Di 20 Jul 2010
Achim Freyer: Sich leer machen für Wagner
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
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Als Opern-Regisseur ist Achim Freyer mit der Inszenierung des dreiteiligen “Ring des Nibelungen’ beschäftigt. Jordan Mejias im Interview mit Achim Freyer (FAZ v. 5.6.2010)
Hat sich Ihre Sicht auf den Ring im Laufe der langen Arbeit an Wagners ‘Tetralogie verwandelt?
“… Meine Devise ist, sich leer zu machen für ein neues Werk, alles zu vergessen, was man weiß und was man kann, und wieder neu anzufangen und zu entdecken. Dieselbe Zerstörung, die wir im “Ring” sehen, muss ich mit mir vollziehen, wenn ich an ein neues Projekt gehe.Um möglichst neu zu fragen: Wer bin ich? Was sind wir? Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Wie ist die Welt entstanden? Da kann ich ja nicht kommen und sagen: Ich weiß das. Da muss ich mich mit dem Wagner beschäftigen und ihm alles ablauschen, was er sagen will, und gleichzeitig muss ich in mich hören und warten, was da kommt.”
Wie kann eine endlos wiederholte Inszenierung noch frisch, unmittelbar und überraschend wirken?
“Die Überraschung besteht ja darin, dass man sich in diesem fremden Figuren wiedererkennt. Als Zuschauer arbeitet man mit und holt aus sich heraus all die verdrängten Geschichten, die im Theater freigesetzt werden. Wenn ich da in einen Spiegel gucke, und ein anderer spielt auf der Bühne … dann denkt man: Na ja, das ist ja nur der. Die museale Idee, die immer als verstaubt angesehen und angezweifelt wird, ist eigentlich unserer Basiis, unsere Tradition, aus der wir leben und überhaupt modern sind. Es muss empfunden werden, dass diese Figuren im “Ring” antikischen, großen Atem haben, dass Götter halt Götter sind. Ich kann da nicht einen Familienvater auf die Bühne stellen, was ja immer wieder passiert: Hagen als ungefährlicher, mieser Geschäftsmann und Intrigant – was soll das denn? Es ist doch viel großartiger, wenn man sagt: Das ist ein Teil unserer Menschheit, das sind wir alle. So wird es ja viel gefährlicher und brisanter und aktueller und schockierender.”