„Es ist gefährlich, weil man Menschen ständig beobachtet, um zu sehen, wie sie sich verhalten. Man studiert Menschen, ohne dass sie es bemerken. Und mit Kindern ist es so, wie im ‚Buch der Kinder‘: Jemand, der schreibt, schliesst sich allein in einem Raum ein und redet nicht mit seinen Kindern oder liest ihnen vor. Natürlich versucht man beides, aber man führt auch so eine Art geheime Existenz und fühlt sich etwas unehrlich – obwohl ich nicht weiss, warum. Man hat das Gefühl, zwei Personen zu sein, aber die Leute kennen nur eine davon. Romane sind ein gefährliches Unternehmen.“

(…) „Ich hatte einen Freund in Cambridge, der mir in einem Gespräch über D.H. Lawrence sagte: „Schreiben ist eine Form der Machtausübung.“ Beim Schreiben lässt sich das Muster der Welt nach eigenem Belieben neu ordnen. Ich habe mich sehr bemüht, keine wirklichen Menschen in meine Romane einzuarbeiten, ich mische gern verschiedene Leute.“
aus: „Ich denke mit den Fingern“, einem Interview, das Marion Löhndorf mit der Schriftstellerin anlässlich der deutschen Ausgabe ihres neuesten Romans „Das Buch der Kinder“ führte.