Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Verleger von Ihnen erwartet, dass Sie bestimmte Passagen in Ihrem Roman verändern, herausnehmen oder Kapitel stark kürzen n a c h d e m Ihr Buch in der ersten Auflage erschienen ist und nachdem es bereits lektoriert und nachdem es von Kritikern möglicherweise sogar wohlwollend besprochen worden war? Die Kolumnistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Constanze Kurz stellt heute in ihrem für Autoren schockierenden Beitrag die Frage: „Gibt es bald verkaufsoptimierte Versionen von Büchern, beworben mit einem Satz wie diesem: Jetzt in der zweiten, überarbeiteten Auflage: verbesserte Verständlichkeit, basierend auf Daten aus der Leseerfahrung?“

In ihrem Artikel zeigt die Journalistin auf, welche Auskünfte ein E-Book-Reader über den Leser geben kann, wie die ausgewerteten Daten kommerziell und manipulativ genutzt werden können. Und nicht zuletzt wie Autoren unter Druck gesetzt werden können, dabei mitzuspielen. Die Verkäuflichkeit könnte dann nicht nur den literarischen Stil sondern auch den Plot dominieren. Die Nebenwirkungen des E-Book-Veröffentlichens berühren aber auch Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts. Aufgabe des PEN und der Schriftstellerverbände wäre es, nachdrücklich zu diesen aktuellen Problemen, die für Autoren existentielle Folgen haben können, nachdrücklich und engagiert Position zu beziehen.

„Wer liest, der wird gelesen“ von Constanze Kurz, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. November 2012