Di 23 Jun 2009
Cotterill, Bottini, Disher, Gay, Gerritsen, Kettenbach, Vargas – originelle zutaten beim krimischreiben
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
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der journalist Michael Roesler-Graichen hat im Börsenblatt des deutschen Buchhandels analysiert, welche krimis gute chancen bei deutschen lesern haben und womit sie sich beschäftigen. für noch namenlose autoren kann dies anregend sein. schon der erste satz von Roesler-Graichen zu Colin Cotterils krimi “Dr. Siri sieht Gespenster” (Manhattan) enthält einen hinweis auf grundsätzliche lesererwartungen:
“Der Überdruss, den die uninspirierte Produktion von (Serien-)Killerstorys oder Verschwörungsplots beim Leser erzeugt, lässt sich lindern: durch originelle Schauplätze, schräge Einfälle, ungewöhnliche Ermittler, durch eine Sprache, die sich – frei von Klischees und einem Tonfall, der sich ständig selbt reproduziert – einprägt, die anspielungsreich und selbstironisch ist.”
Über Hans Werner Kettenbach (Das starke Geschlecht, Diogenes) sagt der rezensent:
“Die Fälle, die er schildert, sind zugleich Studien gesellschaftlicher Millieus, deren psychodramatische Struktur er freilegt.”
Fred Vargas (Der verbotene Ort, Aufbau) beschreibt die grundlage ihrer romane so:
“Ich interessierte mich für die Urängste. Ich erzähle moderne Märchen und Legenden.”
Garry Disher (Beweiskette, Unionsverlag – nicht zu verwechseln mit Union Verlag) wird “subtiler Spannungsaufbau” bescheinigt.
“Seine Krimis spielen auf der Halbinsel Morninton, die Bewohner sind freundliche, unauffällige Menschen. Hinter der Fassade der Normalität aber lauert das Verbrechen.”
Tess Gerritsen (Grabkammer, Limes) bietet eine Internistin als protagonistin an, die “Talent für abwitzige Einfälle und Konstellationen ” hat und dabei alle “Mittel der medizinischen Diagnostik” einsetzt.
den romanen des in Berlin lebenden kriminalschriftsteller Oliver Bottinis (Jäger in der Nacht, Scherz) wird bescheinigt, das sie “temporeich geschrieben” und “durch kurze, pointierte Dialoge und vor allem Spannung” überzeugen. Zusätzlich läßt er Menschen auftreten, “die die Seite wechseln”.
William Gay (Nächtliche Vorkommnisse, Arche) erzählt seinen roman in “Southern Gothic-Manier” von den perversen leidenshaften eines nekrophilen Leichenbestatters. – ein für den normalen leser sicher nicht ganz unproblematisches thema.