“Seraphine späht über meine Schulter und sagt: “Ich lese nichts, doch ich frage mich, was du alles zu sagen hast. Und vor allem hoffe ich, du erwähnst mich nicht – ich gehe niemanden etwas an.”
“Es ist für mich,” antworte ich hastig.
“Aber dein Freund, der Schriftsteller Max Bouquet, hat dir doch gesagt, du solltst es lassen, man schreibt nicht aus Müßiggang, sondern weil uns ein Thema am Herzen liegt, weil wir ein Problem darstellen wollen. Not ist es, die der Leser spüren muss. Hast du eine Not? Bouquet meinte auch, es fordere den ganzen Mann, vor einem leeren Blatt zu sitzen. Er hat mich gebeten, du mögest diese Spielereien lassen, zumal sie meistens in Indiskretionen ausarten. Ich will keinen Prozess an den Hals bekommen, weil du mit einer Begebenheit zu persönlich und dazu nicht einmal wahrheitsgetreu warst.”
aus dem roman: Am Fenster von Luc Bondy, Paul Zsolnay Verlag, Wien