Literatur besteht nicht aus Büchern,

weder papiernen noch aus digitalen. Literatur besteht aus Romanen, Sonetten, Erzählungen, Novellen, Oden, kurz: aus Werken, abgeschlossenen, nach bestimmten ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten organisierten Gebilden, die eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, nur aus sich selbst heraus verstanden werden und auf nichts anderes reduziert werden können. Um ihre jeweilige Gestalt, diese unverwechselbare Physiognomie, die aus einer besonderen Sprache und aus dem entsteht, wovon diese Sprache spricht, ist es jedem wirklichen Schriftsteller zu tun. Diese besondere Physognomie unterscheidet Literatur von all den Tagebüchern und Filmvorlagen, die man ansonsten zwischen zwei Buchdeckel pappt und Roman nennt.”

“Wie jede künstlerische Form ist der Roman ein Schnitt in die Welt, der ein Innen und ein Außen erzeugt, eine Grenze, die insofern etwas Dialektisches hat, als sie gleichermaßen errichtet wie überschritten werden muss.”

zitat aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 8.4.2010 “Was Literatur ist” von Thomas Hettche