im frühjahr erschien der neue roman von Ralf Rothmann Feuer brennt nicht, in dem er seinen protagonisten bei der entwicklung zum schriftsteller begleitet. er schildert Wolf nicht als einen besonders liebenswerten menschen, wenn der verdacht stimmt, dass jener zumindest teilweise sein alter ego sei. die expliziten sexscenen könnten aber vielleicht schüchterne schreiber ermutigen, falls sie das buch von E. Benedict: Erotik Schreiben noch nicht kennen.

Wolfs traum vom schriftstellerleben:
„Ein Schriftsteller zu sein, niemandem und nichts verpflichtet als der Schönheit, und mit poetischer Lizenz zu arb eiten, wann und wo und wie viel man will – das war für Wolf, der noch nichts wußte von der inneren Notwendigkeit eines Textes, der Tyrannei des Kunstzwangs oder der Infamie des Betriebs, lange verlockender als das Schreiben selbst.“ (…)

„Er will schreiben, glaubt aber immer wieder, dass er es nie können wird, weil ein Geheimnis dazugehört, von dem er schon aufgrund seiner Herkunft ausgeschlossen ist, seiner dürftigen Bildung, die alle Lebenserfahrung nicht wettmacht. Denn was nützt es, etwas zu erzählen zu haben, wenn man es nicht gestalten kann. Doch neben seiner Hilfe in handwerklichen Dingen, die hauptsächlich darin besteht, ihm Sentimentales auszutreiben, indem er Hohlräume abklopft und Adjektive streicht, bleibt es die ernsthafte und gleichzeitig legere Art, mit der Richard ihm vorlebt, dass letztlich alles eine Frage der Beharrlichkeit ist und auch in der Kunst nur mit Wasser gekocht wird …

aus: Feuer brennt nicht von Ralf Rothmann, im Surhkamp Verlag erschienen