Liebe Autorinnen und Autoren,

heute ist der 50. Jahrestag der großen Rede Martin Luther Kings, die Amerika verändert hat. Er hat unzähligen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben und ist bis heute zum Vorbild für Veränderung durch Gewaltlosigkeit. Auch für die jungen farbigen Schüler, die ein Leben zwischen Drogen und Gangkriegen vor sich hatten, gab es kaum Hoffnung – bis sich eine junge Lehrerin für sie und ihre Ausbildung über alle Grenzen einsetzte. Eine Möglichkeit den Kreislauf von Gewalt zu unterbrechen war das Tagebuchschreiben in der Klasse und das Vorlesen der anonymen Einträge durch die Schüler. Sie nannten sich in Anlehnung an die Freedom Riders der schwarzen Bürgerrechtsbewegung die Freedom Writers. Bilder und Texte hier:
www.freedom-writers.de/freedomwriters.phtml

Rolf Dobelli empfiehlt ebenfalls das Tagebuchschreiben: „Führen Sie ein Tagebuch. Schreiben Sie Ihre Vorhersagen – zu Politik, Karriere, Körpergewicht, Börse – nieder. Vergleichen Sie Ihre Notizen von Zeit zu Zeit mit der tatsächlichen Entwicklung. Sie werden erstaunt sein, welch schlechter Prognostiker Sie sind. Und: Lesen Sie Geschichte ebenso. Nicht die nachträglichen, kompakten Theorien. Sondern lesen Sie die Tagebücher, Zeitungsausschnitte, Protokolle aus jener Zeit. Das wird Ihnen ein viel besseres Gefühl für die Unvorhersehbarkeit der Welt geben.“ Der Klassiker übers Tagebuchschreiben: Tristine Rainer, Anaïs Nin: Tagebuch schreiben, 190 Seiten, nur 14,90 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/tagebuch_schreiben-tristine_rainer.phtml

Tagebücher sind für Schriftsteller bis heute ein wichtiges Instrument für die literarische Arbeit und für Biografen. Sie stützen auch die Erinnerung an besondere Begegnungen, Ereignisse, Bemerkungen und Verhalten, die fiktionalisiert in autobiografischen Romanen verwendet werden. „Biografie und Autobiografie sind im Augenblick der Lebenssaft der Kunst (…) Unsere Kultur ist besessen von realen Ereignissen, weil wir kaum noch welche erleben“ , schreibt David Shield in seinem Manifest „Reality Hunger“. Haben wir nicht oft genug in den Zeitungsbeiträgen wahre Geschichten gelesen, von denen wir überzeugt waren, das hätte sich kein Autor so ausdenken können.
Shields ist der Ansicht, dass die Sehnsucht nach Authenzität zunimmt und sogar dabei ist, die Fiktion zu verdrängen, denn was interessiert den Leser ein erfundenes Leben, wenn er in der Wirklichkeit viel interessantere wahre Geschichten finden kann. Im Tieger Blog finden Sie ein paar sehr interessante Aussagen zum autobiografischen Roman:
www.autorinnen.de

Was wäre, wenn man die Chance hätte, sein Leben wieder und wieder zu leben, bis man schließlich alles richtig gemacht hätte? Die junge Ursula Todd in Kate Atkinsons Roman „Die Unvollendete“ erhält diese Möglichkeit. Doch ist eine solche Chance wirklich erstrebenswert? Der Originaltitel lautete
übrigens: „Life after Life“. Kate Atkinson findet oft erst den Titel und schreibt dann den Roman. Weitere Beispiele für gelungene Titel hier:
www.autorinnen.de

Herzlich,
Ihre
Gerhild Tieger