Ein Multitalent war Patricia Highsmith, die während ihres Lebens
immer wieder bedauerte, dass aus ihr keine Malerin geworden war,
die aber das Zeichnen nicht lassen konnte. Allerdings hatte sie etwas
mehr als diese beiden Passionen in ihrem Privatleben: Da war das
regelmäßige und exzessive Trinken, das Kettenrauchen und die
Frauen. In einer Zeit, in der Homosexualiät nicht gesellschaftsfähig,
in Künstlerkreisen jedoch weit verbreitet war, zeigte sie offen
ihre Liebe zu Frauen. 1952 schrieb sie unter dem Pseudonym Claire
Morgan den Lesbenroman Salz und sein Preis. Die Schriftstellerin
Marijane Meaker und Pat verlieben sich, als sie sich in einer New
Yorker Lesbenbar begegnen: »Pat war lang und dünn. Schwarzes,
schulterlanges Haar und dunkelbraune Augen. Sie sah aus wie eine
Mischung aus Prinz Eisenherz und Rudolf Nurejew«. Beide hatten
als Schriftstellerinnen viele gemeinsamen Interessen. Belastend für
ihre Beziehung war, dass Marijane ständig fürchtete, Pat könnte sich
einer neuen Geliebten zuwenden. Sie war ständig unsicher und eifersüchtig,
weil es Pat immer wieder spontan nach Europa zog. Dann
entscheiden sich die beiden Frauen für ein Leben auf dem Land, ganz
dem Schreiben und dem Leben zu zweit hingegeben. »Ich fand, dass
es gut für uns war, wenn keine Freunde in der Nähe waren und wenn
wir überhaupt wenig Leute sahen.« Wie es nach einem Jahr dazu
kam, dass diese Idylle ein Ende fand, beschreibt Marijane fair und
behutsam. Ernüchternd wirkt das letzte Treffen der beiden ehemals
Liebenden nach vielen Jahren, die Patricia Highsmith in Europa,
hauptsächlich in der Schweiz verbringt. Marijane, die in den USA
geblieben war, ist erschüttert über Patricias antisemitische Haltung,
die darin gipfelt, dass sie die PLO für unterstützungswürdig hält.
Die misstrauische, misanthropische Lebenseinstellung der einstigen
Geliebten trennt die beiden Frauen endgültig voneinander.

Marijane Meker
Meine Jahre mit Pat
Erinnerungen an Patricia Highsmith
325 Seiten, Broschur, Diogenes Verlag, 2005