Autorenbrief vom 12. Februar 2010

Liebe Autorinnen und Autoren,

vor einigen Tagen war ich in der Ausstellung „Bestiarium“ des amerikanischen Künstlers Walton Ford. Der 1960 geborene Maler überlebensgroßer Tierbilder in der Art zoologischer Darstellungen von John James Audubon ist besessen vom Detail und arbeitet mit akribischem Pinselstrich. Zusätzliche Faszination gewinnen seine Bilder dadurch, dass sie von Berichten aus historischen Archiven, Zeitungen oder Büchern inspiriert sind.

Walton Ford ist ein Erzähler in Bildern. In seinen großartigen Gemälden illustriert er den Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden und die Vernichtung der Natur durch den Menschen. Tiere werden zu tragischen Heldenfiguren. In den meisten Bildern sieht man ihr unausweichliches Schicksal, zwischen all der farbigen Schönheit versteckt, als kunstvolle Falle oder verborgenen Gewehrlauf. Besonders beeindruckend das Triptichon „The Island“, das von der Ausrottung der Tasmanischen Tiger oder „Chalo, Chalo, Chalo“, das vom Ende einer Bärenjagd erzählt. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin ist noch bis 23. Mai 2010 zu sehen.

Auch Schriftsteller sind, ähnlich wie der Maler Walton Ford, auf der Suche nach Stoffen und Figuren. Allerdings müssen sie dazu die Kunst der Verfremdung beherrschen. Sonst riskieren sie, verklagt zu werden, weil jemand meint, sich in der Fiktion wiederzuerkennen: „Alle Bezüge auf wirkliche Personen, Geschehnisse, Institutionen, Organisationen oder Orte dienen allein dazu, dem Erfundenen etwas Wirkliches, Authentisches zu verleihen, sind aber ebenfalls erfunden. Alle übrigen Namen, Personen, Orte, Dialoge und Vorfälle in diesem Buch entspringen der Phantasie des Autors.“ Dieses Pentagramm hat Garth Stein seinem Buch „Enzo.! auf der ersten Seite vorangestellt.

Eine solche Beschwörung kann jeder Autor seinem Werk mitgeben. Trotzdem ist es wichtig, über die Grenzen der Kunstfreiheit gegenüber dem Persönlichkeitsrecht informiert zu sein. Judith Barrington hat ihrem Handbuch „Erinnerungen und Autobiografie schreiben“ einen Anhang beigegeben, in dem Fragen des Persönlichkeitsrechts, die beim biografischen Schreiben wichtig sind, behandelt werden: Erinnerungen und Autobiografie schreiben, 175 Seiten, 14,90 €, versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/judith-barrington+autobiografie-schreiben.phtml

Heute beginnt die Berlinale, Sie finden im Foyer des Cinemaxx am Potsdamer Platz unsere Fachbücher zu den Themen Dramatisches Schreiben, Drehbuchschreiben und Film, ebenso wie den Neudruck des „Standardwerks der Filmbranche“ von Syd Field: Das Drehbuch, 463 Seiten, 24,90 €, versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/syd-field+das-drehbuch.phtml

Im Tieger-Blog sagt die bekannte französische Schauspielerin Fanny Ardant wie sie dazu kam, ihr Debütdrehbuch für ihren Film „Asche und Blut“ zu schreiben, Ermanno Cavazzoni wie Drehbuchschreiben mit Fellini war, Alfonso Cuaron wie der Plot als Köder funktioniert.
www.autorinnen.de

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Gerhild Tieger

WENN SIE IHR MANUSKRIPT dem richtigen Verlag anbieten möchten: Im Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/2011 finden Sie dazu die aktuell recherchierten Adressen: Mit Genre-Index und durch Fragebogen ermittelten Programme und Angaben zur Form der Manuskriptangebote. Dazu hunderte weiterer Adressen aus dem Literaturbetrieb, redaktionelle Beiträge zum Buchmarkt unmd zum Schreiben und Veröffentlichen. Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2010/2011, Hardcover, 800 Seiten, nur 29,90 Euro versandkostenfrei:
www.autoren-jahrbuch.de