„Eigentlich ist das Erzählen ein ziemlich rätselhafter Vorgang: Jemand übermittelt uns etwas in Worten, von dessen Existenz wir meistens nur durch diese Worte überhaupt erfahren und das für uns in solcher Übermittlung gleichwohl Dringlichkeit und wahrhafte Präsenz gewinnen kann. Je stärker dies der Fall ist, also je mehr uns das Erzählte anspricht, bewegt, berührt, ergreift und fesselt, desto williger vergessen wir den Vorgang des Erzählens selbst und wollen uns ganz auf das einlassen, wovon die Rede ist – die eigentliche Gegenwart verblasst und die Person des Erzählers wird dadurch um so machtvoller. Spannend wird die Geschichte meistens dann, wenn wir uns darin verlieren können und die Rolle des Erzählers, der doch alles nur mit Worten ausmalt oder schlicht erfindet, aus dem Blick verliert. Dann hat er uns ganz in der Hand. Wie ein Puppenspieler führt er nicht nur die Figuren an den Fäden, sondern auch sein Publikum. Seine größte Macht liegt darin, selber unsichtbar zu sein.“, schrieb Tobias Döring in seiner Rezension über den neuen Roman „Unsichtbar“ von Paul Auster.
„Doch immer, wenn … wir uns vom Erzählten bedenkenlos mitreißen lassen wollen, bricht der Roman mit der Illusion: Der Vorgang des Erzähltens selbst rückt in den Vordergrund und konfrontiert uns mit der Frage, ob Wortgespinsten überhaupt zu trauen ist. Die Macht dieses Erzählers liegt also eher darin, je nach Bedarf sichtbar zu sein.“
In seiner Rezension unter dem Titel ‚Mord komm raus, du bist umzingelt‘ (FAZ v. 17.7.2010) gelingt Tobias Döring eine Analyse des Erzählens wozu er
Paul Austers Roman als Lehrmaterial benutzt.