Ein Auszug aus einem Roman über einen Schriftstellerpaar mit drei Katzen:

Es gibt eine Sache auf der Welt, der keine Katze, von welcher Art auch immer, widerstehen kann, und das ist die warme Kühlerhaube eines Autos. Ting und Thai, die zwei Siamkatzen, ließen sich darauf nieder und Ting blickte zur Windschutzscheibe. Er starrte lang in sie hinein und durch sie hindurch, bis er schließlich sagte: »Siehst du auch, was ich sehe?«
Thai sah in dieselbe Richtung, und sein Körper wurde stocksteif. Beide blicken in ein riesiges Gesicht, das sie über das Lenkrad hinweg ebenfalls anstarrte. Dieses Gesicht besaß zwei große Augen, die etwas blutunterlaufen waren, kräftig braune Hängeohren und lange Lefzen, die von den Wangen herunterhingen.
Ting erkannte augenblicklich, dass es nicht jener braunweiße Köter war, der ihn damals aufs Dach des Werkzeugschuppens gejagt hatte. Dieser Hund hier hatte einen freundlicheren Ausdruck, und in seinen Augen schien ein Lächeln zu liegen. Als er sprach – und er war es, der es zuerst tat – klang seine Stimme tief und behaglich, als ob er gerade einen Golfball halb hinuntergeschluckt hätte.
»Wie geht es Ihnen?«, hob er an. »Leben Sie hier?«
Ting vergab sich nichts. »Schon möglich«, antwortete er kurz angebunden.
Eine Spur Speichel lief dem Hund auf die Brust hinunter. »Entschuldigen Sie«, sagte er höflich, als er ihn wieder hochzog. Dann fuhr er fort: »Es ist mir sehr angenehm. Die Dame, mit der ich zusammenlebe, denkt daran, das Ding dort drüben zu mieten.« Er wandte seinen riesigen Kopf der Scheune zu.
»In diesem Fall werden wir Nachbarn sein … Sie kommen doch wohl von Siam?«
»Unsere Familie stammt daher. Woher kommt Ihre?«
»Gradewegs aus Dänemark.«
»Wie heißen Sie?«, fragte Thai, der nicht abseits stehen wollte.
»Wie ich heiße?« Der Däne sabberte wieder etwas, seine lange Zunge kam zum Vorschein und leckte seine Lefzen ab.
»Ich bin Prinz Hansel von Kopenhagen, aber gegenwärtig habe ich diesen Titel abgelegt. Sie wissen ja, wie es heutzutage ist, da jeder Promenadenmischling sich für unsereinen hält. Deshalb nennt die Dame mich Oscar.«
»Ich habe meinen Titel ebenfalls abgelegt«, bemerkte Ting beiläufig. Er war nicht dafür, dem Prinzen das ganze Rampenlicht zu überlassen. »Und mein eigentlicher Name lautet: Baron Buddha von Bangkok.«

Warren Chetham-Strode
Tootoo- Immer das letzte Wort
Hardcover, 217 Seiten, illustriert,
edition tieger 2009