Mi 9 Dez 2009
P.D. James: kriminalromane früher und heute
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
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Thomas David hat die neunundachtzigjährige geadelte Baroness James of Holland anlässlich des erscheinens ihres neunzehnten romans “Ein makelloser Tod” interviewt:
Für Agatha Christie war ein Mord kaum mehr als der willkommene Anlass zu einem Gesellschaftsspiel.
“Das stimmt, aber der Kriminalroman, und damit meine ich den klassischen englischen Detektivroman, hat sich seit dem sogenannten “Goldenen Zeitalter”, dem Zeitalter von Agatha Christie, Ngaio Marsh, Dorothy L. Sayers und Margery Allingham, auf dramatische Weise verändert. Damals war der Tod tatsächlich nur eine Notwendigkeit, weil man für den Detektivroman eben ein Rätsel, die Hinweise auf die Tat, den Kreis der Verdächtigen und natürlich den Detektiv brauchte, der wie ein Rachegott auftritt und die verlorene Ordnung wiederherwstellt. Es gab auch Detektivromane ohne Mord, Dorothy L. Sayers’ “Aufruhr in Oxford” zum Beispiel, aber meist handelt es sich um einen gewaltsamen Tod, zumal der Tod eines Menschen von einzigartiger Bedeutung und Mord ein einzigartiges Verbrechen ist – der Mörder nimmt schließlich ein Leben, das er nicht gegeben hat. Für Agatha Christie hatte der Tod in ihren -Romanen noch fast etwas Beiläufiges; heutzutage geht man mit ihm viel ernsthafter und realistischer um.”
Hätten Sie Kriminalromane geschrieben, wenn Sie keine gläubige Christin wären?
“Es stimmt, dass ich fest im christlichen Glauben verankert bin, aber ich glaube, selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würde ich den Tod noch interessant und rätselhaft finden.
Der Mensch ist letztlich nichts als das klügste aller Tiere, und es ist ihm im Laufe der Zeit zwar gelungen, sich vollständig vom Tierreich auszugrenzen, aber wenn wir geboren werden und wenn wir sterben, sind wir den Tieren unleugbar nahe.”