Thomas David im gespräch mit der schriftstellerin, die an die „Macht der Literatur“ glaubt:

Welche Position nimmt der Schriftsteller in der Gesellschaft ein?

„Als Schriftsteller ist man Beobachter, und als solcher darf man nicht Teil dessen sein, was man beobachtet. Natürlich ist es hin und wieder schön, Teil der Gesellschaft zu sein, aber dann ist es auch wieder wichtig, sich zurückzuziehen. Jeder Schriftsteller definiert seine gesellschaftliche Rolle anders, aber die Autoren, die ich in dieser Hinsicht bewundere, sind Tschechow und Robert Louis Stevenson, weil sie sich neben ihrer schriftstellerischen Arbeit auch noch als politische Aktivisten betätigt haben. Sie waren als Menschen bewunderungswürdig – so wie Vàclav Havel, den ich für einen großen Schriftsteller halte, weil sein Werk von der Freiheit handelt. Gar nichts übrig habe ich für Schriftsteller, die Zensur rechtfertigen oder die Geschichten anderer stehlen, die aus Rache über andere schreiben oder in ihren Romanen lediglich die Realität kopieren, und das oft nur schlecht, statt die eigenen Vorstellungskraft zu gebrauchen. Diese Art Autor nimmt nur auf, aber er gibt nichts, und davor habe ich nur wenig Respekt.“