aus seinem essay “Die Drohung im Handgemenge” über die unfähigkeit des schriftstellers Hans Fallada, einen abstand zwischen sich, seinem schreiben und der wirklichkeit zu erhalten:

“Wir können die Wirkung von Wirklichkeit mit der Funktionsweise einer Prothese vergleichen. Beide, der Schriftsteller und der Leser, verwenden eine Prothese, wenn auch nicht dieselbe. Der Schriftsteller baut zwischen sich und den Gegenständen der Ausswelt die Prothese seines Abstands ein; die Prothese erlaubt ihm die Täuschung der Unmittelbarkeit, von der man nicht merken soll, dass sie eine Konstruktion ist. Für die anderen, die Leser, wird der fertige Text ebenfalls zu einer Prothese, das heisst zu einem Ersatzkörper, mit dessen Hilfe wir – mit einem Wort von Italo Svevo – das “grauenvolle wirkliche Leben” studieren können, ohne diesem je zu nahe zu treten.

Schriftsteller, denen die Erfindung einer Prothese nicht gelingt, müssen stets auf die eigene Biografie, auf den eigenen Körper, auf die eigene Erfahrung zurückgreifen. Der Raum zwischen Ich und Welt füllt sich bei ihnen nicht mit einem besondere Filter, die Widerstände fangen sich bei ihnen nicht in einer eigens konstruierten Pufferzone, die dem Leser auf jeder Seite klarmacht: Zwischen uns und dem Text existiert ein angenehmer Schein, der sich ausschließlich dem ästhetischen Vermögen eines Autors verdankt. Schriftsteller, die ohne diesen Schein arbeiten, gelten auf den höheren intellektuellen Rängen als nicht besonders reflexionswürdig.”