Liebe Autorinnen und Autoren,

… Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig. Bei eventuellen Ähnlichkeiten mit wirklichen Orten handelt es sich um äußerliche Anleihen in einem fiktiven Zusammenhang. In keinem Fall beabsichtigt der Autor ein moralisches Porträt von Institutionen und ihren vergangenen oder gegenwärtigen Vertretern. Auch bei der Verwendung realer Ortsnamen sind nie reale Orte mit ihren realen Bewohnern gemeint.“ (Aus: Paul Ingendaay: „Warum du mich verlassen hast“)

Oder: „Diese Geschichte ist frei erfunden alle Bezüge auf wirkliche Personen, Geschehnisse, Institutionen, Organisationen oder Orte dienen allein dazu, dem Erfundenen etwas Wirkliches, Authentisches zu verleihen, sind aber ebenfalls erfunden. Alle übrigen Namen, Personen, Orte, Dialoge und Vorfälle in diesem Buch entspringen der Phantasie des Autors.“ So lautet der Schutzspruch auf der ersten Seite des Bestsellers: „Enzo. Die Kunst ein Mensch zu sein“ von Garth Stein und soll gerichtlichen Ärger ersparen. Den erleben Verleger und Autoren Jahr für Jahr, wenn es um Persönlichkeitsrechtsfragen geht.

Nur zwei Beispiele dazu: Das Buch „Ein Traum von einem Schiff“ von Christoph Maria Herbst im Scherz Verlag erschienen, als Satire angelegt, wurde Opfer einer Einstweiligen Verfügung und der Roman „Last Exit Volksdorf“ von Tina Uebel, bei C.H. Beck im Januar erschienen, war aus dem Buchhandel verschwunden. Andererseits wird gern auch mal mit dem voyeuristischen Bedürfnis von Lesern gespielt. Charlotte Roche hat es in ihrem autobiografisch gefärbten „Schoßgebeten“ so gelöst: „Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig und nicht beabsichtigt.“ – Hier reale Personen, dort fiktionale Figuren.

Glaubwürdige Figuren zu erschaffen, ist die Kunst von Roman- und Drehbuchautoren. Wie es nicht sein sollte, entnehme ich einer FAZ-Rezension des Filmes „Dr. Aléman“ (Erstes Programm): „Das Drehbuch überzeugt weniger, die Dialoge sind, um es unumwunden zu sagen, miserabel. Häufig bestehen sie aus plakativen Sätzen wie ‚Sie müssen sich entscheiden, auf welcher Seite Sie stehen‘, dann wieder scheinen sie keiner Logik zu folgen. Satzbaustein steht neben Satzbaustein. Die Schauspieler sagen ihre Texte seltsam distanziert auf, die Motivation ihrer Charaktere bleibt unklar.“

Überzeugende Charaktere und Dialoge sind die Grundlage eines gelungenen Films. Syd Field erklärt dazu: „Die Figur ist Handlung, ist, was sie tut, nicht, was sie sagt. Film ist Verhalten. Weil wir eine Geschichte in Bildern erzählen, müssen wir zeigen, wie die Figur in der Story Line agiert und auf die Ereignisse hin reagiert. Wenn Sie beim Schreiben spüren, dass Ihre Figuren nicht so scharf umrissen sind, wie sie sein sollten, wenn sie flach und konturenlos wirken, müssen Sie zuerst bestimmen, ob sie eine aktive Kraft in Ihrem Drehbuch sind – ob Sie etwas verursachen oder ob ihnen Dinge zustoßen.“ Syd Field hat drei Kapitel der Figurenentwicklung gewidmet: Die Erschaffung einer Figur, Figurenentwicklung, Story und Figuren. Ohne glaubwürdige Personen keine überzeugende Handlung, auch nicht im Roman. Syd Fields Standardwerk: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens – Schritt für Schritt vom Konzept zum fertigen Drehbuch, 463 Seiten, 24,90 Euro
versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/syd-field+das-drehbuch.phtml

Im April 2012 präsentiert das Filmfestival „sehsüchte“ in Potsdam-Babelsberg Filme von Studenten und Amateur-Filmemachern aus aller Welt. Prominente Jurymitglieder prämieren die besten Werke mit Preisen im Gesamtwert von bis zu 50.000 Euro. Eingereicht werden können sowohl Kurz- als auch Langfilme in den Kategorien Spiel-, Dokumentar-, Animationsfilm sowie Musikvideos und Kinderfilme. Nachwuchsautoren sind eingeladen, sich für den Drehbuchpreis zu bewerben:
www.sehsuechte.de

Vielleicht lesen Sie vorher das Erfahrungsbuch des großen Filmemachers Sidney Lumet, über den David Mamet sagt: „Sidney ist der Maestro … Sein Buch ist, wie seine Filme – freimütig, ehrlich, temporeich und sehr, sehr klug.
Jeder, der ernsthaft am Film interessiert ist, sollte es lesen.“ Und Steven Spielberg lobt: „Es ist ein Geschenk für uns alle, dass Sidney Lumet, einer der größten Filmemacher Amerikas, seine Ansichten mit uns teilt.“ Sidney Lumet und sein Klassiker: „Filme machen – Vom Drehbuch zum fertigen Film“ –
258 Seiten, 16,80 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/sidney-lumet+filme-machen.phtml

Im Tieger-Blog sagt der Filmregisseur Aki Kaurismäki, was er seinen Zuschauern gönnt und warum er Filme macht und Rolf Lappert, wie er seine temporäre Schreibhemmung während der Arbeit an seinem Roman „Auf den Inseln des Lichts“ überwunden hat.
www.autorinnen.de

Herzliche Grüße
Ihre
Gerhild Tieger