Der junge Briefträger Bilodo in Montreal begeistert sich für die Kalligraphie
und für Briefe, die er den Empfängern liefern sollte. Stattdessen
öffnet er sie zu Hause über Wasserdampf und taucht ein in
das Leben und die Schicksale fremder Menschen. Seine Sammlung
ist inzwischen schon recht groß, aber zwei Briefschreiber interessieren
ihn besonders: Professor Grandpré und seine Briefpartnerin
Ségolène von der Insel Guadelupe.
Schon deshalb ist dieser Roman ungewöhnlich, weil eine seiner
Hauptfiguren eine japanische Versform mit siebzehn Silben ist: der
Haiku.
Bilodo kopiert das Foto, das er in einem von Ségolènes Briefen
an Grandpré findet, und verliebt sich. Die Haikus, die sich die beiden
gegenseitig schreiben, faszinieren ihn: »Wie wird man Dichter?
Ließe sich das erlernen? Gab es so etwas wie einen Haiku-Kurs?«
Als Grandpré tödlich verunglückt, übernimmt Bilodo dessen Wohnung,
führt dessen Leben weiter und den Briefwechsel mit Ségolène
fort … Die Thematik und Sprache sind faszinierend, metaphernreich
und romantisch. Das Ende ist traurig und mystisch und wird nicht
verraten; ein Buch für ambitionierte Lyrikliebhaber und -schreiber.

Denis Thériault
Siebzehn Silben Ewigkeit
154 Seiten, Broschur, dtv premium, 2009