Im Interview für die Neue Zürcher Zeitung hat Sacha Verna den rumänischen Schriftsteller Norman Manea gefragt: Wie können Sie sich einer Sprache verbunden fühlen, wo doch gerade die Sprache ein hervorragendes Mittel der Manipulation und Unterdrückung ist?

„Stalin hat Ossip Mandelstam in der Sprache verurteilt, in der Mandelstam seine Gedichte geschrieben hat. Jede Sprache ist die von Mördern und die von Dichtern. Sprache ist menschlich. Jeder Mensch kann unter gewissen Umständen zur Bestie werden. Sprache ist ein Mittel, das von der Ideologie, der es dient, unterschieden werden muss.
(…) Unsere Aufgabe als Schriftsteller besteht darin, die Sprache vor den Klischees zu retten, vor den bleibenden Tönen der Macht, ob diese nun unter dem Etikett ‚Kommunismus‘ oder ‚Kapitalismus‘ operiert.“

Die Höhle, Norman Maneas 5. Roman ist im Hanser Verlag erschienen.