auszug aus der dankesrede des schriftstellers, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zur verleihung des Josph-Breitbach-Preises:

(…) An der Druckseite eines Buches – beim Schreiben ist man in etwa 240mal langsamer als beim Lesen – sitze ich im Schnitt zwölf Stunden, was, bezogen auf die siebenhundert Seiten meines letzten Romans, insgesamt 8400 Stunden ergibt. Umgelegt auf die gewerkschaftlich übliche Vierzig-Stunden-Woche, kommt man somit überschlagsmäßig auf etwa viereinhalb Jahre Arbeit, was – dividiert durch die zwei Euro, die mir pro Buch zustehen – nur bei einem wirklich äußerst guten Verkauf etwa acht Euro die Stunde ergibt (bei einem Gedichtband jedoch höchstens drei Euro). In reale Zahlen übertragen, ist das nicht einmal ein Viertel von dem, was der Physiotherapeut verlangt, der mir die Tennisellbogen wegmassiert, die ich mir vom Tippen eingehandelt habe.

Dann kann ich zwar auch noch den Vorschuß des Taschenbuchverlags dazurechnen, kann von dieser reinen Umsatzziffer für meine Bilanz dann aber auch wieder ein Drittel für Recherche, Handbibliothek und Computer als anrechenbare Auslagen abziehen (auf Steuer kann ich glücklicherweise in Irland verzichten; dafür jedoch sind die Lebenshaltungskosten dort 1,74- mal teurer als in Deutschland) – womit ich auf ein Monatsgehalt von ungefähr eintausend Euro komme (bei einem Gedichtband jedoch wiederum höchstens dreihundert Euro): was nur im besten Fall die Miete samt Sozialversicherungsbeitrag abdeckt. Wovon ich also lebe? Von Ihnen, dem Publikum: von Lesungen und einem Preis wie diesem. Von ebenjener Instanz also, die ein Schriftsteller, der was auf sein gutes Renommee gibt, stets als solche ausgeben muß, mit der er nicht rechnet, will er sich von den Kriterien der Bestsellerlisten vereinnahmt sehen und in einem Zug mit Rosamunde Pilcher genannt werden.“

Bildunterschrift: „Worte unterliegen der Inflation ebenso wie der Deflation und müssen am Schreibtisch der Dichter immer neu geprägt werden – aber auch die Miete will von ihnen irgendwie bezahlt werden.“