Fr 20 Nov 2009
Michael Köhlmeier: Mitten auf der Strasse
Geschrieben von gerhild unter Rezensionen
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Äußerlich und innerlich – ein gewichtiges Buch: Gewicht in der
Hand, Gewicht in den Geschichten und wichtig, weil Autoren nicht
nur die Geschichten, sondern auch seine »Alltagstexte« analysieren
und von ihnen lernen können. Michael Köhlmeier ist »ein Meister
der kleinen Form« und der hintergründigen Inhalte. Die Geschichten
kommen leicht daher und sind oft kurz. Mal treten sie als Charakteroder
Situationsbeschreibung, in der Art einer Zeitungskolumne, mal
als Märchen und Parabeln auf. Sie sind verkleidet als harmlos und
alltäglich, bis man darauf kommt, dass sie ein flimmerndes Unterkleid
haben.
Faszinierend, was Michael Köhlmeier mit den ersten Sätzen seiner
Geschichten anstellt, an denen der Leser kleben bleibt: »Ich habe
heute Inventur in meinem unnützen Kopf gemacht und da ist mir die
traurigste Geschichte meines Lebens eingefallen.«
»Wahrscheinlich«, sagte Rita, recht fröhlich übrigens, »werde ich
nie wieder einen Mann bekommen.«
»In Hamburg lebte ein Mann, der nicht mehr leben wollte.«
»In der Eisplatzstraße steht ein Haus, das über und über mit wildem
Wein bewachsen ist.«
»Ich roch das Feuer. Dann hörte ich den Mann singen.«
»Während einer Zugfahrt von Wien nach Graz saß ich einst mit
dem Teufel in einem Abteil.«
»An manchen Tagen fügt sich alles zur Metapher.«
Nach einem solchen Anfangssatz bleibt alles offen für den folgenden
Inhalt, alles ist möglich und oft endet es mit einer Überraschung.
Michael Köhlmeier
Mitten auf der Strasse.
Die Erzählungen.
614 Seiten, gebunden, Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien, 2009