ein Titel, der eher ein trockenes Sachbuch vermuten läßt. Aber Nora Bossong hat daraus Fiktion gemacht, mit 112 Seiten zugegebenermaßen einen kurzen Roman, erschienen im Hanser Verlag München. Wie sie das Thema fand fragte Marcus von Landenberg. Zuerst habe sie sich überlegt „Wie kann ich Deutschland erzählen?“ und sei dann auf den Mittelstand gekommen: „Denn er bestimmt für ein Gros der Menschen die Lebensrealität. Wenn sie nicht gerade selbst Unternehmer sind, so verdienen doch viele ihr Geld als Angestellte in Firmen. … Deshalb hatte ich das Gefühl, mit einem Roman rund um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die durch eine völlig unerwartete Lustlosigkeit und Flucht des Inhabers in Schwierigkeiten gerät, möglicherweise mehr über deutsche Wirklichkeit erzählen zu können, als wenn ich die Handlung im Kulturbetrieb oder in einer Berliner Eckkneipe angesiedelt hätte.“

Eine weitere Überlegung der Autorin war, ob es Parallelen zwischen Wirtschaft und Literatur geben könnte und sie fand:
„… dass es auch in Unternehmen bei vielen Fragen um Kreativität geht … besonders darum, neue Ideen einzubringen. Wenn in einer Firma etwas nicht mehr läuft, dann liegt das oft an dem Versäumnis, einen neuen Blick auf die ganze Sache zu werfen. Es geht darum, eine Drehung zu entdecken, die man vorher noch nicht erahnt oder bislang übersehen hat. So ähnlich ist es beim Romanschreiben auch. Wenn ich ewig auf ein leeres Blatt starre und es geht nicht voran, dann kann das vielleicht daran liegen, dass ich diese eine Drehung, die es braucht, immer übersehe. Meistens, weil ich die Grenzen meiner Vorstellungskraft zu eng ziehe. Dann ist ein kreativer Impuls nötig, um wieder vorwärts zu kommen.“
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.5.2013 „Verkaufen erfordert Mut“, Marcus von Landenberg