aus dem Interview mit der schweizer Autorin in der NZZ vom 26.9.2010. Ihr Roman „Tauben fliegen auf“ wurde sowohl für den deutschen wie auch den schweizer Buchpreis 2010 nominiert.

Frage: Sie haben eine ungewöhnliche Erzählweise gewählt: Die Sätze bestehen aus vielen Teilsätzen und laufen oft über ganze Absätze. Wie kamen Sie dazu?

„Mich interessieren beim Schreiben im Wesentlichen die Komposition und die Tonalität. So war das auch bei ‚Tauben fliegen auf‘. Ich wollte meine Geschichte nicht einfach heruntererzählen. Am Anfang stand nicht eine Geschichte, die ich loswerden wollte, sondern eine Tonlage.“

Frage: Ihre Figur Ildikó wechselt beim Erzählen zwischen erster und dritter Person. Ist das Ausdruck ihrer Entfremdung?

„Ich habe nie einen Plan, wenn ich schreibe. Hatte ich auch diesmal nicht. Plötzlich stand auf dem Papier: „Sie, die ich bin.“ Sicher hat das mit einer Entfremdung zu tun, die gerade in einem Dienstleistungsbetrieb wie dem Café, in dem Ildikó ihren Eltern hilft, leicht aufkommt. Aber ich habe dieses Stilmittel nicht konsequent angewandt, damit es nicht wie ein plumpes Ausrufungszeichen wirkt.“