Di 27 Okt 2009
Ralf Rothmann: das erste mal öffentlich lesen
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
in diesem roman wird ein schriftsteller porträtiert, seine entwicklung, seine zweifel, sein weg. einige autobiografische züge soll der autor dem eigenen leben entnommen haben:
“Wolf liest hier zum ersten Mal aus seinen Texten – mit fahler Stimme, zitternd bis in die Manuskriptseiten hinein und vor Scham so schnell, als wollte er vor dem drohenden Verständnis der Zuhörer fliehen. Ihre stille Aufmerksamkeit macht ihn einsamer als er es je war, misstrauischer auch; alle Bilder klingen plötzlich nur noch nach Papier, in jeder Assonanz oder Alliteration schimmert seine Eitelkeit auf, jede Pointe ist schon deswegen fade, weil sie Pointe sein will, und vor dem kultivierten Kopfnicken und dem gelegentlichen Seufzen oder Räuspern hier und da kommt er sich vor wie ein nachtes Nichts, das seine Kirmes-Tätowierungen präsentiert.
Das Schweigen nach der Lesung ist ein Loch ohne Boden; nur zögerlich setzt das Klatschen ein und hört sich dünner an als bei den anderen, eine Diskussion wird der Ochsenschwanzsuppe geopfert, und entsetzt von sich selbst, beschließt er, nie mehr eine Zeile zu schreiben; verzweifelt zerreißt er das Manuskript auf dem Klo.”
aus: Ralf Rothmann, Feuer brennt nicht, Suhrkamp Verlag
3. November 2009 um 17:09
Nie mehr schreiben – welch köstliche, verlockende Illusion!
Selig sind da die, die meinen, Schreiben wäre eine Entscheidung oder Willensangelegenheit = etwas für die Freizeit – selig sind da die, die arglos ein paar Wörter arrangieren, denn sie werden nicht von Wörtern arrangiert.
Den Verdammten sei gesagt: die Hölle endet mit dem Tode – die Hoffnung ebenfalls. Sterben werden wir noch früh genug – “Also machen wir weiter!”<- Garcin, “Geschlossene Gesellschaft” von JP Sartre.
3. November 2009 um 17:17
Das erste Mal öffentlich war bei einem Poetry-Slam – nie wieder trete ich bei sowas auf; außer vielleicht um das Publikum zu beleidigen.
Nicht mal ein Bierchen als Trostpreis für mich abgehalfterten Schreiberling – das stieß mir besonders auf. Klar war ich Pleite…
Ich schreibe lieber vor mich hin – und hoffe auf den “Lucky Strike” ; auf dass mich ein Succubus küsst – bei vollem Bewußtsein…