Autorenbrief vom 26. Januar 2010

ist es ein Gedicht. Meine/ Ärztin sagt, essen Sie 1 Gedicht, ich/ weisz nicht wie man es kocht, sage ich.“

Das, liebe Autorinnen und Autoren,

schreibt Friederike Mayröcker. Zwei Dialogsätze genügen, um den Leser an die Person zu binden, die bekennt, dass sie nicht weiß, wie man ein Gedicht kocht und ich möchte mehr darüber wissen.

Anders die bekannte afroamerikanische Schrifstellerin Toni Morrison. Sie beschreibt den Einsatz von Dialogen so: „Ein Dialog muss seinen eigenen Ton bekommen. Durch die Art wie die Leute reden, muss man sie auf Anhieb charakterisieren können; ihre Herkunft, Temperament, Begierden können am besten in Form der direkten Rede ausgedrückt werden.“

Für Autoren gibt es verschiedene Wege zum Dialog. Interviewer: „Sie schreiben mit der Hand? Auch Drehbücher?“ Woody Allen: „Ich schreibe alles zuerst mit der Hand. Schreiben von Hand mag gut für einen Roman sein, aber nicht für die gesprochenen Reden. Ich spreche meine Sätze laut vor, dann tippe ich, rede wieder, schreibe sie nieder usw. So weiß ich, dass sie auch gespielt werden können. Manchmal schreiben die Leute Drehbücher, die sich sehr gut lesen, aber sie funktionieren nicht, wenn jemand tatsächlich spricht.“

Ein scheinbarer Widerspruch liegt darin, dass ein echter Dialog aus dem Alltag meist wenig überzeugend klingt. „Leser erwarten von einem fiktionalen Dialog mehr als von einem bloßen Alltagsgespräch im echten Leben. Fiktionaler Dialog muss mehr Wirkung erzeugen und komprimiert mehr Wesentliches als ein reales Gespräch. Denn echte Gespräche sind oft banal und würden auf Papier unsagbar langweilen. Versuchen Sie einmal, eine Unterhaltung mitzuschreiben, die Sie hören. Oder nehmen Sie eine Unterhaltung auf und übertragen Sie sie dann in den Computer. Vermutlich ist sie langatmig und öde, weil die Sprecher ewig brauchen, um auf den Punkt zu kommen.“ Christopher Keane erklärt auf ganz praktische Weise, worauf man beim Dialogeschreiben achten sollte: Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch. Mit einem vollständigen, kommentierten Drehbuch, Vorwort von Casablanca-Autor Julius J. Epstein, 400 Seiten, nur 19,90 Euro versandkostenfrei:
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Über das Drehbuchschreiben (10 Tipps von Billy Wilder) und wie es Drehbuchautoren ergeht, die fürs Fernsehen arbeiten, schreibt der Profi Markus Stromiedel in seltener Offenheit in seinem Beitrag für das Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/2011: „Fernsehautoren unter der Fuchtel der Einfallslosen“. Mit enthalten sind alle wichtigen Adressen für Drehbuchautoren, Buch- und Theaterautoren. Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2010/2011, 800 Seiten, Hardcover, unabhängig und kritisch, frei von bezahlten Anzeigen, nur 29,90 Euro versandkostenfrei:
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Im Tieger-Blog finden Sie einen kurzen Kommentar von John Fante, der seine Romanfigur das Schreiben von Romanen mit dem des Drehbuchschreiben vergleichen lässt:
www.autorinnen.de

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Gerhild Tieger

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