die siebentägige Entbehrung: „Der erste Tag war schwer“ … Habe ich jetzt genug verraten, um alle Gedichteliebhaber davon zu überzeugen, dass man ohne den Gedichtkalender „Fliegene Wörter“ nicht durchs Jahr kommt – schon wegen seinem Zusatznutzen: Jedes Gedicht kann als Botschaft versandt und nach der Rezeptur von Bertold Brecht „Morgens und abends zu lesen“ mit auf den Weg durch den Tag genommen werden.
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