Marco Schmidt berichtet am 7.1.2010 in der FAZ unter der überschrift „Von Gangstern, Musikern und Pilgern – Lernen von den Meistern: Cuarón, Jarmusch, Kusturica“ über das Filmfestival Marrakesch und die meisterkurse der drei erfolgreichen regisseure.

Cool und bescheiden tritt Jarmusch auf: „Ich bin kein Lehrer“, stellt er gleich zu Beginn seines Meisterkurses klar, „sondern ein Student, der bei jedem Film aus seinen Fehlern etwas Neues lernt.“

Die Arbeit an einem Film beginnt meist mit der Idee für eine Figur: „Mein Job besteht darin, stets meine Antennen auszufahren, um Ideen zu empfangen“, sagt er. „Diese Einfälle sammle ich – das heißt, ich schreibe sie per Hand in ein kleines Notizbuch, und zwar so lange, bis sich eine Art Handlung herauskristallisiert.“

Das Drehbuch ist für ihn wie eine Landkarte, an der er sich am Set nur grob orientiert: „Man sollte immer offen sein für alternative Routen. Ich verzichte bewusst auf die üblichen Storyboards und Drehpläne, weil ich jede Art von Planung hasse.“ Die Plazierung der Kamera ist ihm jedoch ebenso wichtig wie seinen beiden Kollegen, wobei er reichlich unkonventionell vorgeht: „Sobald ich ein spektakuläres Motiv entdecke, drehe ich mich um und filme in die andere Richtung. Alles Pittoreske ist mir zuwider!“

„Film ist Teamwork. Ohne die anderen würde sich das Schiff nirgendwohin bewegen.“

Jarmusch stellt sich bereits beim Schreiben immer bestimmte Schauspieler in den Hauptrollen vor – und schwört auf intensive Probenarbeit. „Allerdings probe ich nie die Szenen des Films. Stattdessen erfinde ich neue Situationen, damit die Darsteller lernen, so zu fühlen und zu handeln wie ihre Filmfiguren. Ich hoffe, dass sie dann beim Drehen improvisieren – und so meine stümperhaften Dialoge verbessern.“