Die Schwierigkeit besteht darin, eine Gruppe von Charakteren zu entwickeln, die ich genug lieben kann, um sie Qualen auszusetzen, die, ohne Liebe, einfach grausam wären. Wie es aussieht, läßt sich diese Aufgabe nicht anders als durch Versuch und Irrtum lösen: Jede Menge fragmentarische Anfänge, jede Menge Notizen, die, kaum dass ich sie geschrieben habe, so langweilig werden, dass nicht einmal ich sie lesen kann. Das ist grässlich frustrierend, aber ich habe nie herausgefunden, wie es schneller gehen könnte.
Bevor ich anfangen kann, brauche ich eine Reihe symbolischer „Objekte“ (im psychoanalytischen Sinn), die mit den wichtigsten Objekten in meiner Psyche korrespondieren. Ich versuche, bewusst zu träumen, und damit das gelingt, brauche ich Objekte, die intensiv genug scheinen, um so von ihnen zu träumen wie ich, im Schlaf von meinem Vater oder meiner Ex-Frau träume.“
aus dem Interview von Wieland Freund „Deutschland war immer für einen Anfang gut“ in Die Welt v. 7.9.2010 anlässlich des Erscheinens von Jonathan Franzens Roman „Freiheit“