Wie dehnt man eine Geschichte so weit aus, ohne dass sie langweilig wird oder sich wiederholt?, fragt Lars Weisbrod die Serienautorin im Gespräch:

„Ich bin nicht so sehr an Handlung interessiert, sondern an den Geschichten der Figuren: der Polizisten, des ganzen sozialen Umfelds, das betroffen ist, der Familie, der Freunde. In ‚The Killing‘ hatten wir den Platz, alle Ecken und Winkel der Figuren zu erforschen. Wir konnten die Zeit ausdehnen, um sie mit einer Frau zu verbringen, die ihr Kind verloren hat – wie die Minuten aussehen, nachdem sie es herausfindet, die Stunden, die Tage.

Stimmt es, dass die Autoren vor jeder Staffel eine Leichenhalle besuchen müssen?
Ja. Man kennt das Bild natürlich, weil es im Fernsehen dauernd vorkommt. Aber wenn man tatsächlich dort ist, bekommt man einen ganz anderen Eindruck: Wie riecht die Luft? Was liegt da auf dem Boden?

Muss man im Herzen Reporter sein, um diese komplexen Serien-Erzählungen zu schaffen?
Für mich ist es auf jeden Fall hilfreich, diese journalistische Seite. Erst einmal die Welt zu beobachten, bevor man einfach annimmt, Dinge seien irgendwie. Die Welt hat dann doch so viel mehr interessante Sachen zu erzählen, als man sich ausdenken kann.“

aus: Unser wichtigstes Werkzeug ist Recherche – Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.11.2013