Die Behauptung, schon Goethe habe seinen Götz in einem Zuschussverlag
veröffentlicht, zeugt von großer literarischer und historischer
Unkenntnis. Denn vor zwei Jahrhunderten gab es noch kein Urheberrecht
und kein Verlagsrecht, wie es heute selbstverständlich ist. Die
Errungenschaften der Autorenverbände sind nicht ohne die ersten
geschickten Verhandlungserfolge von Goethe denkbar. Über Johann
Wolfgang Goethes Geschäfte und Finanzen berichtet der Germanist
und Historiker Jochen Klauß. Götz von Berlichingen ist demnach
zuerst 1773 im Selbstverlag erschienen, vermutlich in einer Auflage
von 500 Exemplaren. Nicht das Buch, sondern die Theaterinszenierungen
brachten den Erfolg. Bald gab es auch die ersten Raubdrucke.
So war auch sein in einem Verlag erschienener Briefroman Die
Leiden des jungen Werthers ein großer Erfolg, jedoch begleitet von
zahlreichen Raubdrucken, gegen die Autoren und Verleger zu der
damaligen Zeit praktisch machtlos waren. Johann Wolfgang Goethe
jedenfalls klagte: »Mir hat meine Autorschafft die Suppen noch
nicht fett gemacht, und wird’s und solls auch nicht thun.« Interessant
auch die Ausführungen über Goethes literarisch untalentierten
Sohn August von Goethe, der als Alkoholiker starb.

Jochen Klauß
Genie und Geld
Goethes Finanzen
219 Seiten, gebunden, Patmos, 2009