Die Schriftstellerin Joan Aiken ist absolut verschwenderisch mit
den eigentümlichen Figuren in ihrem Buch. Es wimmelt nur so
von extremen Charakteren, von Einzelgängern, Exzentrikern und
höchst eigenwilligen Personen und allen gibt sie einen überzeugenden
Lebenshintergrund. Aulis, genannt Dienstag, ist eine sehr junge
Schriftstellerin, deren erstes Buch recht erfolgreich war. »Mir wurde
jetzt klar, dass es ein Fehler gewesen war, dieses Buch (Leichte Verletzung)
zu veröffentlichen; einer jener unangenehmen Fehler, die
einen jahrelang mit Gewissensbissen erfüllen. Geschrieben hatte
ich es mit großer Begeisterung – es war eine Art Übung, die einem
mit siebzehn die Mühe wert scheint. … Als ich im nächsten Jahr
in eine Conrad-Manie verfiel und einen ernsten, düsteren Roman
im Conrad’schen Stil schrieb, mochte ihn deshalb niemand nehmen.
Man wollte, dass ich eine zweite Verletzung schrieb. Ich hatte nicht
den Ehrgeiz, mein restliches Leben lang Badezimmerlektüre zu produzieren;
ich zerriss den Conrad-Roman – er verdiente es –, verkroch
mich und schrieb nur ein paar Erzählungen, bis sich der Wirbel
gelegt hatte.« Joan Aiken hat hier einen Psychothriller in einer
Rosamunde-Pilcher-Landschaft angesiedelt, der bis zur letzten Seite
voller Überraschungen die Spannung behält.

Joan Aiken
Die Kristallkrähe
Aus dem Englischen von Helmut Degner
255 Seiten, Broschur, Diogenes, Sonderausgabe 2009